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Tipps zum Tabuthema

Rund um den Po

Die meisten Patienten scheuen bei Problemen rund um den Po den Arztbesuch. Ihre erste Anlaufstelle ist meist die Apotheke. Umso wichtiger ist es, die Eigendiagnose des Patienten genau zu hinterfragen. Die Gesprächsführung kann sich schwierig gestalten, denn das Thema ist mit Scham behaftet.
Christina Brunner
01.07.2022  16:30 Uhr

Der Darm ist salonfähig geworden: Bücher zum Thema verkaufen sich als Bestseller, das Darm-Mikrobiom und sein Einfluss auf Gehirnentwicklung, Psyche oder Immunsystem findet großes Interesse. Nur der Darmausgang, der Anus, fristet nach wie vor ein tabuisiertes Dasein. Dabei sind proktologische Beschwerden weit verbreitet. Die Autoren der aktuellen S3-Leitlinie zu Hämorrhoidalleiden gehen zum Beispiel davon aus, dass bis zu 70 Prozent aller Erwachsenen einmal im Laufe ihres Lebens von symptomatischen Hämorrhoiden betroffen sind. Neben Hämorrhoiden können Analfissuren, Analfisteln und -abszesse, Marisken, Ekzeme oder Analvenenthrombosen Probleme bereiten. Auch wenn die Beschwerden vielfältig sind, letztlich sind es wenige Leitsymptome, die Alltag und Lebensqualität der Betroffenen zum Teil massiv einschränken: Juckreiz, Blutungen, schmerzhaftes Brennen, (starke) Schmerzen bei jedem Stuhlgang, Nässen und ein Fremdkörpergefühl. Diskretion und Fachwissen sind gefragt, wenn es um die Beratung zu anorektalen Problemen geht.

Heikle Themen

Kunden, die sich immer wieder nach rechts und links umschauen und ihr Anliegen nicht direkt beim Namen nennen, haben ein Tabuproblem. Ein geschützter Gesprächsraum erleichtert deren Beratung, das Angebot kann etwa so lauten: »Wir haben eine ungestörte Beratungsecke. Sollen wir unser Gespräch dort fortführen?« Ein Hinweis auf die Häufigkeit und die Alltäglichkeit der Beschwerden kann dem Patienten die Scheu nehmen. Hat der Patient trotzdem Hemmungen, sollten PTA statt der klassischen offenen W-Fragen (Für wen? Was, wann?, Wie oft? et cetera) gezielte geschlossene Fragen stellen, zum Beispiel: Hatten Sie bereits einmal solche Beschwerden?, Leiden Sie akut unter Schmerzen?, Juckt der Po?, Sind die Beschwerden plötzlich aufgetreten oder häufig wiederkehrend?, Spielt der Stuhlgang dabei eine Rolle?, Ist der Stuhlgang weich/hart?, Ist Blut, Schleim oder Eiter auf dem Stuhl/Toilettenpapier/Unterwäsche zu sehen? Welche Farbe hat das Blut? Können Sie eine Schwellung ertasten? Lässt sich die Schwellung reponieren?

Beschwerden rund um den Po beruhen zwar selten auf einer ernsthaften Erkrankung, dennoch müssen sie im Beratungsgespräch ausgeschlossen werden. Leiden Patienten zum ersten Mal unter analen Beschwerden, schildern sie sehr starke Schmerzen oder berichten über Blutungen, sollte zur Klärung an den Arzt verwiesen werden. Schmerzen weisen eher auf Analfissuren, einen Abzess oder eine Analvenenthrombose hin. Hellrotes Blut auf dem Stuhl stammt meist aus dem Analkanal, bereits geronnenes Blut im Stuhl kann auf einen kolorektalen Tumor hinweisen. Ein Verweis an den Arzt muss ebenfalls erfolgen, wenn der Verdacht auf eine sexuell übertragbare Krankheit vorliegt oder wenn die Beschwerden schon länger als sechs Wochen anhalten. Erst, wenn ein Arztbesuch nicht notwendig ist, können PTA im Rahmen der Selbstmedikation beraten.

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