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Wirkung und galenisches Verhalten

Phenolische Arzneistoffe

Viele phenolische Wirkstoffe wie Resorcin, Triclosan oder Clioquinol sind bekannte Hautantiseptika. Phenol selbst ist gar nicht und Triclosan in bestimmten Fällen verkehrsfähig. Wirkstoffe mit einer Phenolstruktur desinfizieren nicht nur gut, sondern treten in unterschiedlichem Maß in Wechselwirkungen mit ungeladenen Emulgatoren.
Ingrid Ewering
08.09.2020  16:00 Uhr

Vielen ist vielleicht noch der Begriff Karbollösung geläufig. Sir Joseph Lister (1827 – 1912) benutzte diese 1- bis 3 %ige Phenollösung zum Tränken von Wundverbänden und zur Händedesinfektion. Auch Phenol eingearbeitet, wie in Unguentum molle, kam beim Patienten zum Einsatz. Die Anwendung bei Menschen ist heutzutage jedoch als bedenklich eingestuft und es gilt ein Abgabeverbot. Denn die Substanz kann Erbgutschäden sowie Krebs auslösen.

Doch Vorsicht: Dieses Abgabeverbot gilt nicht generell. Spezialanwendungen zur Verödung von Krampfadern oder Hämorrhoiden (Sklerosierung), ärztlicherseits eingesetzte Peelings zur Schälkur sowie zur Nagelextraktion sind ausgenommen. Diese Rezepturen sind unbedingt direkt in die Praxis zu liefern.

Der phenolische Wirkstoff Resorcin dagegen ist lediglich als obsolet eingestuft. Er löst wie auch Phenol selbst Kontaktallergien aus. Bei großflächiger Anwendung sind Säuglinge und Kleinkinder laut Literatur sogar verstorben, und es gilt ein generelles Abgabeverbot in der Pädiatrie. Bei Erwachsenen sind Nierenschäden beschrieben. Bei älteren Patienten oder Nierenerkrankten gilt deshalb ebenfalls ein Abgabeverbot. Therapeutische Alternativen wie Chlorhexidindigluconat, Salicylsäure oder Triclosan bieten sich an. Aber nicht nur in der Pädiatrie ist das moderne Octenidindihydrochlorid Mittel der Wahl.

Besteht der Arzt jedoch auf den Einsatz von Resorcin, so darf eine klare Gebrauchsanweisung mit Art sowie Dauer der Therapie nicht fehlen. Es gilt der Kontrahierungszwang. Die sorgfältige Dokumentation sowohl zur Plausibilität als auch zur Herstellung in der Apotheke empfiehlt sich.

Mal fettend, mal kühlend

Triclosan, ein in Wasser praktisch unlösliches weißes kristallines Pulver, wirkt gegen Problemkeime, wie zum Beispiel Staphylococcus aureus. Häufig ist dieser Keim bei Atopikern sowie bei Unterschenkelekzemen zu finden.

Da die Haut bei Neurodermitis unter Trockenheit leidet, ist eine lipophile Triclosan-Creme zu bevorzugen. Die laut NRF-Vorschrift 11.122. einzusetzende hydrophobe Basiscreme DAC ist eine W/O-Emulsion, die fast 65 Prozent Wasser in der Innenphase vorrätig hält. Die Haut wird ausreichend mit Feuchtigkeit versorgt, und der Emulsionstyp verhindert ein zu schnelles Abdampfen. Das Feuchthaltemittel Glycerol stabilisiert zusätzlich auch noch die Barrierefunktion der Hornschicht. So treten die bei Atopikern immer mal wieder vorkommenden Superinfektionen seltener auf.

