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Tropenkrankheiten

Schistosomiasis – Gefahrenquelle Süßwasser

Einfache Diagnose und Therapie

Eine Schistosomiasis lässt sich im Labor relativ einfach nachweisen, sobald die weiblichen Tiere Eier produzieren. Diese sind nach etwa vier bis zwölf Wochen mikroskopisch im Urin oder Stuhl erkennbar. Ein serologischer Nachweis von spezifischen Antikörpern ist erst drei Monate nach der Exposition aussagekräftig. Dieser Test kann allerdings nicht unterscheiden, ob es sich um eine frische oder schon länger zurückliegende Infektion handelt und ist deshalb nur für Reiserückkehrer sinnvoll, die sich zum ersten Mal in einem Endemiegebiet aufgehalten haben.

Die Behandlung der Erkrankung ist einfach und zu fast 100 Prozent wirksam. Praziquantel (Biltricide®), an drei aufeinanderfolgenden Tagen verabreicht, wirkt zuverlässig auf die ganz jungen und die adulten Würmer. Das bedeutet, dass die medikamentöse Therapie in der Regel erst beginnt, wenn die Würmer im Menschen ausgereift sind, was nach etwa drei Monaten der Fall ist. So lange muss der Patient mit den Parasiten leben. Resistenzen gegenüber dem Arzneistoff sind bisher noch nicht aufgetreten.

Schwieriger als die Therapie der Reiserückkehrer mit einer Schistosomiasis ist die Behandlung der einheimischen Bevölkerung. Das Problem liegt darin, dass sich Kontakt mit den Erregern nicht vermeiden lässt, sie also immer wieder neu Menschen infizieren. Deshalb helfen Kampagnen von Hilfsorganisationen nur begrenzt, die sich allein auf die medizinische Behandlung beschränken. Nachhaltiger wirkt, bessere hygienische Verhältnisse zu schaffen, mit Zugang zu sauberem Wasser und sanitären Anlagen. Diese Maßnahmen unterbrechen den Kreislauf der Vermehrung der Pärchenegel.

Eine Impfung gibt es bislang noch nicht, die Prophylaxe für Reisende in Endemiegebiete beschränkt sich darauf, den Kontakt mit kontaminiertem Süßwasser zu meiden. Dazu gehört nicht nur, nicht in stehenden oder langsam fließenden Gewässern zu baden, sondern es zählt auch dazu, kritisch zu hinterfragen, woher das Wasser in Rasensprinklern und Duschen stammt, vor allem in einfachen Unterkünften.

Zwischen 2011 und 2015 traten immer wieder einzelne Infektionen mit S. haematobium im Süden Korsikas auf, was auf eine Verbreitung der Erreger in Richtung der gemäßigten Zonen hindeuten könnte.

Eine harmlose Form der akuten Schistosomiasis existiert auch hierzulande. In warmen Sommern heizen sich die Binnenseen über 20 Grad Celsius auf, und besonders in den flachen Uferregionen vermehren sich von Wasservögeln eingeschleppte Trichobilharzien in den Wasserschnecken. Die von ihnen ausgeschiedenen Zerkarien befallen auf der Suche nach ihrem Endwirt auch den Menschen, der für sie jedoch einen Fehlwirt darstellt. Sie sterben in der Haut ab und verursachen eine stark juckende Dermatitis, die so genannte Zerkarien- oder Badedermatitis. Sie ist harmlos, weil sich die Zerkarien im Menschen nicht weiter entwickeln können, führt aber oft dazu, dass Badeseen wochenlang gesperrt werden müssen.

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