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HPV-Impfung

Schutz für Mädchen und Jungen

Seit dem Sommer 2018 empfiehlt die Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut (STIKO) die Impfung gegen humane Papillomviren (HPV) nicht mehr nur für Mädchen, sondern auch für Jungen zwischen 9 und 17 Jahren. Denn die Impfung schützt auch Männer vor verschiedenen Krebsarten. Zudem hofft man auf einen besseren Gemeinschaftsschutz.
Barbara Erbe
12.02.2019
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»Die HPV-Impfung ist echte Krebs­prävention«, erklärt Dr. Axel Schroeder, Präsident des Berufsverbandes der Deutschen Urologen (BvDU). Zwar verlaufen Infektionen mit humanen Papillomviren in den meisten Fällen ohne Symptome. Nach ein bis zwei Jahren sind die Viren dann nicht mehr nachweisbar. Bestimmte Virusvarianten – die sogenannten Hochrisiko-Typen HPV 16 und HPV 18 – können sich aber dauerhaft in der Schleimhaut ansiedeln und dort die Teilung der Zellen stören. So können sie über Krebsvorstufen zu bösartigen Tumoren im Gebärmutterhals, im Anogenitalbereich, in der Mundhöhle und im Rachen führen.

Nach Daten des Zentrums für Krebsregisterdaten erkranken in Deutschland jedes Jahr etwa 6250 Frauen und 1600 Männer an HPV-bedingten Karzinomen. Das Robert-Koch-Institut (RKI) verzeichnete im Jahr 2017 insgesamt 7850 HPV-assoziierte Tumorerkrankungen, das entspricht 1,6 Prozent aller Krebserkrankungen. Die HPV-Impfung kann Mädchen und Jungen vor solchen Tumoren schützen – und darüber hinaus auch vor den hundertfach häufi­geren Anogenitalwarzen, die zwar weitaus weniger bedrohlich, aber doch für viele Menschen eine Last sind.

Wenn es darum geht, Eltern darauf hinzuweisen, dass die HPV-Impfung nunmehr für beide Geschlechter em­pfohlen und auch von den Kranken­kassen übernommen wird, sollten PTA die Krebsprävention in den Vordergrund rücken, betont Dr. Thomas Harder im Gespräch mit PTA-Forum. Harder ist Teamleiter im Bereich Forschung und Methoden im Fachgebiet Impfprävention am RKI. So könnten sie beispielsweise fragen: »Wussten Sie eigent­lich, dass es einen Impfstoff gibt, der gegen Krebs schützt?« Eine vergleichbare Schutzwirkung gegen eine Krebsvorstufe habe bislang einzig die Hepatitis-B-Impfung in Bezug auf die Leber.

Dass humane Papillomviren hauptsächlich beim Sexualverkehr durch Mikro­verletzungen der Haut oder Schleimhaut in innere Zellschichten eindringen, ist wichtig zu wissen. Daher sollten Kinder vor dem ersten Sexual­kontakt geimpft werden. Prä­ven­tions­experte Harder rät aber, im Gespräch nicht sofort die sexuelle Übertragbarkeit in den Fokus stellen. »Das schreckt Eltern jüngerer Kinder manchmal eher von der Impfung ab, als dass es sie motiviert«, so seine Erfahrung.

Schutz vor Genitalwarzen

2006 wurden zunächst zwei Impf­stoffe zugelassen: Cervarix® wirkt nur gegen die beiden Hochrisikotypen HPV 16 und 18, die Gebär­mutter­hals­krebs und andere Krebsarten auslösen können. Für den Impfstoff ist aber auch eine gewisse Kreuzprotektion gegen­über nicht enthaltenen Typen beschrieben. Die quadrivalenten Impfstoffe Gardasil® und Silgard® richten sich zusätzlich gegen HPV 6 und 11, die Feigwarzen verursachen. Gardasil und Silgard sind mittlerweile nur noch als Importe in Deutschland verfügbar. Denn seit 2016 ist Gardasil® 9 auf dem Markt. Die Vakzine schützt vor insgesamt neun verschiedenen HP-Viren (neunvalenter Impfstoff). Sie deckt zusätz­lich noch HPV 31, 33, 45, 52 und 58 ab – fünf weitere krebs­aus­lösende Virustypen, die sowohl für Frauen als auch Männer gefährlich werden können. Wie die quadrivalenten Impfstoffe schützt der neunvalente Impfstoff auch vor Genitalwarzen (Condylomata acuminata), die zu 90 Prozent von den HPV-Typen 6 und 11 verursacht werden. Die Impfstoffe, die in die Oberarmmuskulatur gespritzt werden, enthalten keine vermehrungsfähigen Viren, sondern Proteine, die der Virushülle entsprechen. Diese können keine Infektion auslösen, veranlassen aber das Immunsystem, schützende Antikörper zu bilden. Je nach Alter wird insgesamt zwei oder drei Mal geimpft.

