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Transmukosales Fentanyl

Risikofaktoren für die Opioidabhängigkeit

Fentanyl, das transmukosal – zum Beispiel als Nasenspray oder Sublingualtablette – angewendet wird, bringt ein Abhängigkeitspotenzial mit sich. Besonders, wenn bestimmte Faktoren zusammenkommen.
Juliane Brüggen
09.02.2022  09:00 Uhr

Dass transmukosal verabreichtes Fentanyl bei wiederholter Einnahme zur Abhängigkeit führen kann, ist bekannt. Transmukosal heißt, dass der Wirkstoff über die Schleimhäute in den Blutkreislauf gelangt. Das betrifft beispielsweise Nasensprays wie Instanyl®, Sublingualtabletten wie Abstral®, Lutschtabletten wie Actiq® oder Buccaltabletten wie Effentora®. 

In einer aktuellen »Drug Safety Mail« macht die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) darauf aufmerksam, dass die Warnhinweise zur Opioidabhängigkeit für Fentanyl in transmukosaler Applikationsform aktualisiert wurden. Demnach haben bestimmte Personen ein höheres Risiko, eine Gebrauchsstörung zu entwickeln. Dazu zählen:

  • Patienten mit Substanzgebrauchsstörungen (einschließlich Alkohol) in der persönlichen oder familiären Vorgeschichte (Eltern oder Geschwister)
  • Raucher
  • Patienten mit anderen psychischen Erkrankungen wie Depressionen, Angststörungen oder Persönlichkeitsstörungen

Laut AkdÄ könnte das Risiko außerdem erhöht sein, wenn Fentanyl »off label« angewendet wird, also außerhalb der zugelassenen Indikation. Entsprechende Hinweise lägen dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) vor. Daher warnt die AkdÄ: »Die Anwendung dieser Arzneimittel zur Behandlung akuter Schmerzen, die keine Durchbruchschmerzen sind, ist ebenso kontraindiziert wie die Behandlung von Patienten ohne Opioid-Basistherapie (erhöhtes Risiko einer Atemdepression).« Zugelassen ist Fentanyl zur transmukosalen Anwendung nur zur Behandlung von Durchbruchschmerzen bei erwachsenen Patienten, die wegen chronischer Tumorschmerzen bereits eine Basistherapie mit Opioiden erhalten haben.

Da die missbräuchliche oder absichtlich falsche Anwendung von Fentanyl schwerwiegende Folgen haben kann – von Überdosierung bis hin zum Tod –,  ist es wichtig, die Patienten im Blick zu behalten. Anzeichen von Suchtverhalten kann beispielsweise die zu frühe Nachfrage nach Folgerezepten sein. Außerdem sollten gleichzeitig angewendete Opioide und psychoaktive Substanzen wie Benzodiazepine überprüft werden. In manchen Fällen kann es erforderlich sein, einen Suchtspezialisten hinzuzuziehen.

Nicht nur bei Fertigarzneimitteln, auch bei fentanylhaltigen Rezepturarzneimitteln müssten Patienten aufgeklärt und überwacht werden, betont die AkdÄ. Wichtig sei zudem, »weitere Sicherheitsaspekte zu beachten, die sich zum Beispiel aus nicht kindergesicherten Verpackungen ergeben.«

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