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ARZNEIPFLANZEN

Wegwarte

Bereits Paracelsus beschrieb die Wegwarte als schweißtreibend; Sebastian Kneipp empfahl sie bei Magen-, Darm- und Lebererkrankungen. Traditionell wird die Wegwarte darüber hinaus bei allgemeinen Schwächezuständen, Rheuma und Gicht sowie äußerlich bei Hautkrankheiten angewendet.
Annette Immel-Sehr
23.09.2020  17:35 Uhr
Foto: Getty Images/Diana Robinson Photography
Foto: Adobe Stock/ortodoxfoto
Foto: Shutterstock/shansh23

Im Überblick

NAME
Gemeine oder Gewöhnliche Wegwarte
BOTANISCHER NAME
Cichorium intybus
FAMILIE
Korbblütler
BOTANISCHE FAMILIE
Asteraceae
WEITERE NAMEN
Zichorie, Wegeleuchte, Hansl am Weg, Sonnenwedel, Blaue Distel, Kaffeekraut

Merkmale

  • bis zu 1 m hohe mehrjährige Staude
  • im ersten Jahr nur bodenständige Blattrosette mit 10 bis 30 cm langen schrotsägeförmigen Grundblättern
  • später verzweigter, borstig behaarter Stängel mit lanzettlichen Blättern
  • zahlreiche himmelblaue, selten weiße Blüten (3 bis 5 cm)
  • Blütezeit: Juli bis Oktober
  • Blüten öffnen sich nur vormittags
  • unterirdische 10 bis 30 cm lange Spindelwurzel
  • kleine kantige Früchte mit kurzem Haarkranz

Heimat

  • vermutlich England
  • fast weltweit verbreitet an Wegrändern, Schutthalden und Bahndämmen

Arzneilich verwendete Pflanzenteile

  • getrocknete Wurzel (Cichorii radix)
  • Droge stammt meist aus Wildsammlungen aus Polen und Russland
  • auch das geschnittene Kraut ist als Tee im Handel

Inhaltsstoffe

  • bittere Sesquiterpenlactone
  • Cumarine
  • Phenolcarbonsäuren
  • Inulin

Anwendung

  • Appetitlosigkeit und Magen-Darm-Beschwerden (Kommission E)

Empfohlene Dosierung

  • einmal täglich eine Tasse Wegwartenwurzeltee; Tagesdosis 2 bis 4 g
  • sinnvoll ist auch eine Mischung aus gleichen Teilen Wegwartenwurzel und Löwenzahnwurzel

Nebenwirkungen

  • Keine bekannt

Wechselwirkungen

  • Keine bekannt

Abgabehinweise

  • Nicht anwenden bei Allergie gegen Korbblütler

Zubereitung

  • 2 bis 4 g fein geschnittene Wegwartenwurzel mit circa 150 ml kochendem Wasser übergießen und nach 10 Minuten abseihen

Weitere Informationen

Beim Rösten der inulinreichen Wurzel der Gemeinen Wegwarte entstehen Substanzen mit Kaffee-ähnlichem Geschmack. Friedrich der Große förderte den Anbau der Zichorie als preisgünstige Alternative zum teuren Bohnenkaffee. Zusammen mit Gerste und Roggen war die geröstete Zichorienwurzel Bestandteil eines koffeinfreien Kaffee-Ersatzes. Auch heute noch gibt es solche als Landkaffee bezeichneten Kompositionen im Handel. Die Rheinländer haben dafür während der Besatzung durch Napoleon den Begriff »Muckefuck« kreiert – eine Verballhornung des französischen »mocca faux«, was übersetzt falscher Mokka heißt.

Als belgische Bauern im vergangenen Jahrhundert nach einer reichen Ernte die überschüssigen Wurzeln der »Kaffee-Zichorie« im Gewächs­haus mit Erde bedeckten, beobachteten sie zufällig im Winter kräftige bleiche Knospen. Die Pflanzen wurden in Kultur genommen, weiter entwickelt und als Chicorée auf den Markt gebracht.