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Prostatakrebs durch HP-Viren möglich

Zur Gruppe der Humanen Papillomaviren (HPV) gehören Viren, die Gebärmutterhalskrebs fördern können. Nun fanden Wissenschaftler heraus, dass HPV-Infektionen auch als Ursache für Prostatakrebs eine Rolle spielen könnten.
Aponet/PTA-Forum
20.07.2020  16:15 Uhr

Aus der Betrachtung von insgesamt 26 Studien zu HPV und Zusammenhängen mit Prostatakrebs ergab sich, dass die Hochrisiko-HPV-Typen 16 und 18, die die Mehrzahl der Gebärmutterhalskrebserkrankungen verursachen, auch in Prostatageweben gefunden wurden. Dies berichten Forscher der australischen Universität New South Wales in der Online-Zeitschrift »Infectious Agents and Cancer«.

Dabei zeigten neuere Studien, dass 231 von 1071 Prostatakrebserkrankungen (21,6 Prozent) HPV-positiv waren, aber nur 74 der 1103 gutartigen Prostatakontrollen (6,7 Prozent) – die Viren wurden bei Prostatakrebs also etwa dreimal so oft gefunden. In Proben von gutartigen Prostatageweben, in denen die Hochrisiko-Typen gefunden worden waren, entwickelte sich bis zu zehn Jahre später zudem häufiger ein Prostatakrebs des gleichen HPV-Typs.

Die Autoren fanden zudem heraus, dass in Ländern, in denen die Sterberate durch Gebärmutterhalskrebs hoch war, ebenfalls viele Menschen an Prostatakrebs starben. Umgekehrt war in Ländern, in denen die Sterblichkeit durch Gebärmutterhalskrebs niedrig war, die durch Prostatakrebs ebenfalls niedrig. Studienleiter James Lawson: »Da HPV am häufigsten durch Sex übertragen wird, sprechen die Daten dafür, dass HPV-Infektionen eine Ursache sowohl für Prostatakrebs als auch Gebärmutterhalskrebs sind.«

HPV-Impfung für Männer doppelt sinnvoll

»Obwohl das HP-Virus nur einer von vielen Krankheitserregern ist, die bei Prostatakrebs identifiziert wurden, ist es der einzige infektiöse Erreger, gegen den wir impfen können«, erklärt Studienleiter James Lawson. Die Autoren halten deshalb eine Impfung gegen HPV-Infektionen auch für Männer für sinnvoll.

Die Viren sind laut Robert-Koch-Institut zudem zu einem gewissen Anteil auch an anderen Krebsarten bei Männern ursächlich beteiligt: Tumoren im Mund/Rachenraum (Oropharynx), am Anus und am Penis können durch HP-Viren verursacht werden. So sind etwa 600 Anal- und 250 Peniskarzinome sowie mindestens 750 Oropharynxkarzinome pro Jahr auf eine Infektion mit den Viren zurückzuführen.

Auch das Deutsche Krebsforschungszentrum weist auf seiner Website darauf hin, dass HP-Viren auch unter Verdacht stehen, bei Patienten mit Krebs in Mund und Rachen beteiligt zu sein. Vor allem bei jüngeren Männern ließen sich einer im Fachblatt »Journal of Clinical Oncology« veröffentlichten US-amerikanischen Studie zufolge Papillomviren als mögliche Auslöser dafür finden.

Impfempfehlung der STIKO

Damit sich ein junger Mensch gar nicht erst mit HPV infiziert, gibt es einen Impfstoff, der vor dem ersten Sexualkontakt verabreicht werden sollte. Die Ständige Impfkommission (STIKO) des RKI empfiehlt daher die Impfung gegen HPV für alle Jugendlichen daher im Alter von 9 bis 14 Jahren zwei Impfungen im Abstand von fünf Monaten erhalten. Sollte der Impfabstand von fünf Monaten unterschritten werden, ist für den vollständigen Schutz eine dritte Impfung notwendig.

Versäumte Impfungen sollten so früh wie möglich bis zum 17. Lebensjahr nachgeholt werden. Drei Impfungen sind auch dann notwendig, wenn der Jugendliche die erste Impfung im Alter von 15 Jahren oder älter bekommt.

Doch auch junge Erwachsene, die älter als 18 Jahre sind, können von einer Impfung profitieren. Hier entscheidet der Arzt je nach individueller Risikoeinschätzung. Die Kostenübernahme muss der Versicherte in diesem Fall mit der zuständigen Krankenversicherung klären. Hat sich bereits eine persistierende Infektion mit einem HP-Virus manifestiert, schützt die Impfung immer noch gegen die anderen im Impfstoff enthaltenen Virus-Typen.

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