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Metronidazol

Rezepturstar bei Rosacea

Aufgrund seiner immunsupprimierenden, antiinflammatorischen sowie antibakteriellen Effekte dient Metronidazol in Rezepturen dazu, eine Rosacea zu behandeln. Der Arzneistoff wirkt jedoch auch gegen anaerobe Mikroorganismen, weshalb er bei entzündeten Zahnfleischtaschen zum Einsatz kommt.
Ingrid Ewering
29.10.2019
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Die Krankheitsbezeichnung Rosacea macht bereits auf die rosafarbige Haut der Patienten aufmerksam. Rötungen und Wärmegefühl des Gesichts sind ständiger und belastender Begleiter. Die Hauterkrankung ist für alle gut sichtbar und der Leidensdruck entsprechend hoch. Konsequente Therapie mit Metronidazol und eine sich anschließende Pflege helfen. Stark wasserhaltige Grundlagen wie ein kühlendes Polyacrylatgel, das leichte Liniment oder eine verdünnte Basiscreme DAC unterstützen die Wirkung von Metronidazol. Auch Nichtionische hydrophile Creme SR DAC ist von Vorteil, denn deren hoher Emulgatoranteil wirkt leicht antimikrobiell. In schubfreien Phasen angewendet, bieten die genannten Cremes als Basistherapie wertvolle Hilfe. Manche Patienten bevorzugen hautfarbene Zubereitungen. Werden den Cremes ein Prozent Titandioxid und 0,2 Prozent Eisenoxid-Stammverreibung, mittel (NRF S.10) zugesetzt, erhöht sich die Akzeptanz des Rezepturarzneimittels. Das stärkt die Therapietreue. Die beiden Pigmente reflektieren auch einen Teil der UV-Strahlen, die die Erkrankung weiter triggern. An sonnigen Tagen ist unbedingt an konsequente Verwendung von Sonnenschutzmittel zu denken. Machen Sie außerdem bei der Abgabe von Metronidazol-haltigen Dermatika darauf aufmerksam, dass die Behandlung Geduld erfordert. Denn eine deutliche Besserung tritt erst nach drei Wochen ein, und die Anwendung sollte sieben bis zwölf Wochen andauern.

Nur gekühlt verwendbar

Das Metronidazol-Dentalgel 25 % (NRF 27.6.) ist ein thermoreversibles Poloxamergel mit suspendiertem Wirkstoff. Es verflüssigt sich bei niedrigen Temperaturen. Daher lässt es sich vom Zahnarzt nur in gekühlter Form mit Hilfe einer Spritze in die entzündete Zahnfleischtasche applizieren. Zuvor muss der Metronidazol-Bodensatz durch sorgfältiges Umrühren dispergiert werden. Bei Körpertemperatur verfestigt sich dann das Gel und kann sein pharmakologisches Profil entwickeln. Auf dem Etikett des Arzneimittels für den Praxisbedarf dürfen deshalb Angaben wie »zu Händen des Zahnarztes«, »im Kühlschrank aufbewahren und vor jeder Anwendung umrühren«, sowie »geöffnete Spritze nur zum Einmalgebrauch, Reste verwerfen« nicht fehlen.

