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Kulturelle Ernährungsgewohnheiten

Religionen der Welt – was darf auf den Teller?

Koscher Essen im Judentum

Auch im Judentum teilt man die Lebensmittel in zwei Kategorien ein: Erlaubte werden als »koscher« bezeichnet und nicht erlaubte als »trefe«. Wie im Islam gilt Schweinefleisch als tabu, und Fleisch muss gemäß den jüdischen Vorschriften geschlachtet werden. Das heißt, die Tiere müssen nach der Schlachtung vollständig ausbluten. Erlaubt sind Säugetiere, die wiederkäuen und gespaltene Hufe haben, wie Rind, Ziege und Schaf, sowie Fische mit Flossen und Schuppen, beispielsweise Lachs. Die meisten Vogelarten gelten ebenfalls als koscher. Produkte von koscheren Tieren wie Milch und Eier sind grundsätzlich erlaubt.

Im Judentum gibt es zudem die Vorschrift, milchige Lebensmittel mit Bestandteilen aus Milch und fleischige, die Fleisch oder andere Produkte vom Tier enthalten, zu trennen. Sie dürfen nicht zusammen in einer Mahlzeit vorkommen, nicht gemeinsam zubereitet und auch nicht zusammen auf einem Tisch serviert werden. Es dürfen dafür nicht die gleichen Töpfe, Pfannen oder Teller zum Einsatz kommen. Religiöse Juden haben extra unterschiedliches Geschirr, um den Kontakt der Lebensmittel zu vermeiden. Milchige und fleischige Speisen dürfen zudem nur in zeitlichem Abstand verzehrt werden. Tabu ist demnach beispielsweise ein Hackfleischauflauf mit Sahne und Käse. Ist ein Lebensmittel weder fleischig noch milchig, wie Fisch, Eier und alle pflanzlichen Lebensmittel, wird es als »parve« bezeichnet und darf mit beiden Kategorien auf den Tisch kommen. Bei streng Gläubigen müssen Speisen außerdem idealerweise von einem Juden oder wenigstens mit jüdischer Beteiligung hergestellt werden, sonst gelten sie nicht als koscher, sondern nur als »kosher style«.

Buddhisten und Hindus

Die Lehre des Buddhismus bezieht sich auf die eher philosophischen Überlegungen des Siddhartha Gautama, der als der ursprüngliche Buddha – der Erleuchtete – gilt und in Nordindien gelebt hat. Anhänger des Buddhismus gelten als besonders friedfertig, da Mitgefühl mit allem Lebendigen und das Vermeiden von Leid zentrale Punkte ihres Glaubens darstellen. Von ihren fünf sogenannten Tugendregeln betreffen zwei das Essen. So ist ihnen nicht erlaubt, Lebewesen zu töten, und sie sollen keine Rauschmittel konsumieren. Folglich lehnen viele Buddhisten Fleisch sowie den Konsum von Alkohol ab. Dennoch sind nicht alle Buddhisten zwangsläufig Vegetarier. Einige Anhänger des Buddhismus verzichten auch auf den Verzehr von Zwiebelgewächsen wie Knoblauch, Schnittlauch oder Porree. Denn diesen Lebensmitteln wird eine anregende Wirkung auf ungewollte sexuelle Energien unterstellt. Aus dem gleichen Grund essen manche auch keinen Ingwer. Verboten ist zudem das Fleisch von Elefanten, Pferden, Hunden, Schlangen und Raubtieren.

Buddhisten sollen zudem nur so lange essen bis ihr Hunger gestillt ist. Lebensmittel dürfen nicht vergeudet oder weggeworfen und kein Tier nur um des Essens willen getötet werden. Wird bei einer Einladung Fleisch serviert, dürfen sie es essen, um dem Gastgeber Respekt zu zollen.

Etwa 100.000 Menschen leben hierzulande nach den Regeln des Hinduismus, der aus Indien stammt. Die bekannteste: Kühe gelten als heilige Tiergottheit und dürfen daher nicht verzehrt werden. Auch das Fleisch von fleischfressenden Tieren ist zu meiden, da es als weniger rein gilt. Fleisch von pflanzenfressenden Tieren, ausgenommen Rindern, wird aber teilweise gegessen. Generell gilt jedoch das Gebot der Gewaltlosigkeit gegenüber allen Lebewesen. Daher leben die meisten Hindus vegetarisch. Beim Umgang mit Lebensmitteln spielt die Vorstellung von Reinem und Unreinem eine große Rolle, wie auch im Islam oder Judentum. So gelten Milchprodukte als besonders rein, ebenso Wasser oder Ghee (flüssiges, gereinigtes Butterschmalz) und alle pflanzlichen Lebensmittel als gut. Der Hinduismus ist jedoch aus unterschiedlichen Traditionen zusammengewachsen, weswegen es keine für alle Hindus geltenden Regeln gibt. Unterschiedliche Vorschriften können in Indien auch durch das traditionelle Kastensystem entstehen, was aber auf hier lebende Hindus vermutlich keine Auswirkungen hat.

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