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Labordiagnostik

Saft mit Aussagekraft

Blutwerte geben Hinweise darauf, wie gesund der Körper ist und können helfen Krank­­heiten oder Fehlfunktionen von Organen aufzuspüren. Auch für die Beratungspraxis in der Apotheke kann es nützlich sein, verschiedene Werte und deren Zusammenspiel zu kennen.
Michelle Haß
18.06.2019  09:00 Uhr

Zwischen 7 und 8 Prozent besteht der menschliche Körper aus Blut. Bei einem Erwachsenen entspricht dies zwischen 4 und 6 Liter. Aus funktioneller Sicht ist Blut ein Gewebe bestehend aus Blutzellen und einer flüssigen Interzellularsubstanz, dem Plasma. Es übernimmt zahlreiche lebenswichtige Aufgaben und erreicht über das Gefäßsystem nahezu alle Teile des Körpers. So ist es unter anderem an der inneren Homöostase und der Immunantwort des Organismus beteiligt oder transportiert Stoffe wie Hormone und Arzneimittel. Die Eigenschaften des Blutes bewegen sich in engen Grenzen, sodass das Volumen und die Zusammensetzung des Blutes beim Gesunden nur geringen Schwankungen unterliegen.

Blutplasma ist eine klare gelbe Flüssigkeit, in der Elektrolyte, Proteine und niedermolekulare organische Substanzen wie Hormone in Wasser gelöst vorliegen. Die enthaltenen Proteine über-nehmen verschiedenen Funktionen wie Transport, Pufferfunktionen oder sind an der Blutgerinnung beteiligt. Plasma ohne Gerinnungsfaktoren nennt man Serum. Die zellulären (korpuskulären) Bestandteile des Blutes machen etwa 40 bis 60 Prozent des Gesamtvolumens aus. Sie werden im Knochenmark aus hämatopoetischen Stammzellen gebildet, und man unterscheidet drei Arten: weiße Blutkörperchen (Leukozyten), rote Blutkörperchen (Erythrozyten) und Blutplättchen (Thrombozyten).

  • Erythrozyten bilden den größten Anteil an den Blutzellen. Sie sind zuständig für die Sauerstoffversorgung des Körpers und wirken am Abtransport von Kohlenstoffdioxid und der Regulation des Blutpuffers mit. Ihre Funktion ist dabei an den roten Blutfarbstoff Hämoglobin gebunden, der Sauerstoff binden kann. Erythrozyten haben eine durchschnittliche Lebensdauer von 120 Tagen. Anschließend werden sie hauptsächlich über die Milz aus dem Blut entfernt.
  • Leukozyten erfüllen unterschiedliche Abwehrfunktionen gegenüber Fremdstoffen und Krankheitserreger, sind also Teil der Immunantwort. Morphologisch unterteilt man sie in drei Un-tergruppen: Lymphozyten, Granulozyten und Makrophagen.
  • Thrombozyten sind die kleinsten der Blutzellen und wirken an der Blutgerinnung mit.

Klein oder differenziert

Ein Blutbild untersucht die Blutzellen genauer. In der Praxis unterscheidet man zwischen kleinem und großem Blutbild. In Ersterem werden die Anzahl der einzelnen Blutzellen, der Hämoglobingehalt (Hb) sowie verschiedene Erythrozytenindices bestimmt. Das kleine Blutbild kann erste Hinweise auf Erkrankungen wie Infektionen liefern. Ein großes Blutbild setzt sich aus einem kleinem und dem sogenannten Differentialblutbild zusammen. Dabei werden die Zellen morphologisch betrachtet und die weißen Blutkörperchen in ihre Subtypen unterteilt.