Hydrophiles Metronidazol-Gel 0,75 % NRF (11.65.) Hydrophile Metronidazol-Creme 1 % / 2 % (NRF 11.91.) Hydrophile Erythromycin-Creme 2 % mit Metronidazol 1 % (NRF 11.138.) Metronidazol-Dentalgel 25 % (NRF 27.6.)
Zusammen-
setzung
Metronidazol 0,75 g | Propylenglycol 5,0 g | Natriumedetat 0,1 g | Trometamol 0,25 g | Carbomer 50 000 0,5 g | Kaliumsorbat 0,1 g | Gereinigtes Wasser zu 100,0 g Metronidazol, mikrofein gepulvert 1,0 g / 2,0 g | oder | Metronidazol-Verreibung 10 % mit Nichtionischer hydrophilen Creme SR DAC 10,0 g / 20,0 g | Nichtionisches wasserhaltiges Liniment DAC (Vorschrift S.39.) zu 100,0 g Metronidazol, mikrofein gepulvert 2,0 g | Glycerol (wasserfrei) 8,0 g | Basiscreme DAC 44,0 g | Citronensäure-Lösung 0,5 5 12,0 g | Propylenglycol | 10,0 g | Gereinigtes Wasser zu 100,0 g Metronidazol, mikrofein gepulvert 25,0 g | Poloxamer 407 20,0 g | Kaliumsorbat 0,14 % | Wasserfreie Citronensäure 0,07 g | Wasser für Injektionszwecke 54,79 g
Indikation Behandlung der Rosacea Behandlung der Rosacea und periorale Dermatitis Behandlung von Parodontiden durch den Zahnarzt
Galenisches System Halbfestes Lösungssystem Halbfeste Suspension Halbfeste Suspension Thermoreversibles Dentalgel
Lagerung Bei Raumtemperatur konstante Aufbewahrungs-
temperatur bei nicht über 25 °C
konstante Aufbewahrungs-
temperatur im Kühlschrank bei ≤ 8 °C
Im Kühlschrank bei ≤ 8 °C.aufbewahren und vor jeder Entnahme umrühren
Tabelle 1: standardisierte Metronidazol-Rezepturen im Überblick

Als Pulver oder Konzenztrat

Die Grundlage sowie die Konzentration des Wirkstoffes bestimmen, ob Metronidazol als kristallines oder mikrofeines Pulver eingesetzt wird. Handelt es sich um ein Lösungssystem, wie zum Beispiel das hydrophile Metronidazol Gel 0,75 % (NRF 11.65.), so ist kristallines Pulver problemlos verwendbar. Das wasserhaltige Carbomergel, auch bekannt als Polyacrylatgel, löst die Wirkstoffkristalle in dieser niedrigen Menge: Zur Benetzung wird die Pulvermischung, bestehend aus dem Wirkstoff, Natriumedetat, Trometamol, Carbomer sowie dem Kaliumsorbat, mit Propylenglycol angerieben. Anschließend wird Wasser in Portionen eingearbeitet und nach einer Quellungsphase werden Verdunstungsverluste ausgeglichen. Einige Leser dürften bei der Gelzusammensetzung über das Fehlen der wasserfreien Citronensäure stolpern. Die Freisetzung des Konservierungsmittels aus dem Salz Kaliumsorbat übernimmt jedoch bei der NRF-Vorschrift 11.65. der Gelbildner selbst. Denn die Acidität der Polyacrylsäure reicht aus, um über Verdrängungsreaktion die Sorbinsäure aus dem gut wasserlöslichen Kaliumsalz freizusetzen.

Liegt der Wirkstoff in dem Rezepturarzneimittel dagegen suspendiert vor, so kommt mikronisiertes Metronidazol zum Einsatz. Denn nur in dieser Feinheit ist der Feststoff nicht spürbar. Als Eingangskontrolle nach DAC Probe 22 ist die Korngröße mit Hilfe eines Mikroskops und eines Objektmikrometers zu überprüfen. Kein Teilchen darf größer als 90 µm sein. Viele Metronidazol-Partikelchen weisen Korngrößen bis zu 30 µm auf, die Mehrzahl der Teilchen ist allerdings deutlich kleiner. Da derart kleine Feststoffe aufgrund ihrer großen Gesamtoberfläche gerne »miteinander kuscheln«, muss bei Suspensionszubereitungen das mikrofeine Metronidazol sorgfältig angerieben oder ein halbfestes Rezepturkonzentrat gewählt werden.

Kühlendes Liniment als Grundlage

Bei der hydrophilen Metronidazol-Creme 1 % / 2 % (NRF 11.91) ist das nichtionische hydrophile Liniment DAC als Grundlage vorgeschrieben. Die mit Kaliumsorbat konservierte Creme ist mit einem pH-Wert um 5 nicht nur pH-hautneutral, sondern aufgrund des hohen Wassergehaltes von fast 82 Prozent kühlt sie auch. So unterstützt das Liniment die Wirksamkeit des Metronidazol auf Rosacea-geplagter Haut, die juckt und brennt. In der ehemaligen DDR war eine vergleichbare Zubereitung als Unguentum Metronidazoli 1 % SR eine häufig verordnete Rezeptur aus den Standardrezepturen für den Arzt und Apotheker.

