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ARZNEIPFLANZEN

Weide

Schon die Assyrer und Babylonier kannten die Weidenrinde als fiebersenkende und schmerzstillende Arznei. Den ältesten Beleg hierfür liefert eine Tontafel aus der Zeit um 700 v. Chr., auf der neben Rezepturen auch Weidenblätter abgebildet sind.
Annette Immel-Sehr
30.07.2020  15:29 Uhr
Foto: Getty Images/Alain de Maximy
Als Fertigpräparat oder Tee: Die Salicylate in Weidenrinde wirken gegen Schmerzen. / Foto: Adobe Stock/Heike Rau

Im Überblick

NAME
Weode
BOTANISCHER NAME
Salix purpurea | Salix daphnoides | Salix fragilis
FAMILIE
Weidengewächse
BOTANISCHE FAMILIE
Salicaceae
WEITERE NAMEN

Merkmale

  • 6 bis 10 m hohe Bäume oder Sträucher  
  • je nach Weidenart sehr unterschiedliche Blätter: von fast kreisrund bis schmal lanzettförmig, hellgrün, manchmal silbrig, meist auf der Unterseite behaart, beim Trocknen häufig schwarz werdend
  • zweihäusig, d. h. männliche und weibliche Blüten wachsen auf verschiedenen Bäumen
  • Blüten in kätzchenförmigen Blütenständen
  • weibliche Kätzchen: grünlich; männliche Kätzchen: weit herausragende gelbe Staubblätter
  • Blütezeit: März
  • 1,5 mm lange Samen mit feinen Härchen, die als wollene Flocken über das Land fliegen

Heimat

  • Mitteleuropa
  • Droge stammt vor allem aus vorwiegend aus Bulgarien, Ungarn und Rumänien

Arzneilich verwendete Pflanzenteile

getrocknete Rinde junger Zweige sowie sehr junge Zweige (Salicis cortex)

Inhaltsstoffe

  • Salicylalkohol-Derivate (Salicylate)
  • Kaffeesäure-Derivate
  • Flavonoide

Anwendung

  • leichte Rückenschmerzen und leichte rheumatische Beschwerden; außerdem fiebrige Erkältungen und Kopfschmerzen (ESCOP)
  • fieberhafte Erkrankungen, rheumatische Beschwerden, Kopfschmerzen (Kommission E)
  • definierter Weidenrindentrockenextrakt: kurzzeitige Behandlung leichter Rückenschmerzen (HMPC)

Empfohlene Dosierung

  • Fertigarzneimittel: siehe Packungsbeilage. Die empfohlene Tagesdosis in Bezug auf Salicylate liegt bei 120 bis 240 mg.
  • Teeaufguss: 3- bis 4-mal täglich eine Tasse Weidenrindentee trinken; mittlere Tagesdosis: 4 bis 12 g Droge

Nebenwirkungen

selten Magen-Darm-Beschwerden, Überempfindlichkeitsreaktionen der Haut

Wechselwirkungen

  • Wirkungsverstärkung von gerinnungshemmendem Arzneimitteln
  • Wirkungsabschwächung von Urikosurika

Kontraindikationen

  • Schwangerschaft und Stillzeit
  • Alter unter 18 Jahren
  • bei Asthma, Magen-Darmgeschwüren und eingeschränkter Nieren- oder Leberfunktion nur nach Rücksprache mit dem Arzt

Abgabehinweise

  • nicht einnehmen bei Überempfindlichkeit gegenüber Salicylaten und anderen Antirheumatika

Zubereitung

2 bis 3 g fein geschnittene oder grob pulverisierte Weidenrinde mit 150 ml kaltem Wasser versetzen, den Ansatz zum Kochen bringen, vom Herd nehmen und nach 10 Minuten abgeseihen

Beispiele für Monopräparate

  • Weidenrinde Kapseln Natura Vitalis

Beispiele für Kombipräparate

  • Erkältungstee Bombastus
  • Teufelskralle Weiderinde Tee Caelo
  • Rheuma Tee H&S

Weitere Informationen

Kopfweiden

Die biegsamen Triebe bestimmter Weidenarten werden schon seit vorchristlicher Zeit als Flecht- und Baumaterial genutzt. Daraus entstehen beispielsweise Körbe, Möbel oder Fischreusen. Zur Gewinnung der Ruten werden die Bäume regelmäßig in einer Höhe zurückgeschnitten, die ohne Leiter bequem erreichbar ist. An diesen Schnittstellen verdickt sich der Stamm mit der Zeit, und es entsteht die typische Kopfweidenform, die das Bild feuchter Kulturlandschaften, wie etwa am Niederrhein, prägt. Kopfweiden sind anfällig gegenüber Fäulniserregern, sodass sie relativ bald Hohlräume bilden, die Siebenschläfern, Fledermäusen und Steinkäuzen als Nistquartiere dienen. Kopfweiden wachsen und blühen selbst dann noch, wenn sie nahezu vollständig hohl sind.