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Tonsillitis und Pharyngitis

Pflanzliches für den Hals

Schmerzhafte Rachen- und Mandelentzündungen sind in den meisten Fällen viral bedingt. Diese Tatsache bringt pflanzliche Zubereitungen als Behandlungsoptionen ins Spiel. Besonders für Kinder sind sie geeignet.
Ulrich Enzel
23.09.2020  15:00 Uhr

Eines der häufigsten Krankheitsbilder bei Kindern und Jugendlichen stellt in der Praxis die zu 70 bis 95 % viral bedingte akute Rachenentzündung dar. Diese Pharyngitis geht oft mit einer Entzündung der Mandeln, einer Tonsillitis, einher. Der ab dem dritten Lebensjahr anwendbare sogenannte McIsaac-Score erleichtert die Differentialdiagnose zu einer (selteneren) bakteriellen Tonsillitis durch A-Streptokokken. Nur eine solche sollte unverzüglich antibiotisch behandelt werden.

Um einen unnötigen Einsatz von Antibiotika zu vermeiden, arbeiten Kinder- und Jugendärzte mit dem McIsaac-Score. Dieser erfasst Beschwerden wie Fieber, Husten, geschwollene Lymphknoten, vergrößerte oder belegte Tonsillen und das Alter. Die bakterielle Tonsillitis hat im Alter von 3 bis 14 Jahren ihren Erkrankungsgipfel.

Typisch für eine virale Genese sind nach diesem Score zum einen Schmerzen und Kratzen im Hals, zudem Schluckbeschwerden, Reizhusten und eine Druckschmerzhaftigkeit direkt unterhalb der Ohrmuscheln. Oftmals besteht eine meist nicht sehr ausgeprägte Erhöhung der Körpertemperatur. Die Gaumentonsillen sind höchstens mäßig gerötet und frei von Exsudat, auch fehlt die bei einer bakteriellen Tonsillitis geradezu regelhafte (druck-)schmerzhafte Schwellung der Lymphknoten unterhalb des Unterkiefers.

Auch die aktuelle S3-Leitlinie »Halsschmerzen« der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin (DEGAM) weist darauf hin, dass akute Tonsillitiden weit häufiger viral verursacht werden als bakteriell, Pharyngitiden fast ausschließlich viral bedingt sind. Dies rechtfertigt zumindest in den Fällen, in welchen eine bakterielle Ursache einer Tonsillitis weder klinisch noch laborchemisch gesichert werden kann, den Einsatz einer wirksamen Phytotherapie – auch als Zusatztherapie zu einer Antibiose.

Zum Sprühen und Gurgeln

Als erste Option stehen Salbei-Zubereitungen zum Sprayen oder Gurgeln zur Verfügung, die innerhalb von spätestens zwei Stunden den Halsschmerz und den Hustenreiz reduzieren (wie Weleda® Bio Rachenspray, Pari® Protect Rachenspray, Salviathymol®). Zumindest für Kinder ist zudem die Wirksamkeit eines Medizinprodukts aus Isländisch Moos (Isla® Moos-Pastillen) nachgewiesen.

In der Kinderarztpraxis bewährt hat sich ein traditionelles pflanzliches Arzneimittel aus sieben heimischen Arzneipflanzen (Kamillenblüten, Eibischwurzel, Schachtelhalmkraut, Schafgarbenkraut, Walnussblätter, Löwenzahnkraut und Eichenrinde, und zwar die Tabletten als gepulverte Droge, die Tropfen als ethanolischer Auszug, Imupret®). Rechtzeitig bei den ersten Symptomen eingenommen, belegen Anwendungsbeobachtungen eine gute Wirksamkeit bei Erkältungs-Infekten mit den typischen Symptomen von Pharyngitiden und Tonsillitiden. Besonders die Tropfen sind sehr gut verträglich und ab dem zweiten Lebensjahr zugelassen.

In-vitro-Untersuchungen konnten die mehrstufige Unterstützung des Immunsystems durch eine Steigerung der Phagozytoseleistung von Mono- und Granulozyten sowie eine Stimulation des »oxidativen Bursts« ebenso beweisen wie eine dosisabhängige antivirale und antimikrobielle Wirkung. Die Vermehrung von Rhino- und Respiratory-Syncytial-Viren – häufig die Erreger viraler Pharyngitiden – kann das Mischpräparat im Labor um bis zu 90 % verhindern.

Für Rachen und Bronchien

Noch breiter und durch Studien belegt ist das multifaktorielle Wirkprinzip des ab dem zweiten Lebensjahr – zur symptomatischen Behandlung der akuten Bronchitis – zugelassenen Pelargonien-Extrakts EPs 7630 (Umckaloabo®). Klinische Untersuchungen bei über 10.000 Patienten (darunter mehr als 4000 Kinder) beweisen eine signifikante Überlegenheit gegenüber Placebo durch einen gemilderten Krankheitsverlauf und schnellere Genesung. Bei an Nicht-Streptokokken-Tonsillitiden erkrankten 6- bis 10-jährigen Kindern erreichte der Spezialextrakt der Kapland-Pelargonie eine gegenüber Placebo deutlich raschere Reduktion aller Symptome. Selbst bei einer Streptokokken-Tonsillitis wird die Symptomdauer um zwei Tage im Vergleich zu Placebo reduziert. Auch chronisch rezidivierende Angina-tonsillaris-Krankheitsverläufe werden gebessert. Das Risiko einer Lebertoxizität des Präparates konnte durch umfangreiche Studien weitestgehend widerlegt werden.

Ergebnisse aus umfangreichen In-vitro- als auch tierexperimentellen Studien erklären die zugrundeliegenden Wirkprinzipien. Direkte antivirale und antibakterielle Eigenschaften konnten gefunden werden, dazu eine ausgeprägte Immunmodulation und Zytoprotektion infizierter Zellen. Zudem wird die Adhäsion von A-Streptokokken negativ beeinflusst. Sekretomotorische, sekretolytische und antitussive Effekte erweitern den therapeutischen Nutzen bei einer Pharyngitis, die in der Regel mit einer Reizhustensymptomatik einhergeht.

Gerade bei den so häufigen Krankheitsbildern viraler Tonsillitiden und Pharyngitiden können Studien-gesicherte Präparate aus Arzneipflanzen die Lücke schließen, welche das weitestgehende Fehlen chemisch-synthetischer Medikamente bei diesen Indikationen hinterlässt.

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