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Mit guter Vorbereitung

Reisen trotz Herzkrankheit

Menschen mit einer Herzerkrankung sollten Reisen – egal ob per Auto, Flugzeug oder Schiff - besonders gut planen, um ihre Gesundheit nicht weiter zu gefährden und auch auf Ausnahmesituationen gut vorbereitet zu sein.
Christiane Berg
10.06.2022  15:00 Uhr

Ob Menschen mit koronarer Herzkrankheit (KHK), Herzschwäche oder einem Defibrillator, ob Herzklappen- oder Schrittmacherpatienten: Sie alle sollten vor einer Reise immer Rücksprache mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt halten und gemeinsam mit ihr beziehungsweise ihm prüfen, ob und wenn ja, wie und wann diese möglich ist oder nicht. Nur so lassen sich gesundheitliche Risiken durch Überbelastungen oder Fehleinschätzungen vermeiden, warnt die Deutsche Herzstiftung.

So sei es angezeigt, dass zum Beispiel Menschen mit koronarer Herzkrankheit (KHK) zur Einschätzung ihrer Reisefähigkeit zuvor ein Belastungs-EKG machen lassen. Herzklappenpatienten sollten ihren INR-Wert überprüfen lassen. »Auch die Selbstbestimmung des Gerinnungswertes ist auf Reisen besonders vorteilhaft«, macht die Stiftung in einem aktuellen Newsletter deutlich. Zudem sollten Betroffene auf Reisen stets ihren Gerinnungshemmer-Ausweis mit sich führen.

Gleiches, so die Deutsche Herzstiftung, gilt für Schrittmacherpatienten, die immer ihren Schrittmacherausweis dabei haben sollten. Auch sei es ratsam, dass Patienten mit einem Defibrillator vor einer Auslandsreise den Hersteller kontaktieren, um sich entsprechende Adressen zur Hilfeleistung bei eventuellen Zwischenfällen notieren zu können.

Besonderheiten bei Defi und Schrittmacher 

Patienten mit einem Defibrillator oder Herzschrittmacher machen sich oftmals große Sorgen um potenzielle elektromagnetische Felder, die die Funktion des implantierten Geräts beeinflussen könnten. Diese können zum Beispiel an Flughäfen oder auf Kreuzfahrtschiffen bei den Sicherheitskontrollen entstehen, wenn mit Metalldetektoren oder Ganzkörperscannern gearbeitet wird.

»Entsprechende ernsthafte Interaktionen mit irgendwelchen elektrischen Geräten hat es in den letzten Jahren praktisch weltweit kaum noch gegeben. Das liegt unter anderem daran, dass die heutigen Schrittmacher und Defibrillator-Geräte eine ganze Reihe von Sicherheitsmechanismen, Filterfunktionen und auch technische Bauteile haben, die sie weniger anfällig machen«, beruhigt Privatdozent Dr. Carsten Israel.

Daher hätten auch Metalldetektoren oder Ganzkörperscanner keinen messbaren Einfluss auf die Funktion. Das sei mehrfach getestet worden, unterstreicht der Rhythmologe in einem Interview, auf das im Rahmen des Newsletters der Herzstiftung verwiesen wird. Dennoch empfehle er, das Sicherheitspersonal über das Implantat vorab zu informieren, damit nicht mehr als nötig etwa mit einem Handscanner über die Brust gefahren wird.

Stichwort Magnetfelder: Träger eines Schrittmachers oder Defibrillators dürfen ohne Bedenken auch E-Autos mieten und fahren, so Israel weiter. Mehrere wissenschaftliche Untersuchungen seien zu dem Schluss gekommen, dass die Magnetfelder der Batterien im Elektroauto Schrittmacher oder Defibrillatoren nicht beeinflussen. Die Batterien seien zudem meist hinten unter der Rückbank eingebaut. »Ganz Vorsichtige können dann eher vorn Platz nehmen auf der Fahrt«, macht er deutlich.

Vorsicht bei Höhe, Hitze und Kälte

Lediglich in einigen Fällen, so die Herzstiftung, kann es ratsam sein, von einer Reise Abstand so nehmen, so zum Beispiel bei einer Neigung zu wiederholtem Schwindel oder plötzlichen Bewusstlosigkeiten beziehungsweise bei Angina pectoris, die schon bei geringen Belastungen, also selbst bei Gehen auf ebener Erde oder auch beim Treppensteigen, zu Luftnot und Erschöpfung führt.

Generell sollten Herzpatienten bei der Wahl des Urlaubsziels den Klima- und Zeitwechsel berücksichtigen. Sehr hohe Temperaturen können ohne Vorsichtsmaßnahmen bei vorbelasteten Menschen einen Kreislaufkollaps oder Herz-Rhythmus-Störungen auslösen. Aufenthalte in großen Höhen können den Herzmuskel zu stark belasten und im schlimmsten Fall zu einem Herzinfarkt führen. Auch extreme Kälte kann sich negativ auswirken.

Tropische und subtropische, arktische und subarktische Klimata seien für Herzpatienten grundsätzlich nicht zu empfehlen, da sie zu anstrengend für das Herz-Kreislauf-System sind. Sinnvoller sei es, eine Klimazone zu wählen, an die der Körper gewöhnt ist. Optimale Reisezeiten für Herzpatienten sind das Frühjahr und der Herbst.

Medikationsplan und Arzneimittel im Handgepäck

»Gute Vorbereitung ist alles«, so die Herzstiftung als gemeinnützige Anlaufstelle für Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Daher empfehle es sich last but not least, neben den gängigen Reiseunterlagen nicht nur die Telefonnummern von kardiologischen und gegebenenfalls auch telemedizinisch kooperierenden Kliniken und Praxen, sondern auch Kranken-, Rückhol- oder Reiserücktrittsversicherungsunterlagen griffbereit zu haben.

Müssen notwendige Arzneimitteln in ausreichender Menge stets im Handgepäck mitgeführt werden, so sollte stets ein Medikamentenplan dazu gelegt werden, auf dem die Wirkstoffnamen verzeichnet sind. Handels- und Präparatenamen unterscheiden sich im Ausland oftmals erheblich.

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