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Narbenbehandlung

Pflegen, massieren, gedulden

Der Erfolg medikamentöser Therapien oder medizinischer Verfahren, um Narben verblassen zu lassen, ist limitiert. Dabei ist die Prävention, also die Beeinflussung der Wunde und der Narbe während des Heilungsprozesses, die beste Behandlungsoption. Denn die Hautmale brauchen bis zu einem Jahr, in dem Umbauprozesse stattfinden und bis sie sich optisch nicht mehr verändern.
Elke Wolf
18.04.2019
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Auch wenn eine Narbe davon zeugt, dass sich der Mensch selbst reparieren und seine Schutzhülle wieder neu aufbauen kann: Narbengewebe ist Ersatzgewebe und kann damit verbundene Einschränkungen mit sich bringen. Narben zeugen von Operationen, Traumata und verschiedenen Hauterkrankungen. Neben frischen unreifen Narben, die im Laufe der Heilung in reife sogenannte physiologische Narben übergehen und in der Regel keiner weiteren Behandlung bedürfen, teilen Experten pathologische Narben in hypertrophe, Keloide und atrophe Narben ein. Diese können aufgrund von Juckreiz und Schmerzen, funktionellen und ästhetischen Einschränkungen für die Betroffenen sehr störend sein.

Generell handelt es sich bei Narben um eine gutartige Vermehrung von Bindegewebe, die sich optisch meist deutlich in Beschaffenheit, Struktur und Farbe von dem sie umgebenden Hautareal abhebt. Das bleibt auch nach einer Behandlung in der Regel so. Denn auch wenn eine Narbe vollständig ausgeheilt ist, fehlt ihr zum Beispiel die Fähigkeit zur Pigmentierung. Sie hat auch keine Haare oder Schweißdrüsen und sie kann keine Sonnenschwiele ausbilden. Hypertrophe Narben sind rötlich und erheben sich wulstartig über das normale Hautniveau. Sie bleiben auf den Bereich der ursprünglichen Verletzung beschränkt, im Gegensatz zu den Keloiden, bei denen die Wucherung über den Wundbereich hinausgeht.

Das Bindegewebe der Keloide ist hart, vermutlich deshalb gehen sie oft mit Juckreiz und Schmerzen einher. Das Risiko, eine Keloid-Narbe auszubilden, ist genetisch bedingt und höher, je pigmentierter die Haut ist. Hypertrophe Narben können sich übrigens im Gegensatz zu den Keloiden nach Monaten oder Jahren spontan oder auch durch eine Behandlung zurückbilden. Keloide und hypertrophe Narben entwickeln sich meist nach Operationen oder traumatisch entstandenen Wunden. Impfkeloide am Oberarm waren früher durch die Pockenimpfung verbreitet, heute sind es Tätowierungen, die die Keloide wieder häufiger vorkommen lassen. Aber auch fehlendes Gewebe bleibt nicht verborgen. Atrophe Narben, wie sie etwa bei Akne entstehen, sinken unter das Hautniveau ab.

Entzündungen wegspritzen

Pathologische Narben sind in der Regel kein Fall für die Selbstmedikation und gehören in die Hand eines Arztes, erst recht wenn sie schmerzen. Die Leitlinie der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft empfiehlt das Einspritzen von Triamcinolonacetonid direkt ins am besten noch frische, hellrote Narbengewebe. Diese intraläsionalen Steroidinjektionen unterdrücken nachweislich den chronischen Entzündungsprozess und die Kollagensynthese in der Narbe und verschaffen so Symptomlinderung und Narbenschrumpfung. Eine topische Anwendung von Glucocorticoiden bleibt ohne Effekt. Die Leitlinie empfiehlt, die Injektionen mit der Kryotherapie zu kombinieren, bei der die Narbe vereist wird. Das verändere die Mikrozirkulation verschiedener Gewebesubstanzen und beeinflusse Umbauprozesse positiv.

Eine weitere Möglichkeit, überschießendes Narbengewebe zu verhindern, stellt die rechtzeitige Druckbehandlung mit Kompressionsbandagen dar. Der dadurch aufgebaute topische Druck vermindert die kapillare Perfusion und beschleunigt die Kollagenreifung. Die Narbe flacht ab. Daneben haben sich verschiedene Laserverfahren bewährt. So empfiehlt etwa die Leitlinie den Einsatz eines CO2-Lasers bei nicht mehr aktiven hypertrophen Narben.

Die chirurgische Entfernung von Narbengewebe ist dagegen kritisch zu sehen, weil sich besonders Keloide danach oft stärker entwickeln als zuvor. In jedem Fall sollte das Narbenwachstum vor dem Eingriff vollständig abgeschlossen sein. Röntgen- und Radiumbestrahlungen werden wegen der Strahlenbelastung heute kaum mehr durchgeführt. Diskrete Narben, etwa eingezogene Follikelöffnungen nach abgeheilten Akneknötchen, sind ein Fall für die Mikrodermabrasion, eventuell mittels Fräse oder durch Behandlung mit Speziallasern. Auch Unterspritzungen (Fillings) sind möglich und heben das Hautniveau wieder an.

Mobilisation mit Massage

Sobald die Wunde weitgehend abgeheilt und schorffrei ist beziehungsweise die Fäden gezogen sind, hat die Narbenpflege ihren Platz. Viele Präparate sind ausdrücklich auch für die Behandlung älterer Narben geeignet. Wichtig ist in jedem Fall eine konsequente Anwendung mehrmals täglich über mehrere Monate hinweg. Zusätzlich kann eine regelmäßige Massage des Narbengewebes helfen, optisch bessere Ergebnisse zu erzielen. Allerdings sollte damit erst rund vier Wochen nach dem Wundverschluss begonnen werden.

