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Quartett neuer Arzneimittel

Mit Tetracyclin verwandt

Das Präparat Xerava® von Paion enthält mit Eravacyclin ein neues Antibiotikum. Zugelassen ist es für die Therapie komplizierter Infektionen im Bauchraum bei Erwachsenen. Der neue Wirkstoff zählt zur Gruppe der Tetracycline. Sie wirken, indem sie die bakterielle Proteinsynthese durch Bindung an die ribosomale Untereinheit 30 S stören. Eravacyclin wird als etwa 60-minütige intravenöse Infusion verabreicht. Die empfohlene Dosis beträgt 1 mg/kg Körpergewicht alle zwölf Stunden über einen Zeitraum von vier bis 14 Tagen. Zu einer Dosis von 1,5 mg/kg Körpergewicht wird geraten, wenn der Patient gleichzeitig einen starken CYP3A4-Induktor bekommt.

Häufig beobachtete Nebenwirkungen sind Übelkeit, Erbrechen, Reaktionen an der Injektionsstelle sowie Gefäßerkrankungen wie Phlebitis und Thrombophlebitis. Xerava darf nicht während der Schwangerschaft angewendet werden, es sei denn, eine Behandlung mit dem Antibiotikum ist aufgrund des klinischen Zustands der Frau erforderlich.

Gegen Depressionen

Bei Desvenlafaxin (Desveneurax®, Neuraxpharm) handelt es sich um den Hauptmetaboliten des seit Langem bekannten Wirkstoffs Venlafaxin. Es besitzt eine Methylgruppe weniger im Molekül. Zugelassen ist Desvenlafaxin bei Erwachsenen mit schwerer Depression. Der Wirkstoff ist ein selektiver Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI). Es wird angenommen, dass die Wirksamkeit der Substanz mit einer Erhöhung der Aktivität der Neurotransmitter Serotonin und Noradrenalin im zentralen Nervensystem zusammenhängt. Eine Kombination mit Venlafaxin-haltigen Präparaten darf nicht erfolgen.

Die therapeutische Dosis beträgt 50 bis 200 mg einmal täglich. Die Retardtabletten sind im Ganzen mit Flüssigkeit einzunehmen. Sie dürfen nicht geteilt, zerdrückt, gekaut oder aufgelöst werden. Bei Patienten mit schwerer Beeinträchtigung der Nierenfunktion oder Niereninsuffizienz im Endstadium wird eine Anfangsdosis von 50 mg jeden zweiten Tag empfohlen.

Ein plötzliches Absetzen sollte möglichst vermieden werden. Bei Beendigung einer Behandlung mit Desvenlafaxin sollte die Dosis über einen Zeitraum von mindestens ein bis zwei Wochen schrittweise reduziert werden, um das Risiko von Absetzerscheinungen zu verringern. Gewarnt wird in der Fachinformation auch vor einem möglichen Serotonin-Syndrom, besonders bei Kombination mit anderen serotonergen Arzneimitteln. Desvenlafaxin darf nicht zusammen mit Monoaminoxidase-Hemmern angewendet werden.

Die gleichzeitige Anwendung von Desvenlafaxin und potenten CYP3A4-Inhibitoren kann zu höheren Konzentrationen des Antidepressivums führen. Daher ist Vorsicht geboten, wenn Patienten mit einer solchen Kombination behandelt werden.

Sehr häufig treten unter Desvenlafaxin Schlaflosigkeit, Schwindelgefühl, Kopfschmerz, Übelkeit, Mundtrockenheit, Verstopfung und Hyperhidrose auf.

Der neue Wirkstoff darf bei Schwangeren nur angewendet werden, wenn der zu erwartende Nutzen größer ist als die möglichen Risiken. Aufgrund der möglichen schweren Nebenwirkungen für gestillte Kinder, die Desvenlafaxin ausgesetzt werden, muss eine Entscheidung darüber getroffen werden, ob das Stillen unterbrochen oder ob auf die Behandlung mit dem Antidepressivum verzichtet wird. 

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