Mikrofeines Metronidazol muss laut Vorschrift mit etwa einem Zehntel des Nichtionischen wasserhaltigen Liniments sorgfältig angerieben werden. Als InProzessKontrolle dient die visuelle Überprüfung auf Abwesenheit von Agglomeraten. Fällt das Ergebnis positiv aus, so wird in ein bis zwei Schritten das restliche Liniment zugegeben. Bitte nicht in kleineren Schritten arbeiten. Denn durch die starke mechanische Beanspruchung gelangen Luftblasen in den Ansatz, und das Liniment bläht wie Schlagsahne auf. Auch gelangen Mikroben in die Rezeptur, so dass die Verwendbarkeitsfrist von sechs Monaten eventuell gefährdet ist. Wird die hydrophile Metronidazol-Verreibung 10 % der Firma apomix (früher PK Halle) eingesetzt, liegt der Wirkstoff bereits homogen verteilt vor, und das zeitraubende Anreiben entfällt. Aber Vorsicht: Aktuelle Untersuchungen des Zentrallabors zeigen, dass auch das Konzentrat auf Abwesenheit von Agglomeraten überprüft werden sollte. Nur einwandfreie halbfeste Konzentrate eignen sich, in nur zwei Verdünnungsschritten mit dem Liniment verrührt zu werden. Eine Metronidazol-Verreibung auf Basis von Vaseline führt nicht zu guten Ergebnissen. Das feste Kohlenwasserstoffgel lässt sich nicht mit dem Liniment verarbeiten, da sowohl Konsistenz sowie Plastizität stark voneinander abweichen.

Auch warme Sommermonate schaden der Qualität so mancher Metronidazol-Rezeptur. Darauf machte das Zentrallabor aufmerksam. Beim Transport empfehlen sich temperaturregulierende Maßnahmen wie Kühltaschen oder Isolierbeutel. Denn Temperaturen oberhalb von 30 °C oder starke Temperaturschwankungen über 15 °C fördern bei der hydrophilen Metronidazol-Creme 1 % / 2 % (NRF 11.91.) die Kristallbildung. Eine kontinuierliche Dokumentation der Temperaturen ist mit einem Datenlogger umsetzbar, sowohl für den Transport des halbfesten Konzentrates zur Apotheke als auch der Metronidazol-Rezeptur zum Zentrallabor in Eschborn.

Kombination mit Erythromycin

Auf den ersten Blick erscheint diese Wirkstoffkombination nicht plausibel. Doch das gleichzeitige Auftragen erhöht die antientzündliche sowie antiinfektive Wirksamkeit, so dass das NRF eine standardisierte Rezeptur veröffentlichte. Beide Arzneistoffe werden mit Glycerol sorgfältig angerieben. Anschließend wird eine mit Wasser-Propylenglycol-Mischung verdünnte Basiscreme DAC ergänzt. Mit Citronensäurelösung stellt der Rezeptar den pH-Wert zur Stabilisierung der Mimose Erythromycin auf acht ein. Das Metronidazol toleriert diesen pH-Wert bei Lagerung im Kühlschrank bei ≤ 8 °C. So kann der Rosacea-Patient die Creme für vier Wochen anwenden.

Elektrische Rührsysteme

Da Metronidazol in der Wärme in Lösung geht, ist Fingerspitzengefühl bei der Herstellung mit elektrischen Rührsystemen gefragt. Je höher die Drehzahl, desto stärker die Wärmeentwicklung. Beim Abkühlen entstehen dann Kristalle, die beim Auftragen der Creme spürbar sein können. Was ist zu tun? Die beim Mischprozess sich entwickelnde Wärme muss kompensiert werden. Deshalb empfehlen die Hersteller sowohl des Topic® Geräts als auch der Unguatoren®, das Liniment über Nacht im Kühlschrank aufzubewahren. Beim Mischvorgang ist die Erwärmung kontaktlos mit dem Infrarot-Thermometer überprüfbar. Sie sollte nicht über 30 °C steigen. Ansonsten dienen Rührpausen der Abkühlung.

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