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Kardiologie

Pflaster für geschädigtes Herz

Sogenannte Herzpflaster, die einem geschädigten Herzen wieder neue Kontraktionskraft verleihen, stehen kurz vor ihrem Einsatz bei herzinsuffizienten Menschen.
Elke Wolf
27.05.2019  15:00 Uhr

Wird der Herzmuskel etwa durch einen Herzinfarkt geschädigt, bleibt grundsätzlich verletztes Gewebe zurück. Das macht den verbliebenen Herzmuskel weniger leistungsfähig. Forscher arbeiten bereits seit Jahrzehnten daran, das lädierte Gewebe mit im Labor gezüchteten Gewebeflicken, die aus kontraktionsfähigen Herzmuskelzellen bestehen, zu überbrücken. Jetzt stehen diese Herzpflaster kurz vor ihrer Testung am Menschen, heißt es in einer Pressemeldung des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK).

Derzeit arbeiten etliche Labore weltweit mit verschiedenen Stammzellen, aus denen sich Herzmuskelzellen gewinnen lassen. Diese Zellen lassen sich entweder direkt in den Herzmuskel spritzen oder auf einem Gerüst aus Kollagen oder Fibrin zu einem spontan schlagenden Herzmuskelflicken vorzüchten. Diese auch als »Engineered heart tissue« (EHT) bezeichneten Gewebe werden auf die Oberfläche des Herzens aufgenäht, wachsen an und bilden neues Herzgewebe.

»Das Aufbringen dieser Pflaster ist zwar aufwändiger als die Zellinjektion, hat aber mehrere Vorteile«, erklärt Professor Dr. Thomas Eschenhagen, Vorstandsvorsitzender des DZHK und Direktor am Zentrum für Experimentelle Medizin des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf. Er hat das prinzipielle Verfahren bereits vor 25 Jahren gemeinsam mit Kollegen aus den USA entwickelt. Zum einen würden keine Zellen abgeschwemmt, wodurch sich die Effizienz deutlich erhöhe. Zum anderen gebe es, anders als nach einer Zellinjektion, keine Herzrhythmusstörungen. Drittens lasse sich die Kontraktionskraft des neuen Gewebes bereits vor der Implantation testen.

Bereits im kommenden Jahr planen die Mediziner, in einer DZHK-Studie erste Herzpflaster an Patienten mit schwerer Herzinsuffizienz zu testen, die ansonsten auf ein Spenderherz angewiesen wären.

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