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Strategie gegen Magenkeim

Propellerbremse für Helicobacter pylori

Der Magenkeim Helicobacter pylori kann Geschwüre und Krebs bedingen. Aufgrund zunehmender Resistenzen des Bakteriums gegen aktuell verfügbare und therapeutisch eingesetzte Antibiotika werden neue Wirkstoffe gesucht. Die sogenannte Antimotiline hemmen die Fortbewegungsfähigkeit des Bakteriums.
Sven Siebenand
25.03.2022  12:00 Uhr

Helicobacter pylori (H. pylori) trägt an einem Ende der Bakterienzelle ein Bündel von rotierenden Geißeln, die wie Schiffsschrauben agieren und die Bakterien im Magenschleim antreiben. »Die Fähigkeit, sich im zähflüssigen Milieu des Magenschleims bewegen zu können, ist für das Überleben und die Vermehrung von H. pylori essenziell«, erklärt Professor Dr. Christine Josenhans vom Max von Pettenkofer-Institut in München in einer Pressemitteilung des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung. Diese Fähigkeit des Bakteriums hat man sich nun zunutze gemacht, um neue Therapeutika zu entwickeln. In »Antimicrobial Chemotherapy« hat das Team um Erstautor Professor Dr. Sebastian Suerbaum, ebenfalls vom Max von Plettenkofer-Institut, die Ergebnisse veröffentlicht.

Demnach half im ersten Schritt ein speziell entwickeltes Screening-Verfahren dabei, Substanzen zu identifizieren, die den Aufbau der bakteriellen »Propeller« hemmen und dem Bakterium quasi eine Fußfessel anlegen. Für eine der Substanzen konnten die Forschenden bei Versuchen mit Nagetieren, die mit H. pylori infiziert waren, eine starke Reduktion der bakteriellen Vermehrung im Magen beobachten, ohne dass dabei die normale bakterielle Darmflora signifikant geschädigt wurde. »Das wäre ein großer Vorteil gegenüber herkömmlichen Antibiotika, die häufig auch die unverzichtbaren guten Darmbakterien dauerhaft angreifen«, so Seniorautorin Josenhans.

»Die von uns Antimotiline genannten Substanzen könnten eine Ergänzung oder Alternative zu konventionellen Antibiotikatherapien darstellen und langfristig dazu beitragen, die Entwicklung von Antibiotikaresistenzen zu reduzieren«, sagt Suerbaum. Als nächstes soll die genaue Wirkweise der aktiven Substanzen identifiziert sowie diese als neue antibakterielle Therapie weiterentwickelt werden. Bis zu einer möglichen Marktreife wird vermutlich noch einige Zeit vergehen, in der sich der Magenkeim weiter frei bewegen kann.

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