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Sodbrennen

Refluxkrankheit ernst nehmen

Wer Sodbrennen hat, leidet unter Refluxkrankheit? So einfach ist die Gleichung nicht. Und auch die Therapie ist differenziert zu betrachten und geht über den Einsatz von Protonenpumpeninhibitoren (PPI) hinaus. Eine Übersicht gab Professor Dr. Joachim Labenz beim Heidelberger Herbstkongress der Apothekerkammer Baden-Württemberg.
Christina Hohmann-Jeddi
08.12.2021  12:00 Uhr

Bei der gastroösophagealen Refluxkrankheit (GERD) verursacht Rückfluss von Mageninhalt unangenehme Symptome und/oder Läsionen in der Speiseröhre. Das berichtete Professor Dr. Joachim Labenz vom Diakonie Klinikum Jung-Stilling in Siegen bei der Online-Fortbildung der Apothekerkammer Baden-Württemberg am 21. November. Typisch Symptome seien Sodbrennen und saures Aufstoßen; es kann zu Entzündungen bis hin zu Karzinomen kommen. Probleme außerhalb der Speiseröhre sind Husten, Stimmprobleme und Schädigung der Zähne. »Alle diese Dinge können allein oder in Kombination auftreten, was eine Diagnose mitunter schwierig macht«, sagte Labenz.

Der Internist räumte mit mehreren Mythen zur Diagnosestellung auf. So seien die Symptome weder spezifisch noch sensitiv. »Man kann also Sodbrennen haben und keine Refluxkrankheit oder man kann refluxkrank sein und kein Sodbrennen haben«, so Labenz. Zudem korreliere die Symptomstärke nicht mit dem Ausmaß der Läsionen und eine Entzündung der Speiseröhre sichere nicht die Diagnose GERD. »Eine symptombasierte Diagnose ist nicht möglich«, sagte Labenz. Goldstandard sei die Kombination aus Endoskopie, Impedanz-pH-Metrie (Refluxmessung) und hochauflösender Manometrie (Beurteilung der Motilität der Speiseröhre und der Verschließmuskeln). Damit gab der Gastrologe eine Vorschau auf die in Kürze erwartete aktualisierte Leitlinie zur Refluxkrankheit, an der er mitgearbeitet hat. 

Welche Optionen zur Behandlung gibt es?

Neben Allgemeinmaßnahmen wie Gewichtsreduktion, Ernährungsveränderungen, Zwerchfelltraining und geeigneter Schlafposition mit hochgelagertem Oberkörper sind vor allem Medikamente wichtig. Bei typischen Refluxbeschwerden ohne Alarmsymptome (Schluckstörungen, Gewichtsverlust, Blutungen) und ohne positive Familienanamnese für Malignome soll laut Leitlinie ohne weitere Diagnostik ein Protonenpumpeninhibitor (PPI) eingesetzt werden. Alternativ könnten auch H2-Blocker, Alginate und Antazida eingesetzt werden.

Er sei ein Fan der Alginate, sagte Labenz, weil sie einen neuen Aspekt in die Therapie einbrächten. Sie greifen nämlich an der sogenannten Säuretasche (Acid Pocket), eine Ansammlung von Magensäure am Übergang vom Magen zur Speiseröhre, an. Alginate, die meist mit einem Antazidum kombiniert sind, bilden einen Schaum auf der Acid Pocket und eliminieren diese, sagte Labenz. Zusätzlich bewirken sie eine mechanische Refluxblockade und einen Schutzfilm in der Speiseröhre.

Bei gesicherter Refluxerkrankung unterscheidet man die Form ohne Entzündung in der Speiseröhre (NERD) und mit Entzündung (Refluxösophagitis). Erstere wird mit der niedrigen Standarddosis PPI über vier Wochen, letztere mit der höheren Standarddosis über acht Wochen therapiert. Meistens sei Symptomkontrolle das einzige Therapieziel; bei Patienten mit schwerer Ösophagitis sei aber eine Dauertherapie notwendig.

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