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Bauchwandbruch

Schwachstelle Nabel

Eine kleine Beule, die sich beim Husten oder schweren Heben verstärkt, ist ein Hinweis auf einen Bauchwandbruch. Er entsteht bevorzugt im Bereich von Nabel, Leiste oder Narben, da hier die Bauchwand nur schwach ausgebildet ist. Bereitet der Bruch Beschwerden, sollte er operativ behoben werden.
Carina Steyer
10.11.2022  11:45 Uhr

Die Bauchwand bildet die äußere Begrenzung der menschlichen Bauchhöhle. Sie schützt die inneren Organe, stabilisiert den Rumpf und arbeitet dabei gänzlich ohne Knochengerüst. Um dennoch ausreichende Stabilität zu gewährleisten, besteht die Bauchwand aus mehreren Schichten: Die oberste bildet die Haut mit dem darunterliegenden Unterhautfettgewebe. Als Nächstes folgen die Faszien, ein kräftiges Bindegewebe, das die Muskulatur ummantelt. Die innerste Schicht bildet schließlich das Bauchfell, das die Bauchhöhle auskleidet und viele Organe überzieht.

Normalerweise ist die Bauchwand glatt und über alle Schichten hinweg vollständig geschlossen. Liegt jedoch eine Bindegewebsschwäche vor, kann es bei Erhöhung des Bauchinnendrucks zu einem Spalt in der Muskel-Faszien-Schicht kommen. Mediziner sprechen von einer Hernie, einem Bauchwandbruch. Dieser ist unter der Haut sicht- und fühlbar, da sich in den als Bruchpforte bezeichneten Spalt das Bauchfell einstülpt und einen Bruchsack nach außen bildet.

Leistenbruch am häufigsten

Der Leistenbruch (Leistenhernie) ist die häufigste Form des Bauchwandbruchs. Etwa 25 von 100 Männern und 2 von 100 Frauen sind betroffen. Er entsteht durch eine Schwachstelle in der vorderen Bauchwand, dem Leistenkanal. Dieser verläuft vom Hüftknochen in Richtung Schambein und verbindet die Bauchhöhle mit der Leiste. Der Leistenkanal entwickelt sich vor der Geburt als Hohlraum, durch den bei Jungen die Hoden aus der Bauchhöhle in den Hodensack wandern können. Später verlaufen durch den Leistenkanal Nerven-, Blut- und Lymphgefäße sowie bei Männern der Samenstrang und bei Frauen die Mutterbänder. Dass Männer häufiger von einem Leistenbruch betroffen sind als Frauen, ist der Tatsache geschuldet, dass ihr Leistenkanal breiter angelegt ist.

Narben- und Nabelbrüche teilen sich den zweiten Platz, haben aber verschiedene Ursachen. So kann ein Narbenbruch ausschließlich im Bereich einer Bauchwandnaht nach chirurgischen Eingriffen in der Bauchhöhle entstehen, wenn die Schichten nicht ausreichend fest zusammengewachsen sind. Schätzungen zufolge sind bis zu 15 von 100 Menschen nach einer Bauchoperation betroffen, meist im ersten Jahr nach dem Eingriff. Als Risikofaktoren gelten offene Bauchoperationen, die einen großen Längsschnitt in der Bauchmitte erforderlich gemacht haben, ein höheres Alter, Wundheilungsstörungen und starkes Übergewicht. Letzteres erhöht den Bauchinnendruck und verstärkt damit die Belastung, die auf der Narbe liegt. Rauchen und ein schlecht eingestellter Diabetes sind indirekte Risikofaktoren, da beide Wundheilungsstörungen begünstigen können.

Um einem Narbenbruch vorzubeugen, sollte die Bauchmuskulatur in den ersten Monaten nach einer Bauchoperation nicht zu stark belastet werden. Betroffene, die wieder mit Sport beginnen möchten, sollten den idealen Zeitpunkt mit dem behandelnden Arzt besprechen. Gezieltes Bauchmuskeltraining kann auch unter Anleitung eines Physiotherapeuten erfolgen. Nicht eindeutig nachgewiesen ist bisher, dass das Tragen einer stabilisierenden Bauchbinde das Risiko für einen Narbenbruch senken kann. Liegen bereits vor einer Operation Risikofaktoren für einen späteren Narbenbruch vor, können Chirurgen vorbeugend ein stabilisierendes Kunststoffnetz einsetzen.

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