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Therapieziel Remission

Rheuma bei Kindern

Gelingt damit keine Remission oder kann die Steroiddosis nicht dauerhaft auf ein akzeptables Level gesenkt werden, kommen die biologischen DMARDs ins Spiel. Denn in der Rheumatologie nehmen besonders TNF-alpha sowie die Interleukine 1 und 6 eine Schlüsselrolle in der Entzündungskaskade ein. Sogenannte Biologicals sind Antikörper oder Fusionsproteine, die diese spezifischen Zielstrukturen des Immunsystems adressieren. Sie werden gentechnologisch hergestellt und sind meist gegen proinflammatorische Zytokine oder ihre Rezeptoren gerichtet.

Bekannte Vertreter sind beispielsweise Etanercept und Adalimumab, die beide den Botenstoff TNF-alpha abfangen. Tocilizumab ist hingegen ein Interleukin-6-Rezeptorantikörper, Canakinumab ein Interleukin-1beta-Antikörper, während Anakinra als Antagonist des Interleukin-1-Rezeptors wirkt.

Welches Biological zum Einsatz kommt, hängt von verschiedenen Faktoren wie dem genauen Erkrankungsbild und Alter ab. Einige werden zusätzlich mit MTX kombiniert. Das genaue Dosierintervall variiert je nach Wirkstoff – gespritzt werden müssen sie jedoch alle. Vor der Therapie sollten Erkrankungen wie Hepatitis B und C sowie Tuberkulose ausgeschlossen werden. Treten allergische Reaktionen an der Einstichstelle auf, kühlen Patienten die Haut am besten vor und nach der Injektion mit einem Kühlpack. Lebendimpfungen sind sicherheitshalber während der Therapie kontraindiziert. In Deutschland werden umfangreiche Daten rund um die Anwendung bei Kindern und Jugendlichen in verschiedenen Registerstudien erfasst. Dabei fiel auf, dass bei Kindern unter der Therapie mit TNF-alpha-Blockern öfter maligne Erkrankungen auftreten. Ob dies allerdings an der Medikation oder der Grunderkrankung liegt, bleibt unklar. Langzeitrisiken können noch nicht abschließend bewertet werden.

Therapietreue lohnt sich

Das Verständnis der Erkrankung, aber auch eine gute Aufklärung und gemeinsame Entscheidungsfindung tragen wesentlich zur Therapietreue bei und stärken die Adhärenz. Denn in der Therapie geht es nicht nur um Schmerzreduktion. Eine schnelle und wirksame Behandlung bremst den Krankheitsprozess und kann damit Folgeschäden bestmöglich abmildern. Sie ist essenziell für die Lebensqualität und ermöglicht Kindern eine altersgerechte Entwicklung genauso wie die Teilnahme an Freizeitaktivitäten und dem sozialen Leben, wie beispielsweise Sportunterricht oder schlicht Spielplatzbesuche.

Kryotherapie (Eis), Wärmebehandlung, gezielte Ergotherapie oder Physiotherapie bilden weitere Eckpfeiler der Therapie. Neben Patientenschulungen unterstützen im Einzelfall auch psychotherapeutische Behandlungen, da depressive Symptome die Schmerzproblematik negativ beeinflussen. Leider bleibt die Krankheit bei mehr als jedem zweiten auch im Erwachsenenalter behandlungsbedürftig. Damit ein nahtloser Übergang gelingt, sollte der Wechsel vom Kinderrheumatologen zum internistischen Rheumatologen gut geplant werden und behutsam erfolgen.

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