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Verhütung

Pille danach – seit fünf Jahren ohne Rezept

Seit dem OTC-Switch 2015 können Frauen die »Pille danach« auch ohne Rezept in der Apotheke erwerben. Wie sind die bisherigen Erfahrungen damit und wie sehen aktuelle Empfehlungen zur Abgabe aus?
Carolin Lang
24.03.2020
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Die Entlassung aus der Verschreibungspflicht von oralen Notfallkontrazeptiva hat Frauen den Zugang zu diesen Verhütungsmitteln erleichtert. Und die Zahlen zeigen: Das Angebot wird genutzt. Laut ABDA - Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände sind die Absatzzahlen in der Selbstmedikation seit dem OTC-Switch angestiegen, während ärztliche Verordnungen mehr und mehr zurückgehen.

Die Daten der ABDA zeigen eine generelle Steigerung der Abgabe um etwa 76 Prozent von 2014 zu 2018. Dabei nimmt der Anteil an Frauen, die das Notfallkontrazeptivum ohne Rezept erwerben, von Jahr zu Jahr zu. 2018 erfolgten ungefähr 92 Prozent aller Abgaben ohne eine ärztliche Verordnung. Da so viele Kundinnen die »Pille danach« ohne vorherigen Arztbesuch erwerben möchten, nehmen PTA und Apotheker bei der Beratung zur Notfallkontrazeption eine enorm wichtige Rolle ein.

Bei einer Online-Umfrage der Arzneimittelkommission Deutscher Apotheker (AMK) wurden 2018 Apotheker aus insgesamt 555 öffentlichen Apotheken zu ihren bisherigen Erfahrungen bei der Abgabe von Notfallkontrazeptiva befragt. Knapp 44 Prozent der Apotheker identifizierten Unsicherheiten in der Selbstdiagnose der Frau. Drei von vier Apothekern äußerten mindestens einmal fachliche Bedenken hinsichtlich der sicheren Anwendung eines Notfallkontrazeptivums in der Selbstmedikation, woraufhin überwiegend der (zusätzliche) Verweis an einen Gynäkologen erfolgte. Die Umfrage zeigt wie wichtig pharmazeutisches Personal für die Arzneimittelsicherheit bei der Abgabe von Notfallkontrazeptiva ist.

Aktuelle Empfehlungen

Die zur Notfallverhütung eingesetzten Wirkstoffe Levonorgestrel und Ulipristalacetat verschieben beide den Eisprung um circa fünf Tage, was die Lebenszeit von Spermien überschreitet und so eine Konzeption nach dem Geschlechtsverkehr verhindern soll. Levonorgestrel ist ein Gestagen und in Präparaten wie beispielsweise Pidana® und Unofem Hexal® enthalten. Ulipristalacetat ist ein selektiver Progesteron-Rezeptor-Modulator und Wirkstoff von EllaOne®.

Bei der Abgabe muss das pharmazeutische Personal überprüfen, ob eine Einnahme sinnvoll und sicher ist. Grundsätzlich wird die Abgabe nur an die betroffene Frau mit persönlicher Beratung empfohlen. Die Bundesapothekerkammer (BAK) hat dazu Handlungsempfehlungen herausgegeben.

Danach gibt es zehn Fragen, die bei der Abgabe der »Pille danach« gestellt werden sollten:

  1. Wie alt sind Sie?
  2. Wieso benötigen Sie die »Pille danach«?
  3. Wie lange liegt der ungeschützte Geschlechtsverkehr zurück?
  4. Wie verhüten Sie prinzipiell?
  5. Wie lange liegt Ihre letzte Periode zurück?
  6. Haben Sie die »Pille danach« (in diesem Zyklus) schon einmal eingenommen?
  7. Besteht die Möglichkeit, dass Sie schwanger sind?
  8. Stillen Sie aktuell?
  9. Nehmen Sie andere Medikamente ein?
  10. Leiden Sie unter akuten oder chronischen Krankheiten?

Stellt sich während der Beratung heraus, dass eine Abgabe nicht infrage kommt, sollte das pharmazeutische Personal der Kundin zu einem Besuch beim Gynäkologen raten. Dieser kann im Zweifelsfall oder auch wenn das Einnahmefenster für die »Pille danach« überschritten ist, eine Kupferspirale einsetzen. Das gilt als die sicherste Form der Notfallverhütung.

Spricht nichts gegen die Einnahme, muss zwischen den beiden zur Verfügung stehenden Wirkstoffen gewählt werden. Dabei helfen unter anderem die Angaben in der Tabelle.

Ulipristalacetat Levonorgestrel
Einnahmezeitpunkt bis zu 120 Stunden (5 Tage) nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr Bis zu 72 Std. (3 Tage) nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr
Empfohlene Stillpause Eine Woche Acht Stunden
Besondere Vorsichtsmaßnahmen Bei schwerem Asthma mit Einnahme von Glucocorticoiden ist die Einnahme nicht empfohlen. Nach Einnahme von PiDaNa® 1,5 mg gab es wenige Fälle thromboembolischer Ereignisse. Die Möglichkeit des Auftretens sollte bedacht werden. (insbesondere bei Risikofaktoren wie Thrombophilie in der eigenen oder Familiengeschichte)
Unterschiede zwischen Ulipristalacetat und Levonorgestrel, die bei der Auswahl beachtet werden sollten.

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