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Gifte am Ende der Nahrungskette

Schadstoffe aus Gewässern

Eine alte Weisheit besagt: Wasser ist Leben. Doch oft enthalten Flüsse, Meere und sogar das Grundwasser Schadstoffe. Diese beeinträchtigen nicht nur die Umwelt, sondern können auch die menschliche Gesundheit gefährden.
Barbara Erbe
22.03.2021  08:30 Uhr

Nitrate und Phosphate aus der Landwirtschaft, Schwermetalle und organische Schadstoffe aus der Industrie, Rückstände von Arzneimitteln oder auch mit Schadstoffen angereicherte Mikroplastikteilchen: All diese Stoffe gelangen in unsere natürlichen Gewässer. Experten bezeichnen sie auch als Mikroverunreinigungen. Das Problem: Sie können nicht nur der Umwelt schaden, sondern auch der menschlichen Gesundheit, warnt das Umweltbundesamt in seinen »Empfehlungen zur Reduzierung von Mikroverunreinigungen in den Gewässern«. 

Die Wege, auf denen solche Verunreinigungen in Grundwasser, Flüsse, Seen und Meere gelangen, sind vielfältig etwa durch Abwässer aus Kläranlagen, Abschwemmung aus Böden, Auswaschung über Niederschläge oder auch durch Versickerung. Ebenso mannigfaltig sind die Ursachen. Besonders die intensive Landwirtschaft trägt ihren Teil zur Verunreinigung des Wassers bei. So ist laut Umweltbundesamt die intensive Stickstoffdüngung (sowohl organisch als auch mineralisch) in Deutschland die weitaus größte Quelle für Nitratbelastungen des Grundwassers und für die Nährstoffüberversorgung (Eutrophierung) von Flüssen, Seen und Meeren. Beim Menschen wandelt der Körper Nitrat zu Nitrit um, welches den Sauerstofftransport beeinträchtigt und besonders für Säuglinge schädlich sein kann. Darüber hinaus bedrohen Pflanzenschutzmittel und in Düngemitteln enthaltene Schwermetalle (Cadmium, Uran) das Ökosysteme an Land und im Wasser.

Belastete Fische

Durch die industrielle Produktion wiederum gelangen Schwermetalle wie Quecksilber aus Kohlekraftwerken und Dioxine oder auch Polychlorierte Biphenyle (PCB) aus der Chemie- und Elektroindustrie ins Wasser – und über die Nahrungskette auch auf den Teller. So warnt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), dass Fische aus Flüssen, in deren Sedimenten erhöhte Dioxin- und PCB-Gehalte nachgewiesen wurden, mit eben diesen Chemikalien belastet sein können. »Im Einzelnen wurde festgestellt, dass besonders Aale in der Regel höhere Gehalte an Dioxinen und PCB aufwiesen als andere Fischarten«, heißt es in einer Stellungnahme. »Über die Hälfte (64 Prozent) aller untersuchten Proben überschritten den in der EU gültigen Höchstgehalt.« Aus diesem Grund warnt das Institut: Der Verzehr von fettreichem Fisch – wie zum Beispiel Aal – könne erheblich zur Aufnahme von Dioxinen und PCB beim Menschen beitragen und sollte daher allenfalls gelegentlich stattfinden.

Die perfluorierten Industriechemikalien Perfluoroctansulfonsäure (PFOS) und Perfluoroctansäure (PFOA) sind zwar seit 2010 (PFOS) beziehungsweise 2020 (PFOA) in Europa verboten. Da sie sich aber nur schwer abbauen, sind sie in der Umwelt noch allgegenwärtig und damit auch in Gewässern und in Nahrungsmitteln nachweisbar. Studien der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) ergaben Zusammenhänge zwischen der Höhe an PFOS und PFOA im Blut und Veränderungen des Fettstoffwechsels etwa der Erhöhung des Gesamtcholesterins im Serum. Für PFOS wird außerdem die verminderte Antikörperbildung nach bestimmten Impfungen bei Kindern kritisch gesehen. Für andere Beeinträchtigungen etwa der hormonellen Entwicklung, des Schilddrüsenstoffwechsels, der Nierenfunktion oder auch des Harnsäurespiegels sieht die EFSA dagegen keine ausreichende Evidenz.

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