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Coronavirus-Pandemie

Schnelle Impfstoffentwicklung, langer Weg zur Normalität

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen steigt, selbst striktere Beschränkungen scheinen die Entwicklung nicht aufhalten zu können. Große Hoffnungen ruhen auf einer Impfung. Doch dabei gibt es viele Unwägbarkeiten.
dpa
28.10.2020  14:15 Uhr

Weltweit arbeiten Wissenschaftler und Pharmaunternehmen daran, rasch einen Corona-Impfstoff zu entwickeln und auf den Markt zu bringen. Was sonst viele Jahre dauert, soll jetzt binnen Monaten geschehen: »Lightspeed«, also »Lichtgeschwindigkeit«, nennt etwa das Mainzer Unternehmen Biontech sein Impfstoffprojekt, das es zusammen mit dem US-Pharmariesen Pfizer vorantreibt. Die Entwicklung wird derzeit zu den aussichtsreichsten weltweit gerechnet. Der Impfstoff ist einer von momentan etwa einem Dutzend Kandidaten in der dritten und letzten Phase der klinischen Prüfung mit Zehntausenden Probanden. Doch bevor ein Impfstoff verteilt werden kann, sind noch einige Hürden zu überwinden.

Russland und China impfen zwar bereits Teile der Bevölkerung, allerdings lagen für die Genehmigung entscheidende Daten aus den klinischen Prüfungen noch nicht vor. Wie sicher diese Impfstoffe sind und wie gut sie schützen, ist unklar. In Europa wurde bisher für zwei Impfstoffkandidaten parallel zur klinischen Prüfung der Zulassungsprozess bei der europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) gestartet. Ob - und wenn ja, wann - diese Impfstoffkandidaten zugelassen werden, bleibt abzuwarten.

Schon jetzt ist klar: Auch die Zulassung eines Impfstoffs wird die Pandemie nicht sofort beenden. Experten weisen darauf hin, dass kein Impfstoff eine 100-prozentige Wirksamkeit erreicht, also nicht jeder Geimpfte zuverlässig vor einer Infektion geschützt sein wird. Das ist nicht ungewöhnlich und auch bei anderen Impfstoffen so. Beim Masernimpfstoff etwa ist die Effektivität mit 95 Prozent relativ hoch. Grippeimpfstoffe haben eine Schutzwirkung zwischen etwa 60 und 70 Prozent. Für die Zulassung der ersten Corona-Impfstoffe hat die US-Zulassungsbehörde FDA eine Wirksamkeit von mindestens 50 Prozent als Ziel vorgegeben, in der EU gibt es noch keine Empfehlung.

»Es ist möglich, dass erste Impfstoffe nicht immer verhindern können, dass es zu einer Ansteckung kommt«, sagt Arne Kroidl, leitender Prüfarzt für Corona-Impfstudien am Tropeninstitut des Klinikums der Universität München. »Allerdings ist ein deutlicher Effekt hinsichtlich klinischer Symptome oder schwerer Verläufe zu erwarten, eine verminderte Viruslast würde zudem eine verminderte Infektiosität wahrscheinlich machen.« Auch das wäre ein Erfolg.

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