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Seelische Gesundheit

Psychose durch Covid-19?

Forschung in Echtzeit

Zum jetzigen Zeitpunkt ist die Frage nach einem Zusammenhang zwischen Infektionen und Psychosen mit so vielen Fragezeichen behaftet, dass er sich weder belegen noch endgültig ausschließen lässt. Möglicherweise kann Sars-CoV-2 zum Verständnis beitragen, denn inzwischen ist klar, das Virus kann sich auch in Zellen des Gehirns vermehren. Das konnten Nephrologen vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf mit einer Obduktionsstudie nachweisen, die im Mai im New England Journal of Medicine veröffentlicht wurde. Viele neurologische Symptome wie Schlaganfälle, Lähmungen, Kopfschmerzen oder Hirnzentzündungen lassen sich damit erklären. Möglich ist zudem, dass Sars-CoV-2 für psychiatrische Auffälligkeiten bis hin zu Psychosen verantwortlich ist.

Bereits kurz nach dem Beginn der Covid-19 Pandemie gab es erste Berichte aus China, in denen schwere neuropsychiatrische Symptome geschildert wurden. In Großbritannien wurde daraufhin von verschiedenen Fachgesellschaften die Plattform CoroNerve.com eingerichtet, in die Ärzte auffällige neuropsychiatrische Symptome ihrer Patienten eingeben konnten. Während der exponentiellen Phase in Großbritannien vom 2. bis 26. April konnten so 125 vollständige Datensätze erfasst werden, die das Team um Benedict Michael von der Universität Liverpool ausgewertet hat. Bei 39 Patienten erfassten die behandelnden Ärzte psychiatrische Veränderungen, 23 von ihnen erfüllten die Kriterien einer psychiatrischen Diagnose (Psychose, Demenz-ähnliche Störung und affektive Störung). Weitere neun entwickelten Gehirnveränderungen (Enzephalopathie) und sieben Patienten zeigten Anzeichen einer Gehirnentzündung. Interessant ist, dass neuropsychiatrische Symptome häufiger bei jüngeren Patienten auftraten, während Patienten über 60 Jahre vermehrt zerebrovaskuläre Ereignisse zeigten. Die Autoren geben jedoch zu bedenken, dass es sich bei den Daten um Spontanmeldungen handelt, die keine Aussagen über die tatsächliche Verbreitung der Symptome zulassen.

Dennoch empfehlen sie Medizinern, bei Patienten mit akuten psychiatrischen Symptomen, die Möglichkeit einer SARS-CoV-2-Infektion in Betracht zu ziehen. Hierfür sprechen auch Beobachtungen von New Yorker Ärzten. In einer Fallstudie berichtet das Team um Stephen Ferrando von drei Patienten, die während ihrer Covid-19-Infektion ausschließlich psychotische Symptome zeigten.

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