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Sicher therapieren

Selbstmedikation, OTC und das Grüne Rezept

Ob Schwindel, Schmerzen, Atemwegsbeschwerden, Niedergeschlagenheit, Durchblutungs- oder Schlafstörungen: Zur Linderung körperlicher und seelischer Beschwerden kommen nicht nur rezeptpflichtige Medikamente zum Einsatz. Auch Over the counter Medikamente (OTC), die nicht verschreibungspflichtig sind, können wichtige und effektive Therapieoptionen sein.
Christiane Berg
07.10.2020  16:00 Uhr

Immer Rücksprache halten

OTC-Präparate können chemisch, pflanzlich oder homöopathisch sein und gelten als besonders gut verträglich und sicher in der Anwendung. Daher können sie vom Patienten selbstständig zur Selbstmedikation erworben und angewendet werden.

»Auch bei OTC-Präparaten empfiehlt es sich jedoch, stets Rücksprache mit einem Apotheker zu halten«, so Dr. Matthias Wilken vom Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI), in einem aktuellen Pressestatement. So könnten nicht nur Nebenwirkungen gemindert, sondern auch Wechselwirkungen mit anderen Wirkstoffen oder Nahrungsmitteln ausgeschlossen werden.

»Arzneimittel bedürfen aus guten Gründen einer fachkundigen, individuellen Beratung, denn es handelt sich um komplexe Produkte und Waren der besonderen Art«, so Wilken. Insbesondere ältere Menschen, die zeitgleich oftmals mehrere verschreibungspflichtige Arzneimittel einnehmen, sollten den Apotheker unbedingt darüber informieren.

Das Grüne Rezept

Um ganz auf »Nummer Sicher« zu gehen, könnten Patienten sich von ihrem Arzt ein sogenanntes »Grünes Rezept« ausstellen lassen. »Das Grüne Rezept zeigt, dass dieser die Anwendung eines bestimmten Arzneimittels für therapeutisch notwendig und zweckmäßig hält. Und der Apotheker weiß, welches Arzneimittel er nach ärztlicher Auffassung an den Patienten abgeben soll«, unterstreicht Wilken. Mit dem Grünen Rezept könne der Arzt darüber hinaus auch nicht verschreibungspflichtige Arzneimittel in sein ärztliches Gesamtbehandlungskonzept einbinden.

»Die Empfehlung auf dem Grünen Rezept signalisiert dem Patienten, dass der behandelnde Arzt die Anwendung des OTC-Präparates als sinnvoll erachtet und medizinisch befürwortet. Der Arzt wiederum behält besser die Übersicht, da er weiß, welche Arzneimittel der Patient zusätzlich zu den verordneten rezeptpflichtigen Arzneimitteln einnimmt«, macht auch die ABDABundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände, auf ihrer Homepage deutlich.

Dem Patienten selbst könne das Grüne Rezept zudem nicht nur als Merkhilfe hinsichtlich des Namens des Wirkstoffes, der Dosierung oder der Einnahmemodalitäten, sondern gegebenenfalls auch als Formular (plus Apothekenquittung) zur Kostenerstattung bei der Krankenkasse sowie als Nachweis der außergewöhnlichen Belastung in der Einkommensteuererklärung dienen.

Grundsätzlich bezahlt ein Patient die auf einem Grünen Rezept verordneten Präparate selbst. Jedoch haben Krankenkassen seit 2012 die Möglichkeit, die Erstattung von OTC-Präparaten als Satzungsleistung anzubieten. Etwa zwei Drittel der Kassen, so die ABDA, machen von dieser Möglichkeit Gebrauch und bieten ihren Mitgliedern eine Rückerstattung an. Sinnvoll sei es, vorab genau bei der Kasse die jeweiligen Bedingungen und Konditionen zu erkunden.

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