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Welt-Psoriasis-Tag 2020

Schuppenflechte ist heute therapierbar

Schuppenflechte, Psoriasis vulgaris, ist nicht - wie vielfach angenommen - eine reine Erkrankung der Haut. Sie gilt heute als klassische Systemerkrankung mit genetischer Ursache, die chronisch rezidiviert. Das haben drei ärztliche Fachgesellschaften, das regionale Psoriasisnetzwerk und ein Selbsthilfeverband in einer gemeinsamen Pressemitteilung anlässlich des heutigen Welt-Psoriasis-Tags klargestellt. 
Christiane Berg
29.10.2020  13:45 Uhr

In Deutschland sind etwa 2,4 Prozent der Bevölkerung, also rund 2 Millionen Menschen, an Schuppenflechte erkrankt. Circa 400.000 leiden an mittelschweren bis schweren Formen. Mit der Einordnung als Systemerkrankung habe es einen Umbruch sowohl in der Diagnose als auch in der Therapie gegeben, stellen die Experten in der Pressemeldung fest. Im Focus der Behandlung stehen nun insbesondere die Gefäßentzündungen. Sie triggern Arteriosklerose und damit Herzinfarkt und Schlaganfall.

Ebenfalls nicht zu unterschätzen seien Co-Morbiditäten, die von Psoriasis-Arthritis über Insulinresistenz und Übergewicht bis hin zu Angststörungen und Depressionen reichen, heißt es weiter. Auch vor diesem Hintergrund sei ein generalisiertes Krankheitsmanagement der Schuppenflechte unumgänglich.

Systemische Therapieoptionen

Derzeit stünden allein 31 systemische medikamentöse Therapieoptionen zur Behandlung der Psoriasis zur Verfügung. Deshalb seien Patienten bei spezialisierten Dermatologen am besten aufgehoben. Psoriasis-Experten hätten sich unter PsoNet in bundesweit 29 Psoriasis-Netzen zusammengeschlossen. Patienten finden hier Hautärzte, deren Kompetenz eine leitliniengerechte Versorgung der Schuppenflechte garantiere.

In der systemischen Therapie kommen konventionelle Erstlinientherapeutika wie Acitretin, Ciclosporin, Fumarsäureester oder Methotrexat zum Einsatz. Auch systemisch wirkende Biologika wie zum Beispiel Adalimumab und Secukinumab, ergänzen die Therapieoptionen der ersten Wahl. Alternativ werden sogenannte Second-line-Therapeutika wie der PDE-4-Hemmer Apremilast, außerdem Etanercept, Infliximab und Ustekinumab eingesetzt.

Der PASI-Score (Psoriasis Area and Severity Index) beschreibt die Ausdehnung der für die Schuppenflechte typischen Plaques und somit das Ausmaß der Krankheitsaktivität. »Mit modernen Medikamenten ist die PASI-Reduktion um über 90 Prozent möglich. Daran muss sich eine moderne Psoriasis-Therapie messen lassen«, so Professor Matthias Augustin, Leiter des Instituts für Versorgungsforschung in der Dermatologie und bei Pflegeberufen (IVDP) in Hamburg.

Ein weiteres Therapieziel: die Haut soll möglichst frei von psoriatischen Plaques sein. Dazu stehen topische Therapien, unter anderem mit Glucocorticoiden -beziehungsweise Glucocorticoid/Calcipotriol-haltigen Medikamenten zur Verfügung.

Der Unterversorgung entgegenwirken

»Trotz aller therapeutischen Fortschritte sind in der Versorgung noch immer viele Hürden zu überwinden«, so Augustin und Mrowietz mit Blick unter anderem auf Richtlinien, Wirtschaftlichkeitsprüfungen und teils strenge Repressalien der Kassenärztlichen Vereinigungen (KV), die die behandelnden Hautärzte oftmals ausbremsten. Nicht zuletzt aufgrund der Verunsicherung der Dermatologen seien in den einzelnen Bundesländern große Unterschiede beim Biologika- und Biosimilar-Einsatz zu registrieren, bis hin zur Nicht-Verordnung.

Wissen ist Macht: Das gelte auch für die Psoriasis-Patienten selbst. »Für Patienten kann es entscheidend sein, der Patientenselbsthilfe beizutreten«, unterstreicht der Geschäftsführer des Deutschen Psoriasis Bundes (DPB), Marius Grosser. Ob Arztsuche, Stand der modernen Forschung, Workshops, Seminare, juristische und medizinische Beratung oder Erfahrungsaustausch mit anderen Erkrankten: »Selbsthilfe zeigt Wege auf. Sie kann Betroffene zu Expertinnen und Experten in eigener Sache machen und zur Verbesserung des Krankheitsverlaufes beitragen«, unterstreicht der Psoriasis-Bund.

Frühere Therapie nicht mehr zeitgemäß

Die ältere Vorgehensweise, auch bei ausgeprägter Schuppenflechte zunächst mit einer äußerlichen Therapie zu beginnen, dann mit UV-Licht zu bestrahlen und, wenn das nicht hilft, als nächste Option eine »leichte« systemische Therapie einzusetzen, sei nicht mehr zeitgemäß. »Auch mittelschwer betroffene Patienten können von einer frühen und adäquaten Systemtherapie profitieren«, unterstreicht Professor Ulrich Mrowietz aus Kiel, in dem gemeinsamen Pressestatement.

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