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Zeitpunkt entscheidend

Schilddrüsentabletten richtig einnehmen

Sie ist walnussgroß und produziert lebenswichtige Hormone: die Schilddrüse. Verändert sich das schmetterlingsförmige Organ krankhaft, können die Folgen für den Körper erheblich sein. Das passende Medikament kann die entstehenden Funktionsstörungen beheben – wenn es konsequent und richtig eingenommen wird, wie die Apothekerkammer Niedersachsen in einem Presseschreiben betont.
Apothekerkammer Niedersachsen/Katja Egermeier
12.01.2021  14:30 Uhr

Besonders häufig sind eine Hyperthyreose (Überfunktion) oder Hypothyreose (Unterfunktion) der Schilddrüse. Ebenfalls weit verbreitet: ein durch Jodmangel bedingter Kropf (Struma). Fast 50 Prozent der über 45-Jährigen haben damit zu tun.

Während eine krankhafte Veränderung der Schilddrüse im Anfangsstadium kaum auffällt, können die Symptome später sehr unterschiedlich sein. Sie reichen von Antriebsarmut über Nervosität und Gewichtsschwankungen bis hin zu Luftnot und Herzrasen. Wer also unsicher ist, ob die Schilddrüse in Ordnung ist, dem empfiehlt die Apothekerkammer Niedersachsen, einen Arzt diagnostizieren zu lassen, ob eine hormonelle Funktionsstörung durch eine Veränderung der Schilddrüsenfunktion vorliegt. Denn die Früherkennung und Frühbehandlung einer Schilddrüsenerkrankung sei richtungsweisend. Der Arzt werde auch die Therapie einleiten: Bei einer Unterfunktion wird mit Schilddrüsenhormonen behandelt, bei Schilddrüsenüberfunktion werden beispielsweise Medikamente verordnet, die den Einbau von Jod in die Schilddrüsenhormone hemmen. Auch Betablocker (Propranolol) können zur symptomatischen Behandlung eingesetzt werden.

Richtige Einnahme entscheidend

Bei der Einnahme der Schilddrüsenmedikamente komme es vor allem auf den richtigen Zeitpunkt an. Die Apothekerkammer Niedersachsen rät Schilddrüsenpatienten, sich hierzu in der Apotheke vor Ort beraten zu lassen. Der Arzneimittelexperte helfe, das eigene Wissen rund um die eigene Krankheit zu vertiefen und damit auch mögliche Wechselwirkungen – ob mit rezeptfreien Eisenpräparaten, bestimmten Schmerzmitteln, Blutverdünnern oder Lebensmitteln – zu reduzieren.

Denn: Schilddrüsenhormonpräparate gehören zu den Medikamenten, die in enger Abstimmung mit dem Arzt und dem Arzneimittelexperten eingenommen werden sollten. So können schon veränderte Tablettenzusammensetzungen des Herstellers oder eigenmächtig geteilte Tabletten gesundheitliche Probleme nach sich ziehen.

Wichtig für den Therapieerfolg ist

  • die regelmäßige Einnahme zum passenden Einnahmezeitpunkt (zum Beispiel immer morgens auf der Bettkante),
  • mindestens 30 Minuten vor dem Frühstück,
  • keine zeitgleiche Einnahme von Schilddrüsenhormonen mit Wirkstoffen wie Colestyramin, Sucralfat, Östrogene, Phenytoin, Furosemid in hohen Dosierungen sowie mit oralen Antikoagulantien zur Blutverdünnung
  • keine zeitgleiche Einnahme mit freiverkäuflichen Eisen- und Calciumpräparaten, Salicylaten als Schmerzmittel sowie magensäurebindenden Präparaten,
  • der Verzehr kalziumhaltiger Lebensmittel wie Milch und Milchprodukte oder Fruchtsäfte nur in einem Abstand von mindestens zwei Stunden,
  • der Verzicht auf eine sojareiche Ernährung (kann die Schilddrüsenhormonaufnahme reduzieren)

Jodsalz in der Küche

Ob Meersalz, Jodsalz oder Seefischmahlzeiten: Jod ist für die Produktion der Hormone T3 und T4 essenziell. Die Apothekerkammer Niedersachsen empfiehlt Erwachsenen, circa 180 bis 200µg täglich über ihre Ernährung zu sich nehmen. Symptome wie Müdigkeit und eine höhere Infektanfälligkeit könnten auf einen Jodmangel und infolgedessen einen Mangel an T3 und T4 hindeuten. Vor dem Griff zu einem Nahrungsergänzungsmittel sollten sich Betroffene mit ihrem Arzt oder Apotheker besprechen.

Missbrauch als Schlankheitsmittel

Einige Schilddrüsenmedikamente werden der Apothekerkammer auch als Schlankheitsmittel missbraucht, denn sie steigern den Stoffwechsel und den Fettabbau. Wird durch Überdosierung jedoch eine Hyperthyreose, eine Schilddrüsenüberfunktion, provoziert, kann das gefährliche Folgen haben: Herzrasen, Unruhe, Muskelschwäche oder Herzrhythmusstörungen. Schlimmstenfalls droht sogar eine akute und lebensbedrohliche Stoffwechselentgleisung, die thyreotoxische Krise, die tödlich enden kann.

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