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Spritzenangst überwinden

Setzen der Anti-Thrombose-Spritze leicht erklärt

Wer längere Zeit einen Gips am Bein trägt, muss sich zur Vorbeugung von Thrombosen mitunter regelmäßig eine Spritze setzen. Ein Piks in die Haut klingt einfach. Doch wie überwindet man sich?
dpa
08.06.2021  16:00 Uhr

Sie werden oft verordnet, wenn ein Bein lange ruhiggestellt wird. Anti-Thrombose-Spritzen sollen der Bildung von Blutgerinnseln in den Venen vorbeugen. Das Risiko dafür steigt, weil das Blut durch die mangelnde Bewegung des gegipsten oder geschienten Beines langsamer durch die Venen fließt als sonst.

Heparin, per Spritze subkutan in den Körper injiziert, soll also mögliche Thrombosen verhindern, wenn man länger nicht mobil ist. Der Wirkstoff setzt die Gerinnungsfähigkeit des Blutes herab. Die Spritzen können auch zum Einsatz kommen, wenn bestehende Blutgerinnsel aufgelöst werden sollen.

„Stellen Sie sich vor, Sie würden mit einer Nadel einen Luftballon zerplatzen lassen.“
Martin Scherer, Allgemeinmediziner

Häufig müssen Patienten eine Anti-Thrombose-Behandlung mit Blutverdünnern zu Hause selbst fortführen. Das heißt: Sie müssen sich eine Spritze setzen. Klingt simpel und ist es laut dem Allgemeinmediziner Martin Scherer auch: »Das geht total einfach und ist ganz unkompliziert.« 

Patienten kommen zum Beispiel nach einem Krankenhausaufenthalt zunächst in die Praxis, um die Heparin-Spritze zu bekommen, schildert der Professor für Allgemeinmedizin und Direktor des Instituts und der Poliklinik für Allgemeinmedizin am Uniklinikum Hamburg-Eppendorf. Die Hausärzte oder geschultes Praxispersonal zeigen den Patienten, wie sie sich daheim spritzen können.    

Spritze wie einen Dartpfeil greifen

Die Hauptstelle für das Spritzen von Heparin ist der seitliche Bauchbereich, etwas unterhalb des Bauchnabels. »Die Spritze muss ins subkutane Fettgewebe dringen«, erklärt Scherer. In der Regel sei kein Mensch so schlank, dass er an der entsprechenden Stelle nicht ein bisschen Fett zu greifen kriege.

»Für Rechtshänder heißt das also, dass sie sich mit der linken Hand so ein bisschen in den Bauch greifen und eine Hautfalte bilden«, sagt der Arzt. Dann nehme man mit der anderen, in diesem Fall rechten Hand die Spritze »wie einen Dartpfeil zwischen Daumen- und Zeigefinger« und steche mit ein wenig Schwung in die Hautfalte. Anschließend drückt man den Kolben und entleert die Spritze.

»Stellen Sie sich vor, Sie würden mit einer Nadel einen Luftballon zerplatzen lassen«, rät Scherer. Dabei würde man auch nicht zaghaft rumstochern, sondern im Wissen, nichts falsch machen zu können, mit einer flüssigen Bewegung in die »Haut« des Ballons reinstechen. Allzu schlanken Patientinnen und Patienten, die überhaupt kein Fett unter der Bauchhaut hätten, würde der Mediziner das Selbstinjizieren allerdings nicht empfehlen. Bei ihnen sollten im Zweifel weiterhin die Hausärztin oder der Hausarzt die Spritzen setzen.

Und wie überwindet man sich, wenn man immer noch Bedenken hat? »Ängstliche Patientinnen und Patienten kann man beruhigen, indem man ihnen erklärt, dass es sich bei der Heparin-Spritze wirklich nur um einen minimalen, kaum spürbaren Piks handelt«, sagt Scherer. »Man kann dabei wirklich überhaupt nichts falsch oder kaputt machen.« Jede Blutabnahme und jede Impfung spüre man mehr als eine Anti-Thrombose-Spritze in den Bauch. Deswegen sei auch eine Betäubung der Haut durch ein Lokalanästhetikum nicht nötig, sagt der Arzt.

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