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Mehr als nur ein Film

Pflaster für besondere Fälle

Manche Wunden sind schwierig zu versorgen – etwa an Weichgeweben wie der Zunge oder sensiblen Oberflächen wie dem Darm. Forschende der Technischen Universität München (TUM) haben nun einen Film entwickelt, der solche Wunden nicht nur wie ein Pflaster schützen kann, sondern weitere positive Eigenschaften aufweist.
Annette Immel-Sehr
04.07.2022  14:30 Uhr

Der Pflasterfilm beschleunigt die Wundheilung, weist Bakterien ab, hemmt Entzündungen und löst sich zuletzt auch noch selbst auf. »Der dünne, flexible Film kann im trockenen Zustand mit der Pinzette angehoben und auf der Wunde platziert werden. Bei Kontakt mit feuchtem Gewebe wird die Unterseite gelartig und klebrig. So haftet der Film von selbst, ohne zusätzliche Fixierung, am Gewebe«, erklärt Forscherin Ceren Kimna. Der Film ist aus zwei Lagen aufgebaut. Die obere Seite besteht aus biologisch abbaubarem Kunststoff und Mucinen.

»Wir haben Mucine erstmalig für pflasterartige Filme eingesetzt. Hier übernehmen sie besonders wichtige Eigenschaften für den biologischen Schutz der Wunde«, erläutert der Leiter des Forschungsteams Oliver Lieleg, Professor für Biomechanik an der TUM. Die Unterseite des Films enthält Hyaluronsäure. Chemisch daran geknüpft sind Moleküle, die bei Kontakt mit Feuchtigkeit klebrig werden. Bei Bedarf können auch Wirkstoffe wie Antibiotika in die untere Schicht integriert werden. Bis das Film-Pflaster Marktreife erlangt, ist allerdings noch weitere Forschung nötig.

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