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Lactose und Fructose

Zucker-Intoleranzen: Schmerzen im Bauch

Lactose-Intoleranz

Lactose ist das vorherrschende Kohlenhydrat in der Muttermilch und der Milch fast aller Säugetiere. So ist Lactose in der Milch von Kühen, Schafen, Ziegen, Stuten, Kamelen und Eseln enthalten. Chemisch betrachtet handelt es sich um ein Disaccharid aus den Einfachzuckern Galactose und Glucose. Im Darm wird Lactose durch ein membranständiges Enzym, die Lactase, in diese beiden resorbierbaren Einfachzucker gespalten.

Für Säuglinge ist es lebenswichtig, Milchzucker zur Energiegewinnung und als Galactose-Quelle nutzen zu können. Nach der Stillzeit ist der heranwachsende Mensch nicht mehr auf Milchzucker angewiesen. Das führt dazu, dass die Lactase-Aktivität zunehmend zurückgeht – zumindest bei der Mehrheit der Weltbevölkerung. In Mittel- und Nordeuropa dagegen vertragen die meisten Menschen Milch ein Leben lang. Wie ist diese Ausnahme zu erklären? Bei Völkern, die seit langem Milchviehzucht betreiben, setzte sich vor etwa 5000 bis 10.000 Jahren eine Genveränderung durch, die es den Menschen ermöglichte, auch als Erwachsene noch Milch zu trinken. Vermutlich war dies für die Menschen ein Überlebensvorteil, denn ihnen stand somit eine weitere Quelle für Flüssigkeit, Kalorien und Vitamin D zur Verfügung.

Lebensmittel Lactosegehalt (g/100g)
Molkenpulver 65,9
Magermilchpulver 50,5
Kuhmilch Trinkmilch 3,5% Fett 4,7
Schafmilch 4,4
Dickmilch 1,5% Fett 4,1
Saure Sahne 10 % Fett 3,5
Schlagsahne 30% Fett 3,3
Körniger Frischkäse 3,3
Quark < 10% Fett i. Tr. 3,2
Joghurt 3,5% Fett 3,2
Appenzeller mind. 50% Fett i. Tr. 0,4
Brie mind. 50% Fett i. Tr. 0,1
Feta 0,0
Gouda mind. 45% Fett i. Tr. 0,0
Emmentaler mind. 45% Fett i. Tr. 0,0
Parmesan 0,0
Quelle: modifiziert nach www.ernaehrung.de/tipps/laktoseintoleranz/lakto13.php
Lactosegehalt ausgewählter Milchprodukte

Diese Genvarianten weisen nordeuropäische Völker sowie einige afrikanische und arabische Nomadenstämme auf. Dennoch ist die Verträglichkeit von Milch keine feste Eigenschaft, sondern kann sich im Laufe des Lebens verändern. So nimmt auch bei manchen Europäern die Lactase-Aktivität mit zunehmendem Alter ab. Umgekehrt können sich manche Asiaten, die in Mitteleuropa leben, offenbar an das Ernährungsangebot anpassen und mit der Zeit Milch vertragen.

Relativ häufig ist die sekundäre Lactose-Intoleranz. Sie ist die Folge einer anderen Erkrankung, beispielweise einer Zöliakie oder einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung, die zu einer Degeneration der Darmzotten und damit zu einem Verlust der Lactase führt. Auch eine Darmoperation oder eine Strahlentherapie kann eine sekundäre Lactose-Intoleranz hervorrufen. Wird die Grunderkrankung erfolgreich therapiert beziehungsweise heilt sie aus, exprimieren die Darmzellen wieder vermehrt Lactase und Milch wird verträglich. Falls die Grunderkrankung nicht behandelt werden kann und die Lactose-Intoleranz bestehen bleibt, sollte der Patient eine Ernährungsberatung erhalten, damit er sich trotz Lactose-Intoleranz vielseitig und gut ernähren kann und keine Beschwerden mehr hat.

Eine nachlassende Lactase-Aktivität bleibt lange Zeit unbemerkt. Erst wenn das Enzym mehr als die Hälfte seiner Kapazität eingebüßt hat, treten Beschwerden auf. Doch selbst bei schwerer Lactose-Intoleranz bleibt in der Regel eine Restaktivität der Lactase erhalten, sodass meist noch mindestens 12 Gramm Lactose vertragen werden. Somit müssen Menschen mit Lactose-Intoleranz Milch nicht ganz so streng vermeiden wie Milcheiweißallergiker, bei denen schon kleinste Eiweißmengen eine allergische Reaktion hervorrufen können.

In der Aufbauphase entwickelt der Betroffene ein Gefühl dafür, wie viel eines Lebensmittels er in welcher Kombination verträgt. Unter Anleitung des Ernährungsberaters lernt er, lactosereiche, -arme und -freie Lebensmittel zu unterscheiden. Enthält ein Lebensmittel Milch, Milchprodukte oder reine Lactose, muss dies laut Lebensmittel-Kennzeichnungsverordnung auf der Packung angegeben werden. Auch bei sogenannter loser Ware, etwa beim Bäcker oder Metzger, muss diese Information für den Verbraucher verfügbar sein. Milchzucker ist ein häufig eingesetzter Zusatzstoff. Meist soll er in dem Lebensmittel eine cremige Konsistenz erzielen.

Auch in der Tablettenherstellung wird Lactose als Hilfsstoff eingesetzt. PTA und Apotheker können besorgte Patienten jedoch beruhigen. Der Lactose-Gehalt liegt in der Regel deutlich unter 100 Milligramm pro Tablette oder Kapsel. Selbst Patienten, die mehrmals täglich mehrere Medikamente schlucken, nehmen dadurch insgesamt höchstens 800 bis 1000 Milligramm Lactose pro Tag auf.

Mittlerweile bietet jeder größere Supermarkt lactosefreie Kuhmilch und daraus hergestellte Produkte an. Bei diesen Lebensmitteln wurde der Milch bereits in der Molkerei Lactase zugesetzt, die den Milchzucker in Glucose und Galactose gespalten hat. Dies erklärt den leicht süßen Geschmack der lactosefreien Milch. Sauermilchprodukte wie Dickmilch oder Joghurt sowie Hartkäse sind per se lactosearm oder -frei, da der Milchzucker durch Milchsäurebakterien beziehungsweise bei der Käsereifung abgebaut wurde. Wer statt lactosefreier Milch Pflanzendrinks aus Soja, Mandeln, Reis oder Hafer bevorzugt, sollte Produkte mit Calciumzusatz wählen, um diesen wichtigen Nährstoff ausreichend zuzuführen.

Unterwegs oder bei Einladungen ist es oft nicht möglich, die Zusammensetzung einer Mahlzeit zu beeinflussen. Für solche Fälle sind Lactase-Präparate (zum Beispiel Lactrase®, Lactosolv®, Lactostop®) hilfreich, um das Enzym zu substituieren. Entsprechende Tabletten oder Kapseln werden unmittelbar vor dem Verzehr von milchzuckerhaltigen Lebensmitteln eingenommen. Alternativ können Betroffene die Kapseln auch öffnen und den Kapselinhalt in bis zu 50°C warme Speisen oder Getränke geben. Die erforderliche Dosierung hängt von der verzehrten Lactosemenge und der Restaktivität der körpereigenen Lactase ab. Betroffene müssen meist ein wenig ausprobieren, bis sie ein Gefühl für die individuell richtige Dosierung entwickeln. Das Enzym in den Handelspräparaten ist pflanzlichen Ursprungs und wird von dem Schimmelpilz Aspergillus oryzae produziert.

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