PTA-Forum online
Sanfte Ernährung

Ruhe für Reizmagen und -darm

Übelkeit, Druckgefühl, Blähungen, krampfartige Bauchschmerzen und eine veränderte Stuhlfrequenz und -Konsistenz prägen häufig den Alltag von Patienten mit einem Reizdarmsyndrom (RDS). Einige Betroffene stehen permanent unter massivem Leidensdruck, andere wiederum nur leicht oder in bestimmten Situationen. Die funktionellen Störungen der Darmmotorik können jedoch weitreichende Folgen für die Lebensqualität haben.

Mediziner gehen davon aus, dass Reizdarmpatienten ähnlich wie Patienten mit Reizmagen empfindlicher auf die Signale des Darms reagieren als gesunde Menschen. Eine eigentlich normale Darmaktivität wird von ihnen als schmerzhaft empfunden. Weitere Untersuchungen weisen zudem auf eine veränderte Zusammensetzung der Darmflora gegenüber Gesunden hin. Auch eine vorausgegangene bakterielle Darminfektion kann verantwortlich sein (postinfektiöses RDS).

Für eine sichere Diagnose sollten andere Erkrankungen mit ähnlicher Symptomatik ausgeschlossen werden, unter anderem Zöliakie, Morbus Crohn, Colitis ulcerosa oder Darmkrebs. Eine Intoleranz gegenüber Lactose oder Fructose kann über den H2-Atemtest diagnostiziert werden – beide sind auch häufig gemeinsam mit einem RDS anzutreffen. Betroffene sollten auch mit dem Arzt über eventuelle psychosomatische Probleme sprechen und wie sie diese angehen können.

FODMAPs reduzieren

Kohlgemüse, Hülsenfrüchte, Nüsse, Stein- und Beerenobst sowie Milchprodukte, Kaffee und Alkohol verursachen häufig Beschwerden. Auch zu viel Rohkost am Abend kann den Darm überfordern. Fettreiche, gebratene Speisen wirken zudem bei vielen wie ein Abführmittel. RDS-Patienten sollten die Nahrungsmittel identifizieren und vermeiden, die bei ihnen Beschwerden auslösen. Wie beim Reizmagen sollte hier über einen Zeitraum von vier bis sechs Wochen sowohl die Speisen mit Uhrzeit als auch die daraus – meist erst nach Stunden – resultierenden Symptome mit Art, Dauer und Intensität notiert werden. Dadurch können die Zusammenhänge zwischen Ernährung und dem körperlichen wie seelischen Wohlbefinden aufgedeckt werden.

Aktuelle Erkenntnisse deuten darauf hin, dass eine FODMAP-reduzierte Ernährung die Beschwerden lindern kann. FODMAP ist die Abkürzung für »Fermentierbare Oligo-, Di-, Monosaccaride und Polyole«. Gemeint sind Mehrfach-, Zweifach- und Einfachzucker sowie mehrwertige Alkohole, die in zahlreichen Lebensmitteln stecken. FODMAPs sind:

  • Fructose (in Obst und Gemüse)
  • Galactose (in einigen Gemüsesorten)
  • Fructane (in einigen Gemüsesorten, Roggen- oder Weizengebäck)
  • Saccharose (etwa in Roggen- oder Weizenprodukten)
  • Lactose (in Kuhmilchprodukten)
  • Polyole (Zuckeraustauschstoffe wie Xylit, Sorbit und Maltit)

FODMAPs werden im Dünndarm nicht ausreichend abgebaut und gelangen nahezu unverändert in den Dickdarm. Dort werden sie mikrobiell vergoren, wobei Gase entstehen. FODMAP-reiche Lebensmittel sind beispielsweise Getreide wie Weizen, Dinkel und Roggen, einige Obstsorten wie Äpfel, Birnen oder Trauben und bestimmte Gemüsesorten, beispielsweise Brokkoli, Mais und Zwiebeln. Um eine FODMAP-arme Ernährung korrekt umzusetzen, ist die professionelle Hilfe durch eine Ernährungsfachkraft empfehlenswert. Aber auch in einem ersten Schritt kann die Ausschlussdiät schnelle Linderung bringen: Das Weglassen von verdächtigen Lebensmitteln über vier bis sechs Wochen und die anschließende Wiedereinführung in den Speiseplan bringt Klärung.

Gegen die Beschwerden wie Blähungen helfen in erster Instanz pflanzliche Arzneimittel. Pfefferminzöl, Kümmel, Anis und/oder Fenchel entkrampfen den gereizten Darm und lösen die Gasansammlungen. Die Ballaststoffe von Flohsamenschalen quellen mit ausreichend Flüssigkeit eingenommen im Darm auf und wirken so darmregulierend – sowohl bei Verstopfung als auch bei Durchfall.

Mit probiotischen Produkten kann zudem die Balance der Darmflora wiederhergestellt werden. Die Darmflora profitiert neben Ballaststoffen auch von einer polyphenolreichen Ernährung, empfehlenswert sind Heidelbeeren und andere dunkle Beeren sowie Äpfel und Birnen – vorausgesetzt der Darm toleriert die Lebensmittel.

Mehr von Avoxa