Tipp: Diese auch als Narbenmobilisation bezeichnete manuelle Bearbeitung der Wunde lässt sich gut mit dem Auftragen eines Narbenspezifikums kombinieren. Denn durch die Massage dringt das Topikum besser in die Haut ein. Die Narbenmobilisation können Physiotherapeuten oder nach einer kleinen Einweisung auch die Betroffenen selbst vornehmen. Das Gewebe wird dadurch entspannt und besser durchblutet, und das neue Gewebe kann sich besser ausrichten. Zudem werden bestehende Schmerzen reduziert und die Wundheilung insgesamt nachweislich verbessert. Tipp: Abhängig von der Körperstelle lässt sich für die Massage eventuell auch eine weiche Zahnbürste nutzen.

Spurenbeseitiger

Silikonhaltige Therapeutika stellen gemäß der Leitlinie die Erstlinientherapie für lineare und flächige hypertrophe Narben dar. Auch in der Prävention überschießender Narbenbildung nach Operationen werden sie zur täglichen Anwendung empfohlen. Silikon-haltige Präparate sind in den unterschiedlichsten Darreichungsformen auf dem Markt: in Form von Gelen (wie Kelo-Cote®, Dermatix® Ultra, Scarsil®, Bepanthen® Narbengel mit Massageroller), Pflastern (wie Cica-Care®, Scar Fx®), Folien (zum Beispiel Epi-Derm®) und Sprays (Kelo-Cote® Spray). Nach dem Auftragen hinterlassen sie einen unsichtbaren, wasserundurchlässigen Film auf der Haut.

Voraussetzung für ein kosmetisch gutes Ergebnis ist die konsequente Anwendung. Silikongele sollen täglich zwei- bis dreimal aufgetragen werden, und zwar über drei bis sechs Monate hinweg. Silikonpflaster, die die Wunde vollständig bedecken müssen, sollte der Patient 12 bis 24 Stunden pro Tag über einen Zeitraum von ein bis zwei Jahren tragen. Das kann, gerade bei größeren Narben, für den Patienten teuer werden.

Die Silikon­basierten Narbentherapeutika, besonders die Pflaster und Folien, sind relativ hochpreisig und in der Regel keine Kassenleistung. Wie genau Silikone ihre Wirkung vermitteln, ist nicht gänzlich geklärt. Vermutlich kommt es durch den Okklusionseffekt zu einer verstärkten Hydratisierung der Keratinozyten. Dadurch werden Wachstumsfaktoren beeinflusst, die die Fibroplastenfunktion und die Kollagenproduktion normalisieren können. Die Wirkung ist rein physikalisch, eine Resorption findet nicht statt. Silikon-Zubereitungen finden auch bei hypertrophen Narben und Keloiden Verwendung.

Eines der meist verwendeten Narbentopika ist Contractubex®, in dem Zwiebelextrakt mit Allantoin und Heparin enthalten ist. Auch die Anwendung eines Okklusionsverbandes (Contractubex® Intensivpatch) über Nacht ist möglich. Die Fixkombination vermag die Beschaffenheit sowohl frischer als auch älterer Narben positiv zu beeinflussen; die Deutsche Dermatologische Gesellschaft empfiehlt in ihrer Leitlinie Zwiebelextrakt-haltige Externa zur Behandlung auch hypertropher Narben und zur Prophylaxe überschießender Narbenbildung. Eventuell lässt sich der Effekt des Zwiebelextrakts in Kombination mit Triamcinolon oder einer Ultraschallbehandlung steigern, zeigen kleinere Untersuchungen. Extractum cepae wirkt entzündungshemmend und antiproliferativ auf die für die Kollagensynthese zuständigen Fibroblasten.

Gleiches schreibt man auch Heparin zu, das zudem die Kollagenstruktur lockern, die Wasserbindung und auch die Durchblutung im Narbengewebe fördern soll. Allantoin wiederum unterstützt die Wundheilung, wirkt keratolytisch und erleichtert die Penetration anderer Wirkstoffe in die Haut. Unerwünschte Wirkungen des Narbengels sind selten, wenn überhaupt kann es zu einer allergischen Kontaktdermatitis kommen. Heparin ist auch einer der Wirkstoffe in Kelofibrase® Sandoz. Die Kombination mit Harnstoff und Campher soll das Narbengewebe weicher und geschmeidiger machen, den Feuchtigkeitsgehalt der Haut verbessern und die Durchblutung stimulieren. Diese Effekte schreibt man auch einem hypoallergenen Polyurethan-Pflaster zu (Hansaplast® Med Narben Reduktion).

Auch verschiedene Öl-Formulierungen (zum Beispiel Tribalsam Tricutis, Bi-Oil®, Frei Öl® Pflege-Öl, Kneipp® Bio Hautöl, Narbenpflegeöl Repair & Protect Casida) sind für die Pflege der Narbe im Einsatz. Sie sollten über einen Zeitraum von mindestens drei Monaten in kreisenden Bewegungen zweimal täglich in die Narbe einmassiert werden, um das Erscheinungsbild zu verbessern. Sie sind gut im Rahmen der Narbenmobilisation anzuwenden.

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