Veränderungen in der Leukozytenzahl können unterschiedliche Ursachen haben. Eine Verminderung (Leukozytopenie) kann Medikamenten-bedingt auftreten oder beruht auf Erkrankungen des Knochenmarks. Eine Erhöhung der Leukozytenzahl (Leukozytose) ist häufig mit entzündlichen Vorgängen zum Beispiel infolge einer Infektion verbunden. Proliferative Bluterkrankungen kommen ebenfalls als Ursache in Frage. Bei Verdacht darauf oder unklarer Änderung der Leukozytenzahl wird in der Regel ein Differentialblutbild erstellt, um genauere Aussagen treffen zu können.

Oft dient das kleine Blutbild zum Nachweis einer Anämie. In der Klinik spricht man von einer Anämie, wenn die Erythrozytenzahl vermindert ist und/oder die erythrozytäre Hämoglobinkonzentration vermindert ist. Da die Erythrozytenzahl als Einzelparameter zur Feststellung einer Anämie diagnostisch wenig aussagekräftig ist, müssen andere Parameter wie der Hämatokrit herangezogen werden. Definitionsgemäß bezeichnet der Hämatokrit den Anteil der korpuskulären Bestandteile (Blutzellen) in einem Liter Blut. Er ist also ein Maß für das Verhältnis von Flüssigkeit und Zellen im Blut. Da der Hämatokrit überwiegend von der Erythrozytenkonzentration abhängig ist, weisen niedrige Werte auf eine absolute Anämie oder eine relative Verminderung zum Beispiel aufgrund einer Hyperhydratation hin.

Ein weiteres Kriterium zur Klassifikation einer Anämie ist die Hämoglobin(Hb)-Konzentration. Generell gilt, dass Erythrozytenzahl und Hämoglobinwerte miteinander korrelieren und sich gleich verhalten. Ein normaler Hb-Wert schließt somit eine Anämie in der Regel aus. Bei Personen, die sich längere Zeit in großen Höhen aufhalten oder auch bei Rauchern, steigt der Hb meist an. Dies geschieht infolge eines physiologischen Anpassungsprozesses, um trotz verminderten Angebots die Sauerstoff-Versorgung des Organismus zu gewährleisten.

Wert Männer Frauen
Erythrozyten 4,5 – 5,9 x 1012/l 4,1 – 5,1 x 1012/l
Leukozyten 4 – 10 x 109/l 4 – 10 x 109/l
Thrombozyten 150 – 400 x 109/l 150 – 400 x 109/l
Hämatokrit (HKT) 40 – 49 % 33 – 43 %
Hämoglobin (Hb) 13,6 – 17,2 g/dl 12,0 – 15,0 g/dl
MCV (mean corpuscular volume) 81 – 96 fl 81 – 96 fl
MCH (mean corspuscular haemoglobin) 27 – 34 pg 27 – 34 pg
MCHC (mean corpuscular haemoglobin concentration) 32 – 36 g/dl 32 – 36 g/dl
  Normwerte des kleinen Blutbildes

Zusammenhänge betrachten

Wichtig: Eine Anämie ist keine Diagnose, sondern lediglich ein Befund, der verschiedene Ursachen haben kann. Ein akuter oder chronischer Blutverlust, Störungen der Hämoglobinsynthese zum Beispiel bei genetischen Erkrankungen wie Sichelzellenanämie, Störungen der Erythropoese oder eine Hämolyse kommen hier als Ursache in Frage. In Westeuropa findet man überwiegend Eisenmangelanämien entweder als Konsequenz chronischer Blutungen oder einer Minderversorgung mit Eisen.

Um die Anämie morphologisch einordnen zu können, werden weitere Parameter, auch Erythrozytenindices genannt, herangezogen. Dazu zählen das MCV (durchschnittliches Volumen eines Erythrozyten), der MCH (absolute Menge an Hämoglobin in einem Erythrozyten) und die MCHC (durchschnittliche Hämoglobinkonzentration in allen Erythrozyten). Eine Differentialdiagnostische Betrachtung dieser Werte ermöglicht es, potenzielle Ursachen der Anämie zu identifizieren.

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