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Osteoporose-Prävention

Risikopatienten erkennen

Etwa acht Millionen Menschen leiden allein in Deutschland an Osteoporose. Die Dunkelziffer ist hoch, da es Jahre bis zur Diagnose dauern kann. Apotheker und PTA können Risikopatienten gezielt ansprechen. Prävention ist möglich, eine adäquate Therapie unbedingt nötig.
Michael van den Heuvel
22.05.2019  17:00 Uhr

Bei der Osteoporose baut der Körper verstärkt Knochensubstanz ab, dadurch steigt die Frakturgefahr stark an. Forscher schätzen, dass 15 Prozent aller Frauen zwischen 50 und 60 Jahren vom »Knochenschwund« betroffen sind. Ab 70 Jahren erkranken circa 45 Prozent daran. Männer trifft es deutlich seltener: nämlich 2,4 Prozent zwischen 50 und 60 Jahren beziehungsweise 17 Prozent ab 70 Jahren.

Die medizinischen Folgen lassen sich kaum übersehen. Laut International Osteoporosis Foundation (IOF) gehen bundesweit etwa 765.000 Knochenbrüche auf Osteoporose zurück. Neben menschlichem Leid wird auch das Gesundheitssystem stark belastet. Ökonomen der IOF geben Kosten in Höhe von rund 11,3 Milliarden Euro an, Stand 2017. Gerade ältere Menschen fragen in der Apotheke oft, ob sie gefährdet sind. Welche Risikofaktoren gibt es, und was können Kunden vorbeugend tun?

Zwei unvermeidliche Risiken

Mit zunehmendem Alter steigt das Osteoporose-Risiko aus zwei Gründen. Kommen Frauen in die Menopause, sinkt ihr Östrogenspiegel. Vermutlich verschlechtert sich durch hormonelle Umstellungen die Calciumeinlagerung in Knochen. Eine hormonelle Substitution wird aber nur in Ausnahmefällen durchgeführt.

Neben dieser postmenopausalen Osteoporose (Typ-I-Osteoporose) gibt es auch die senile Osteoporose (Typ-II). Sie tritt bei älteren Frauen und Männern auf, möglicherweise aufgrund von Bewegungsmangel. Osteozyten im Knochengewebe registrieren nämlich mechanische Belastungen. Diese hoch spezialisierten Zellen aktivieren dann über mehrere Stufen den Aufbau von Knochensubstanz. Deshalb macht ein gezieltes Training zur Osteoporose-Prophylaxe auch biochemisch Sinn.

Untergewicht steht bei Senioren ebenfalls mit Osteoporose in Verbindung. Möglicherweise führen langfristig schlechte Ernährungsgewohnheiten zu Defiziten bei der Versorgung mit Calcium und Vitamin D.

Keine Supplementation per Gießkanne

Eine 25-Hydroxy-Vitamin D-Konzentration unter 20 ng/ml (50 nmol/l) im Serum beziehungsweise, eine Calciumzufuhr von weniger als 500 mg täglich steht der Leitlinie zufolge mit geringfügig höheren Frakturraten in Verbindung. Bei höheren Werten ist die Studienlage nicht eindeutig. Die Leitlinienautoren empfehlen deshalb allen Menschen, pro Tag insgesamt 1000 mg Calcium aufzunehmen – vor allem über Calcium-haltige Lebensmittel. Supplemente seien nur bei zu geringer Zufuhr über die Nahrung erforderlich, heißt es weiter. Besteht ein hohes Sturz- beziehungsweise Frakturrisiko in Verbindung mit geringer Sonnenlichtexposition, wird zu 800 bis 1000 IE (internationalen Einheiten) Vitamin D3 oral pro Tag geraten.

Bei gesunden Senioren ohne Defizite sieht die Sache jedoch anders aus, berichten Forscher. Sie gaben 379 Probanden im Alter von 70 oder mehr Jahren entweder 12.000, 24.000 oder 48.000 IE Vitamin D pro Monat. Tatsächlich erhöhte sich der Plasmaspiegel, was für eine gute Therapietreue sprach. Bestimmten Ärzte per Röntgenmessung die Knochendichte an der Hüfte und am Hals des Oberschenkelknochens, fanden sie keinen Unterschied. Die Ergebnisse bestätigten Wissenschaftler anhand einer Metaanalyse, sprich einer Auswertung bereits veröffentlichter Studien mit rund 50.000 Teilnehmern ab 50 Jahren. Calcium, Vitamin D oder eine Kombination der Pharmaka führte nicht zu weniger osteoporotischen Knochenbrüchen. Als Vergleich wurde Placebo herangezogen.

Viele Laien halten Supplemente für harmlos, was so nicht stimmt. Beispielsweise zeigte eine Studie mit 36.000 Frauen, mit welchen Risiken selbst das vermeintlich harmlose Calcium verbunden ist. Erhielten Teilnehmerinnen ergänzend zur Nahrung 1.000 Milligramm des Minerals pro Tag, erhöhten sich die Raten für Herzinfarkte und Schlaganfälle im Vergleich zu Placebo um bis zu 22 Prozent. Wie es dazu kommt, zeigen solche Kohortenstudien nicht. Bei speziellen Risikogruppen kann sich der Einsatz von Supplementen aber lohnen.

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