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Tumorschmerztherapie

Schmerz ist nicht gleich Schmerz

Bei Tumorerkrankungen können unterschiedliche Schmerzen auftreten, die eine differenzierte Behandlung erforderlich machen. Mit dem geeigneten Medikament ist bei der Mehrzahl der Patienten meist sogar Schmerzfreiheit möglich.
Ulrike Viegener
06.09.2019
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Eine Tumorschmerztherapie muss auf Augenhöhe mit den Patienten und ihrer Leidenswirklichkeit erfolgen. Das betont die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin (DGS) zu Beginn ihrer Praxisleitlinie Tumorschmerz. Wenn man dieser Leidensrealität gerecht werden will, dürfe man sich nicht allein auf die Ergebnisse kontrollierter pharmakologischer Studien – den Goldstandard der evidenzbasierten Medizin – stützen. Mindestens so wichtig seien die persönliche Erfahrung der Schmerzmediziner (als interne Evidenz) sowie die Wünsche und Bedürfnisse der Patienten.

Wer Tumorpatienten schmerztherapeutisch begleitet, müsse sich klarmachen, dass es für einen Außenstehenden kaum vorstellbar ist, mit welcher Wucht der Schmerz die Betroffenen trifft. Und wie unermesslich der Zugewinn an Lebensqualität ist, wenn sie von diesem Schmerz befreit werden. Oft ist es gar nicht primär die Krebserkrankung selbst, sondern der Schmerz, der Krebskranke daran hindert, aktiv und selbstbestimmt am Leben teilzunehmen. Tagtäglich starke Schmerzen aushalten zu müssen, raubt sehr viel Kraft, die die Patienten zum Leben brauchen. Die Schmerzen tangieren alle Lebensbereiche, sie gefährden die Autonomie der Patienten und belasten ihre Beziehungen zu Angehörigen und Freunden. Der Schmerz hält den Patienten – vielleicht mehr als alles andere – in seiner Krebserkrankung gefangen.

Vor diesem Hintergrund ist die aktuelle schmerzmedizinische Versorgungsrealität zu sehen. 2017 hat die DGS gemeinsam mit der Deutschen Schmerzliga (DSL) als Patientenorganisation eine Online-Befragung durchgeführt, an der mehr als 5000 Tumorschmerzpatienten teilnahmen. Viele Krebskranke sind schmerzmedizinisch unter- beziehungsweise fehlversorgt, so das Ergebnis dieser Umfrage. Das hat die Befürchtungen der Initiatoren noch weit übertroffen. 3707 Patienten gaben an, unter Dauerschmerzen und zusätzlich unter akuten Schmerzattacken zu leiden.

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