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Neue Arzneistoffe

Rheumatoide Arthritis – der dritte Januskinase-Hemmer ist da

Seit Anfang Februar erweitert das Upadacitinib-haltige Präparat Rinvoq® 15 mg Retardtabletten von Abbvie das Arzneistoffspektrum zur Behandlung der rheumatoiden Arthritis.
Sven Siebenand
13.02.2020
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Ärzte dürfen den Kinasehemmer erwachsenen Patienten mit mittelschwerer bis schwerer aktiver Erkrankung verordnen, wenn diese auf die Behandlung mit einem oder mehreren krankheitsmodifizierenden Antirheumatika (DMARD) unzureichend angesprochen oder diese nicht vertragen haben.

Nach Tofacitinib (Xeljanz®) und Baricitinib (Olumiant®) ist Upadacitinib nun der dritte sogenannte Januskinase-Hemmer für die Behandlung der rheumatoiden Arthritis. Januskinasen sind an Prozessen beteiligt, die zu Entzündungen führen. Wird die Wirkung dieser Enzyme blockiert, trägt das dazu bei, die Entzündung in den Gelenken unter Kontrolle zu bringen.

Upadacitinib nehmen die Patienten entweder in Kombination mit Methotrexat (MTX) oder als Monotherapeutikum ein. Die empfohlene Dosis beträgt einmal täglich 15 mg. Patienten können die Tabletten mit oder unabhängig von einer Mahlzeit zu einer beliebigen Uhrzeit einnehmen. Die Tabletten sind im Ganzen zu schlucken und dürfen nicht geteilt, zerdrückt oder zerkaut werden.

Wenn bei einem Patienten eine schwere Infektion auftritt, sollte die Behandlung unterbrochen werden, bis die Infektion unter Kontrolle ist. Darauf können bei der Abgabe des Medikaments auch PTA und Apotheker aufmerksam machen. Zudem ist es wichtig zu wissen, dass die Behandlung mit dem Kinasehemmer erst begonnen werden sollte, wenn eine Blutuntersuchung stattgefunden hat, die zeigt, dass ausreichend Blutzellen, etwa Lymphozyten, vorhanden sind und der Hämoglobin-Spiegel ausreichend hoch ist.

Kontraindiziert ist Upadacitinib bei schwerer Leberinsuffizienz, in der Schwangerschaft und bei einer aktiven Tuberkulose beziehungsweise einer anderen aktiven schwerwiegenden Erkrankung. Bei schwerer Niereninsuffizienz sollte die Anwendung des Wirkstoffs sorgfältig abgewogen werden.

Laut Fachinformation sollte Upadacitinib nicht mit anderen potenten Immunsuppressiva, etwa Ciclosporin, Azathioprin oder anderen Januskinase-Hemmern, kombiniert werden. Zudem wird die Anwendung von attenuierten Lebendimpfstoffen während oder unmittelbar vor einer Behandlung mit dem Kinasehemmer nicht empfohlen. Upadacitinib wird hauptsächlich durch das Enzym CYP3A4 metabolisiert. Daher kann die gleichzeitige Anwendung von starken CYP3A4-Hemmern und -Induktoren ein Problem darstellen.

Sehr häufige Nebenwirkungen von Rinvoq® sind Infektionen der oberen Atemwege. In Studien traten häufig zum Beispiel Übelkeit, Fieber, Husten und Hypercholesterinämie auf. Beobachtet wurden auch Fälle der Reaktivierung von Herpesviren, zum Beispiel Herpes Zoster. Tritt bei einem Patienten eine Gürtelrose auf, sollte der Arzt erwägen, die Upadacitinib-Behandlung zu unterbrechen, bis die Infektion abklingt.

Frauen im gebärfähigen Alter müssen während der Anwendung von Upadacitinib und nach Beendigung der Behandlung für vier Wochen zuverlässig verhüten. Laut Fachinformation sollen auch Stillende das neue Medikament nicht erhalten.

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