Sichere Impfung

Die Skepsis, die viele Eltern der Im­pfung noch mehr als anderen Impfungen entgegenbringen, lasse sich durch die Studien­lage entkräften, betont Harder. Die registrierten Nebenwirkungen der Im­pfung seien keineswegs schwerwiegender als bei üblichen, weitläufig akzeptierten Impfungen, etwa gegen Diphterie oder Keuchhusten. Möglich sind Hautreaktionen, Schmerzen und Gewebeschwellungen an der Einstichstelle, in seltenen Fällen Verdauungsbeschwerden, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Muskelschmerzen oder Kreislaufprobleme. Wegen Letzteren ist es wichtig, nach der Impfung noch für etwa 15 Minuten in der Arztpraxis zu bleiben. Der Berufsverband der Kinder- und Jugend­ärzte Deutschlands betont in einer Presseerklärung: »Die HPV-Im­pfung ist sicher und hat sich in unzäh­ligen Studien bewährt.«

Ein stabiler Schutz gegenüber den im Impfstoff enthaltenen Virentypen kann nur erreicht werden, wenn es noch zu keiner dauerhaften Infektion gekommen ist. Daher soll die Impfung idealerweise vor dem ersten sexuellen Kontakt verabreicht werden; zugelassen ist sie ab dem Alter von neun Jahren. Laut Studien der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) sind in Deutschland 94 Prozent der Mädchen und 97 Prozent der Jungen zum Zeitpunkt des ersten Geschlechtsverkehrs älter als 14 Jahre. Außerdem haben Studien gezeigt, dass jüngere Mädchen nach der Impfung eine bessere Immunantwort aufbauen als ältere. Diese bessere Immunantwort spricht bei Mädchen und Jungen für eine möglichst frühzeitige Impfung – selbst wenn erste sexuelle Kontakte noch in weiter Ferne liegen.

Das bedeute aber nicht, dass man sich nach dem ersten Sex nicht mehr impfen lassen soll, betont Harder. »Bis Anfang 20 ist eine HPV-Impfung immer noch sinnvoll. Selbst wenn es dann schon zu einer persistierenden HPV-Infektion gekommen sein sollte, bietet die Impfung trotzdem noch einen Schutz vor den anderen HPV-Typen, gegen die sich der Impfstoff richtet.«

Egal welcher Impfstoff verwendet wird: Im Alter von 9 bis 14 Jahren werden jeweils zwei Dosen gegeben. Zwischen der ersten und zweiten Impfstoffdosis sollten mindestens fünf Monate liegen. Wird die zweite Dosis früher als fünf Monate nach der ersten Dosis gegeben, sollte noch eine dritte verabreicht werden.

Drei Dosen

Ab dem Alter von 15 Jahren sind drei Impfstoffdosen notwendig: bei Cervarix jeweils einen und sechs Monate nach der ersten Impfung, bei Gardasil 9 jeweils nach zwei und nach sechs Monaten. Alle drei Dosen sollen innerhalb eines Jahres verabreicht werden. Eine mit dem bi- oder quadrivalenten HPV-Impfstoff begonnene Impfserie kann auch mit dem neunvalenten Impfstoff fortgeführt werden. Laut RKI sollte eine Impfserie jedoch möglichst mit dem Impfstoff vervollständigt werden, mit dem sie begonnen wurde.

Ob es nötig ist, die HPV-Impfung in späteren Lebensjahren aufzufrischen, lässt sich derzeit noch nicht abschließend sagen. Die bisher durchgeführten Studien bei Mädchen beziehungsweise Frauen deuten darauf hin, dass der Schutz mit den Jahren nicht abnimmt.

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