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Ursachenfahndung lohnt sich

Pulssynchronen Tinnitus abklären lassen

Fisteln als mögliche Gefahr

Typischerweise tritt ein pulssynchroner Tinnitus nur auf einem Ohr auf. Beide Ohren sind äußerst selten betroffen. Da die Lautstärke der Geräusche von Patient zu Patient variiert, wird die Belastung durch den Tinnitus ganz unterschiedlich erlebt. Mediziner raten jedoch, auch wenig störende Ohrgeräusche abklären zu lassen. Die meisten Veränderungen sind mit radiologischen Untersuchungsmethoden wie dem Ultraschall, der Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) gut darstellbar.

Im Durchschnitt lässt sich bei 70 Prozent der Betroffenen eine spezifische Ursache finden. Ob diese behandelt werden soll, hängt neben dem persönlichen Leidensdruck durch das Geräusch vom Behandlungsrisiko und dem spontanen Hirnblutungsrisiko ab. Letzteres ist vor allem bei den sogenannten duralen Arteriovenösen Fisteln (dAVF) eine ernstzunehmende Gefahr. Sie sind eine der häufigsten Ursachen für ein pulssynchrones Ohrgeräusch und gehen meist mit Kopfschmerzen einher.

DAVF entstehen durch eine Kurzschlussverbindung zwischen einer Arterie und einer Vene an der harten Hirnhaut (Dura). Gut sichtbar wird das bei einer Sonderform der dAVF, der Carotis-Sinus-cavernosus-Fistel (CSCF). Hier bildet sich eine Verbindung zwischen der inneren und/oder äußeren Kopfschlagader und dem Sinus cavernosus, einem venösen Geflecht hinter den Augenhöhlen. Normalerweise leitet der Sinus cavernosus das Blut aus der Augenhöhle und dem Schädelinneren über die Halsvene ab. Durch die Fistel wird nun zusätzlich das Blut von der Arterie in Richtung Vene geleitet. Das venöse System wird überlastet, der Blutabfluss aus der Augenhöhle gestört. Die Folge: Das Auge rötet sich und wölbt sich nach vorne. Begleitend treten Ohrgeräusche auf, einige der Betroffenen sehen auch Doppelbilder.

Blutung möglich?

Die Überlastung des venösen Systems ist bei allen dAVF das wesentliche Problem. Denn wird das Blut nicht mehr aus dem Hirngewebe abgeleitet, erhöht sich der Druck. Im schlimmsten Fall entwickelt sich eine Hirnblutung. Um dieser vorzubeugen, ist die Bestimmung des Hirnblutungsrisikos ein wichtiger Bestandteil der dAVF Diagnostik. Ist es hoch, raten Mediziner zur Behandlung.

Konnten Ärzte ein Risiko für eine Hirnblutung ausschließen, richtet sich die Behandlung nach dem Leidensdruck des Patienten. Fühlen sich Betroffene dauerhaft beeinträchtigt, was sogar in eine Berufsunfähigkeit führen kann, ist eine Behandlung auch unabhängig von der medizinischen Dringlichkeit sinnvoll. Fühlt sich der Betroffene jedoch nur wenig beeinträchtigt und kann das Ohrgeräusch gut tolerieren, ist eine Therapie nicht zwingend erforderlich und eine beobachtende Haltung gerechtfertigt.

Grundsätzlich gelten arteriovenöse Fisteln als gut therapierbar. Sie werden im Rahmen eines drei oder vier Tage dauernden Krankenhausaufenthalts mithilfe der Mikrokathetertechnik verschlossen. Dafür haben Chirurgen zwei Möglichkeiten: Sie können den Fistelpunkt über die zuführende Arterie mit Gewebekleber oder über die ableitende Hirnvene mit einer Platinspirale in Kombination mit Gewebekleber verschließen. Manchmal sind auch kombinierte Ansätze von arterieller und venöser Seite notwendig. Komplexe Fisteln können zudem mehrere Behandlungen erfordern.

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