Bei der hydrophilen Triclosan-Creme (NRF 11.135.) wird das Hautantiseptikum in anionische hydrophile Creme SR / DAC eingearbeitet. Aufgrund des hohen Wasseranteils von 64 Prozent in der Außenphase kühlt die Creme die Haut. Durch Kühlschranklagerung verstärkt sich dieser Effekt. Diese vaselinfreie O/W-Creme ist mit Absicht für die Behandlung infektionsgefährdeter Hautzustände gewählt worden: Denn zum Emulgieren der Wasserphase sind lediglich neun Teile Emulgator notwendig; die Creme enthält jedoch 21 Teile grenzflächenaktive Tenside. Die nicht für die Emulsionsbildung genutzten Anteile des Emulgierenden Cetylstearylalkohols wirken auf der Haut grenzflächenaktiv und damit wie Seife zusätzlich desinfizierend. So unterstützt die Grundlage das Therapieziel. Die hydrophile Creme wird in subakuten Stadien angewendet oder wenn die okkludierende Zubereitung der NRF Vorschrift 11.122. als unangenehm empfunden wird. Um die Lösungsgeschwindigkeit des fettlöslichen Arzneistoffes in dem W/O-System zu erhöhen, ist mit 2-Ethylhexlaurat anzureiben. Denn durch alleiniges Anreiben mit der hydrophilen Creme gelangt der Arzneistoff nicht in die innere, lipophile Phase, wo er dann in Lösung gehen könnte.

Clioquinol, ein schwer in Wasser lösliches weißes, mikronisiertes Pulver mit Braun- oder Graustich, wirkt nicht nur antibakteriell (Staphylokokken und Streptokokken), sondern auch noch gegen Fußpilz und bei Windeldermatitis (Hefebesiedlung). Die Anwendung unter Okklusion gilt als obsolet. Nachteilig ist die Gelbfärbung der Haut. Auch Wäsche und andere Textilien nehmen die schwer entfernbare Farbe an. Der nicht-verschreibungspflichtige Wirkstoff zeigt keine Sensibilisierung der Haut. Aber dieser Arzneistoff kann perkutan resorbiert werden, sodass extreme Zurückhaltung bei der Behandlung der Kinderhaut geboten ist. Da der Arzneistoff mikronisiert zur Verfügung steht, ist eine Teilchenzerkleinerung nicht erforderlich.

Salicylsäure, ein in Wasser schwer lösliches kristallines oder mikronisiertes Pulver, ist ein Klassiker in der Rezeptur. Auch dieser darf ohne ärztliche Verordnung abgegeben werden.

Trotz der geringen Wasserlöslichkeit senkt sie als starke Säure den pH- Wert auf ≤ 4. Doch wussten Sie, dass Salicylsäure auch Phenolcharakter hat? Deshalb wirkt sie nicht nur keratolytisch, sondern auch antibakteriell und antimykotisch. Ab 1 Prozent ist sie selbst konservierend wirksam, sodass bei hydrophilen Cremes auf eine Konservierung verzichtet werden kann. Die gepulverte Substanz ist für Salicysäureöle oder Spiritus verwendbar. Verwenden Sie sie bitte nie für halbfeste Supensionzubereitungen!

Phenol-Macrogol-Instabilität

Die beschriebenen Wirkstoffe sind chemisch betrachtet Phenole und besitzen einen Benzolring mit Alkoholfunktion (siehe Abbildung rechts). Aufgrund der hohen Elektronegativität des aromatischen Sechserringes tritt das Wasserstoffmolekül des Phenols [P] in Wechselwirkung mit den freien Elektronenpaaren des Emulgators. Bildet sich eine Wasserstoffbrückenbindung zwischen dem phenolischen Wirkstoff und den PEG-Emulgatoren, so fällt der grenzflächenaktive Hilfsstoff aus. Die Creme bricht. Die Wechselwirkung ist mit bloßem Auge rasch erkennbar, also galenisch relevant. Gerade Triclosan und der Gerbstoff Tannin sowie das Bleichmittel Hydrochinon machen oft Probleme.

Die Manifestation einer Phenol-Macrogol-Instabilität ist jedoch auch von der Grundlage abhängig. Recht stabil verhält sich die Basiscreme DAC. Die Phenol-Macrogol-Instabilität tritt zeitlich verzögert ein. Beispielsweise ist Triclosan in therapeutischen Dosen in Basiscreme DAC für vier Wochen stabil; Clioquinol und Salicylsäure darf der Patient sogar sechs Wochen lang anwenden. Larvierte, also nicht sichtbare Inkompatibilitäten wie Mizellbildung sind denkbar und es ist ein anteiliger Wirkverlust anzunehmen.

Wird die Basiscreme jedoch weiter mit einer Propylenglykol/Wasser-Mischung (1 T + 4 T) verdünnt, so bricht das Dermatikum bei Anwesenheit von Triclosan und Salicylsäure sofort. Auch die macrogolhaltige hydrophile Basisemulsion DAC bricht sofort bei Anwesenheit einer dieser beiden Arzneistoffe.

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