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Dermokosmetik

Schäume, die Softies für die Haut

Seidig weich, duftig-fluffig, zart schmelzend: Schäume wecken nur positive Assoziationen, egal ob auf dem Latte macchiato, dem Süppchen im Sterne-Restaurant oder unter der Dusche. Derzeit erleben sie als Mousse oder Foam in der Kosmetik eine Renaissance, sie geben der Hautpflege sozusagen einen Schub. Nebenher erfreuen sie das Galeniker-Herz.
Elke Wolf
20.05.2021  16:00 Uhr

Schäume haben sich in der Hautpflege einen festen Platz erobert: Überall wird geschüttelt, gepumpt und gesprayt. So kommt Schaumfestiger in die Haare, ein Schaum durchfeuchtet die Füße besser als eine Creme und unter der Dusche sorgt eine Mousse für den Frischekick. Und selbst so manches Puder lässt sich mit Wasser und einem Pinsel zu den luftig-leichten Blasen aufschäumen.

Schäume fassten in der Kosmetik zunächst als Reinigungspräparate Fuß. Die Geschichte, die dahintersteckt: Seit Jahrtausenden wurde zur Reinigung die Rinde des Seifenbaums benutzt. Die in der Rinde enthaltenen Saponine schäumen. So entstand vermutlich die Assoziation Schaum und Sauberkeit. In der Realität macht natürlich nicht der Schaum sauber, sondern darin enthaltene Tenside.

Moderne Schäume werden aus Druckbehältnissen, die an Spraydosen erinnern, freigesetzt. Am oberen Ende befindet sich ein Applikator mit einem Ventil und einem Sprühkopf. Enthalten sind meist flüssige Tensidlösungen oder O/W-Emulsionen, seltener halbfeste O/W-Cremes. Damit aus der Lösung oder der Emulsion ein Schaum entsteht, benötigt man einen gewissen Anschub; dafür sorgen Treibgase. Verglichen mit einer klassischen O/W-Emulsion kommt es beim Schaum durch das zugesetzte Treibgas zu einer enormen Volumenzunahme um den Faktor 10. Der Ausschluss von Licht und Luft macht den Zusatz von Konservierungsmitteln überflüssig.

Treibgas gibt Schub

Die am häufigsten verwendeten Treibgasmischungen bestehen aus Propan, n-Butan und Iso-Butan (2-Methylpropan). Seltener kommt Dimethylether zum Einsatz. Diese Treibgase liegen bei dem in der Dose herrschenden Druck von etwa 3 bis 5 bar in flüssiger Form vor. Sie mischen sich vollständig oder teilweise mit den in der Formulierung enthaltenen Lipiden (Abbildung, links). Die meisten Schaum-Aerosole gehören zum Typus der Schaum-Cremes, deren flüssige Phase eine O/W-Emulsion ist. Hier löst sich das unpolare Treibgas in Lipidtröpfchen der Emulsion oder die druckverflüssigten Treibgase mischen sich mit ihr. Einige Präparate enthalten gar keine extra Lipide, sondern das druckverflüssigte Treibgas bildet die Lipidphase in der O/W-Emulsion.

Beim Betätigen des Sprühkopfes verdampft das Gas explosionsartig, die eben noch vorliegende Emulsion tritt als Schaum aus (Abbildung, rechts). Der Schaum bildet sich also erst bei der Applikation. Durch das Aufschäumen der O/W-Emulsion entsteht eine sehr große Oberfläche, von der flüchtige Bestandteile der kontinuierlichen Phase, zum Beispiel Wasser, sehr viel rascher verdunsten als bei normalen Emulsionen. Das bringt einen gewissen Kühleffekt auf der Haut mit sich.

Ein weiterer Vorteil gegenüber herkömmlichen topischen Darreichungsformen: Ein Schaum kann gleichmäßig und schonend, nahezu berührungsfrei auf Haut und Schleimhaut aufgetragen werden und wird schnell von der Haut absorbiert. Daher sind Schaumformulierungen besonders auf irritierter und entzündeter Haut eine gute Idee (etwa Dexpanthenol zur Wundheilung und Behandlung leichter Sonnenbrände wie Linola® sept Wundspray). Weiteres Plus: Sie lassen sich an schwer zugänglichen Körperstellen auftragen wie etwa an der Kopfhaut oder den Zehenzwischenräumen; Schäume sind streichfähig und rinnen nicht wie bei Flüssigkeiten von der Applikationsstelle.

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