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Antibiotikaforschung
Pilze kontra Bakterien

Viele Metabolite toxisch

Ist das Profil des neuen Wirkstoffs erstellt, geht es im nächsten Schritt an die Optimierung, denn nur rund ein Viertel der potenziell interessanten Pilzmetaboliten kann im Originalzustand verwendet werden. Häufig müssen erst noch gezielte Veränderungen an der Molekülstruktur vorgenommen werden. Viele Pilzmetabolite sind zum Beispiel nephrotoxisch und allenfalls in modifizierter Form beim Menschen anwendbar.

In der Abteilung »Chemische Biologie« am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung wird zum Beispiel versucht, die Penetration antibakterieller Wirkstoffe in Bakterienzellen durch Kopplung an zielgerichtete Antikörper zu steigern. Außerdem wird an der Strategie gearbeitet, Antibiotika mit Hilfe eines trojanischen Pferdes in die Bakterien einzuschleusen. Dieses Vehikel wird auf den ersten Blick nicht als Angreifer erkannt. Erst wenn es das feindliche Lager eingenommen hat, geht der Trojaner zum Angriff über und setzt eine geballte Ladung Antibiotika frei. Diese Strategie wird speziell bei multiresistenten Erregern als erfolgsversprechend angesehen.

Marktversagen bei Antibiotika

Nur ein Bruchteil der auf den ersten und zweiten Blick interessanten Naturstoffe schafft es am Ende bis zur klinischen Erprobung. Und nicht selten entpuppen sich Entwicklungsstrecken, in die viel investiert wurde, schließlich doch als Sackgasse. Der Weg zu einem marktreifen Arzneimittel ist bei Naturstoffen nicht weniger steinig als bei vollsynthetisch hergestellten Arzneimitteln, auch wenn die Pilze schon wichtige Vorarbeit geleistet haben.

Sollte es ein neu entdeckter Wirkstoff tatsächlich bis zur Marktreife schaffen, dann dauert das erfahrungsgemäß zehn bis fünfzehn Jahre, oft sogar noch länger, weiß Chemiker Professor Dr. Mark Brönstrup, der am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung die Abteilung Chemische Biologie leitet. Brönstrup beklagt ein Marktversagen, denn viele große Pharmaunternehmen haben ihr Engagement in Sachen Antibiotika gestoppt, weil sich kostenintensive Forschung in diesem Bereich nicht lohnt. Grundlagenforschung, wie sie am Helmholtz-Zentrum betrieben wird, braucht aber starke Partner aus der Industrie. Nur dann kann aus dem antibakteriell wirksamen Stoffwechselprodukt eines Pilzes, der in Mexiko, Kenia oder Thailand beheimatet ist, am Ende wirklich ein neuartiges Antibiotikum werden.

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