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Regelmäßige Alpträume

Schlechte Träume könnten früher Hinweis auf Parkinson sein

Ältere Menschen, die häufig schlecht träumen, haben möglicherweise ein erhöhtes Parkinson-Risiko. Alpträume könnten demnach das erste Frühzeichen sein. Das legt eine britische Beobachtungsstudie mit männlichen Probanden nahe.
Laura Rudolph
15.06.2022  11:45 Uhr

Die Wahrscheinlichkeit, innerhalb von fünf Jahren an Parkinson zu erkranken, könnte bei älteren Menschen (≥ 67 Jahre) mit regelmäßigen Alpträumen doppelt so hoch ausfallen wie bei Menschen, die nicht regelmäßig schlecht träumen. Dies geht aus einer jetzt im Fachjournal »eClinicalMedicine« veröffentlichten Publikation eines Forscherteams der Universität Birmingham hervor.

Bereits frühere Forschungsarbeiten lieferten Hinweise, dass Menschen mit Parkinson vermehrt Alpträume haben. Nun untersuchte das Team um Dr. Abidemi Otaiku, ob Träume sich umgekehrt auch als Risiko-Indikator vor dem Krankheitsausbruch eignen. Dafür wertete es Daten von insgesamt 3818 männlichen Probanden der US-Kohortenstudie »Osteoporotic Fractures in Men Study« aus. Mithilfe eines Regressionsmodells schätzten die Forscherinnen und Forscher das Risiko, an Parkinson zu erkranken, abhängig davon, wie häufig Alpträume auftraten.

Die benannte Studie lief über einen Zeitraum von zwölf Jahren, beginnend 2003. Zu Studienbeginn füllten die Probanden unter anderem einen Fragebogen bezüglich ihrer Schlafqualität aus. Diejenigen, die angaben, mindestens einmal pro Woche schlecht zu träumen, beobachteten Abidemi und Kollegen nach Studienende weiter, um zu ermitteln, ob bei ihnen häufiger die Parkinson-Krankheit diagnostiziert wurde als bei Personen ohne Alpträume.

Alpträume als möglicher Risikoindikator

91 Probanden entwickelten während der Nachbeobachtungszeit Parkinson. Die meisten Parkinson-Diagnosen wurden in den ersten fünf Jahren der Studie gestellt. Bei denjenigen Probanden, die in diesem Fünfjahres-Zeitraum häufig schlecht träumten, war die Wahrscheinlichkeit, später an Parkinson zu erkranken, mehr als dreimal so hoch wie bei Probanden, die in diesem Zeitraum weniger Alpträume hatten. Dies legt nahe, dass häufige Alpträume ein der Krankheit vorausgehendes Parkinson-Symptom sein könnten.

»Wir müssen in diesem Bereich zwar noch weiter forschen, aber die Identifizierung der Bedeutung von schlechten Träumen und Alpträumen könnte darauf hinweisen, dass Menschen, die im Alter ohne offensichtlichen Auslöser Veränderungen in ihren Träumen feststellen, einen Arzt aufsuchen sollten«, fasst Hauptautor Otaiku in einer Pressemitteilung seiner Universität die Ergebnisse zusammen.

Die Studie zeigt, dass Träume wichtige Informationen über Prozesse und Strukturen im Gehirn geben könnten. Allerdings umfasste die Studie nur Probanden männlichen Geschlechts, sodass größere Studien mit Teilnehmerinnen und Teilnehmern aller Geschlechter noch ausstehen. Das Forscherteam plant, mithilfe der Elektroenzephalographie (EEG) die biologischen Gründe für die Traumveränderungen zu untersuchen. Zudem wollen sie den Zusammenhang zwischen Träumen und anderen neurodegenerativen Erkrankungen wie Demenz untersuchen.

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