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Stenosierende Laryngitis

Pseudokrupp: Atemlos in der Nacht

Nach ein paar Stunden ruhigen Schlafs erwacht das Kind mit bellendem Husten. Beim Einatmen gibt es rasselnde, ziehende Geräusche von sich. Die Stimme wirkt heiser und gepresst. Es ringt hörbar nach Luft. Panik steigt auf. Pseudokrupp bereitet vielen Eltern und Kindern in den Wintermonaten schlaflose Nächte.
Elke Wolf
03.12.2019
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Dem Pseudokrupp, auch als stenosierende Laryngitis bezeichnet, liegt eine akute entzündliche Schwellung im Bereich des Kehlkopfs und der Stimmbänder zugrunde. Der wesentlich geringere Durchmesser der kindlichen Atemwege ist mit entscheidend für die erhöhte Gefahr einer Atemwegsobstruktion. Der Kehlkopfspalt droht zu verschließen.

Anders als bei Asthma, bei dem das Ausatmen erschwert ist, hat das Kind Schwierigkeiten, einzuatmen. Das erklärt den heiseren bellenden Husten und die pfeifenden, rasselnden Atemgeräusche. Die Luftnot ist bei einem akuten Anfall mitunter so groß, dass die Kinder Angst haben zu ersticken. Durch die Atemnot bekommen sie Herzklopfen und Panik, was den Sauerstoffbedarf nach oben treibt. Dieser kann aber trotz beschleunigter Atmung nicht ausreichend gedeckt werden.

Der Pseudokrupp hat seine Bezeichnung in Anlehnung an den echten Krupp erhalten. Das Beschwerdebild mit bellendem Husten und Dyspnoe ist sehr ähnlich den Symptomen einer Diphtherie. Diese wird allerdings durch das Corynebacterium diphtheriae ausgelöst und verläuft ungleich schwerer als der durch Viren hervorgerufene Pseudokrupp.

Erkrankung der Kleinsten

Die nächtliche Atemnot gehört zu den häufigsten Erkrankungen im Kleinkindalter. Nach den Daten der Gesundheitsuntersuchung für Kinder und Jugendliche des Robert-Koch-Instituts erkranken Jungen mit 8,4 Prozent knapp zweimal häufiger an Krupphusten als Mädchen (4,6 Prozent). Meist trifft es Kinder zwischen 18 Monaten und fünf Jahren, besonders häufig aber im zweiten Lebensjahr. Nach dem sechsten Geburtstag verliert sich die Symptomatik meist völlig. Die Mehrheit der Kinder erlebt nur eine Episode.

Den nächtlichen Attacken geht in der Regel ein leichter viraler Infekt mit Halsschmerzen oder Schnupfen voraus. Deshalb müssen Eltern vor allem in Herbst und Winter mit dem Schreckenshusten rechnen. Es sind vor allem Influenza-, RS- (respiratorisches Syncytial)- und Masernviren für die Entzündung und Ödeme an den Schleimhäuten von Kehlkopf und Luftröhre verantwortlich. Mittlerweile ist wissenschaftlich erwiesen, dass eine hohe Schadstoffbelastung der Luft vor allem mit Tabakrauch das Risiko für einen Anfall nachweislich erhöht. Bakterien wie Staphylokokken oder Haemophilus influenzae Typ B und allergische Reaktionen spielen dagegen eine untergeordnete Rolle.

Auch wenn der Pseudokrupp den Nachtschlaf der Eltern empfindlich beschneidet: Die allermeisten Fälle verlaufen mild, und am nächsten Morgen ist alles vorbei. Die Symptomtrias von krankhaften Atemgeräuschen, Husten und Atemnot hat ihren Höhepunkt in der Nacht. Das resultiert vermutlich aus dem physiologischen endogenen Cortisolspiegel, der gerade zwischen 23 und 4 Uhr seinen Tiefpunkt erreicht und somit die vorliegende Entzündung nicht mehr eindämmen kann.

Wieder atmen können

Nicht-medikamentöse Sofortmaßnahmen helfen dem Kind, wieder wie gewohnt atmen zu können. Dabei ist die Beruhigung des Kindes die wichtigste Maßnahme (siehe Kasten). Dazu das Kind am besten auf den Arm nehmen. Angst und Aufregung verstärken durch erhöhten Sauerstoffbedarf und Erschöpfung der Atemmuskulatur die Beschwerden. Zudem schwillt beim Schreien die Schleimhaut zusätzlich an.

Bei heftigeren Verläufen oder bei konkreter Erstickungsgefahr ist der Notarzt oder Rettungsdienst zu rufen. Eine Möglichkeit ist auch, dass sich die Eltern von einem Notarzt am Telefon anleiten lassen, wie sie sich verhalten sollen.

Vorbereitet sein

Sobald der Krupp-Husten einmal aufgetreten ist, sollten Apotheker die Eltern darauf hinweisen, sich für mögliche weitere Anfälle ein Notfall-Medikament verschreiben zu lassen. Die Bedarfs-Verordnung von Suppositorien oder Rektalkapseln mit Prednisolon/Prednison (wie Rectodelt®, Infectocortikrupp®, Klismacort® Rektalkapseln) ist in Deutschland nach wie vor üblich. Ein Beratungshinweis: Klismacort sind Weichgelatinekapseln, die vor Verabreichung angefeuchtet werden sollten. Das vereinfacht die Applikation und sorgt für ein schnelleres Auflösen der Hülle. Prednisolon liegt dabei verteilt in einer öligen Suspension vor, welche nach Auflösen der Hülle direkt an der Darmschleimhaut resorbiert wird. Die Zäpfchen auf Hartfettbasis müssen hingegen erst schmelzen, um Prednisolon/Prednison freizusetzen.

Corticoide wirken erst nach etwa einer halben Stunde, sofort hingegen die Inhalation von Adrenalin (auch Epinephrin genannt, in Infectokrupp Inhal®), das bei schwerer Atemnot in der Klinik zum Einsatz kommt. Diese Inhalationslösung samt elektrischem Vernebler kann der Arzt Säuglingen ab sechs Monaten jedoch auch prophylaktisch verschreiben. Dann sollten die Eltern im Beratungsgespräch genau eingewiesen werden, wie die Geräte zu handhaben sind, damit sie im Notfall schnell und ruhig reagieren können.

Bei einem Pseudokrupp-Anfall unwirksam sind schleimlösende Hustenmittel und Asthma-Sprays. Auch Antitussiva haben sich nicht bewährt. Auch von Erkältungssalben und -tropfen mit ätherischen Ölen ist abzuraten, auch wenn dem Pseudokrupp-Anfall eine Erkältung vorangegangen ist. Besonders Campher, Menthol und jegliche Minzöle sind für Kinder bis zwei Jahren tabu, da durch Schwellung der Kehlkopfschleimhaut Glottiskrämpfe, Bronchospasmen und Asthma-ähnliche Zustände bis hin zum Atemstillstand drohen können.

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