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Blick auf die Evidenz

Phytopharmaka bei Stoffwechselstörungen

Welche Phytopharmaka können bei Diabetes, Lipidstörungen und Schilddrüsenproblemen mit Evidenz aufwarten und wie groß ist der Therapieeffekt? Professor Dr. Robert Fürst gab beim Pharmacon Meran einen Überblick.
Brigitte M. Gensthaler
30.05.2022  14:00 Uhr
Phytopharmaka bei Stoffwechselstörungen

Der Pharmazeutische Biologe monierte die unklare Datenlage zu Phytopharmaka bei Stoffwechselstörungen. In klinischen Studien seien sehr unterschiedliche Probanden eingeschlossen, Angaben zu Charakterisierung und Standardisierung der eingesetzten pflanzlichen Stoffe und Zubereitungen fehlten und relevante klinische Endpunkte würden nicht erfasst. Langzeitstudien fehlten völlig.

Zur Erinnerung: Nach europäischen Regeln werden Phytopharmaka – abgesehen von der seltenen Vollzulassung – entweder aufgrund ihres anerkannten medizinischen Nutzens, gestützt auf publizierte randomisierte kontrollierte Studien (RCT), als Arzneimittel mit well-established Use (WEU) zugelassen oder aufgrund der traditionellen Verwendung (traditional Use, TU) registriert.

Flohsamenschalen bei Hyperlipidämie

Im Indikationsfeld Hyperlipidämie haben nur Indische Flohsamenschalen (Plantaginis ovatae seminis tegumentum) den WEU-Status. Indiziert sind sie adjuvant zur Diät für Hypercholesterolämie-Patienten, die eine erhöhte Ballaststoffzufuhr brauchen.

Laut einer Metaanalyse aus 21 RCT mit insgesamt 1030 Personen wurde mit Dosen von 3 bis 20 g/Tag eine Senkung des Gesamtcholesterols um 14,5 mg und des LDL-Cholesterols um 10,8 mg/dl erzielt, während HDL und Triglyceride nicht beeinflusst wurden. »Verglichen mit synthetischen Arzneimitteln wie Statinen ist das ein kleiner Effekt. Indische Flohsamenschalen sind aber zusammen mit Lebensstiländerungen als erster Schritt bei erhöhten Cholesterolwerten sinnvoll«, resümierte Fürst.

Zu empfehlen sei die 20-g-Dosis, aufgeteilt über den Tag mit ausreichend Flüssigkeit, zum Beispiel 30 ml/g Droge, über einige Wochen. Wichtig für die Beratung: Flohsamenschalen sollten im Abstand von 30 bis 60 Minuten zu anderen Arzneimitteln eingenommen werden, um deren Resorption nicht zu stören.

Knoblauchpulver (Allium sativum) hat von der europäischen Zulassungsbehörde den TU-Status als Adjuvans zur Vorbeugung bei Atherosklerose erhalten. Laut einer Metaanalyse aus dem Jahr 2013 mit 39 RCT sank das Gesamtcholesterol um 15 und das LDL um 6 mg/dl bei Einnahme über mindestens acht Wochen. Je mehr Cholesterol im Blut, umso stärker der Effekt. Fürst wies darauf hin, dass in den Studien sehr unterschiedliche Zubereitungen sowie roher Knoblauch eingesetzt wurden. Man könne Pulver (900 bis 1380 mg/d) oder entsprechende Extraktmengen über mehrere Wochen einsetzen. Die Warnung vor Kombinationen mit Antikoagulanzien, Thrombozytenaggregationshemmern und Antihypertonika gelte für Knoblauch-Höchstdosen.

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