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Risiken und Nebenwirkungen

Shisha rauchen kein harmloser Zeitvertreib

Shishas sind in Deutschland zunehmend beliebt. Sie haben das Image des besseren Rauchens. Zu ihren Risiken und Nebenwirkungen gehören jedoch Kohlenmonoxidvergiftungen, Nikotinsucht und Krebs.
Judith Schmitz
22.07.2020  09:15 Uhr

Das Rauchen von Wasserpfeifen (Shisha, in den USA Hookah genannt) hat in verschiedenen Kulturen eine lange Tradition. Wohl aus Indien, wo die Wasserpfeife ursprünglich aus Kokosnussschalen hergestellt wurde, verbreitete sie sich im Iran und der arabischen Welt. Die heutige Form entstand vermutlich im Persischen Reich des 15. oder 16. Jahrhunderts. Durch den Kolonialismus kamen auch Westeuropäer mit Shishas in Kontakt.

Die Wasserpfeife besteht aus einem Wassergefäß, einer Rauchsäule, einem Kopf und einem Schlauch mit Mundstück. Spezieller Wasserpfeifentabak wird in den Kopf gelegt, darüber perforierte Alufolie gespannt, auf die glühende Kohle kommt. Der Rauch, der beim Verschwelen des Tabaks entsteht, wird durch das Wasser geleitet und über den Schlauch eingeatmet. Bei der tabakfreien Variante wird der Tabak durch Kräutermischungen, Früchte oder aromatisierte Steine (Shiazo-Steine), Gele oder Flüssigkeiten ersetzt. Vor allem Letztere können Nikotin enthalten. Wird eine elektrische Heizquelle statt Kohle verwendet, handelt es sich um eine E-Shisha.

Der Coolnessfaktor

Seit den 1990er-Jahren gibt es stark aromatisierten und befeuchteten Wasserpfeifentabak, der zur wachsenden Beliebtheit der Shisha auch in Deutschland beigetragen hat und Jüngeren den Konsum erleichtert: Die zum Teil nicht auf ihre Schädlichkeit bei Inhalation untersuchten Aromen überdecken den Nikotingeschmack. Ein fruchtiger Duft suggeriert möglicherweise, es handele sich um etwas Harmloses. Daheim, auf Partys, beim Picknick oder in Shishabars, für die es je nach Bundesland abweichende Nichtraucherschutzbestimmungen gibt, wird die Shisha gerne von jungen Menschen geraucht. Neben der Wahrnehmung als geselliges Gruppenerlebnis scheint bei einigen auch der »Coolnessfaktor« eine Rolle zu spielen. Rapper-Idole bringen Tabaksorten mit ihrem Namen auf den Markt. Auf Youtube gibt es Tabakrankings von Shisha-Nutzern oder Erklärvideos zur Wasserpfeife.

Laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) ist zwar insgesamt das Rauchen in den vergangenen Jahren bei den 12- bis 25-Jährigen zurückgegangen (Alkoholsurvey 2018). Doch der Anteil der befragten 12- bis 17-jährigen Jugendlichen, die Shisha-Rauchen schon einmal ausprobiert haben, stieg von knapp zehn Prozent in 2008 auf knapp 24 Prozent in 2018. Bei den befragten 18- bis 25-Jährigen lag der Wert 2008 und 2018 über 60 Prozent.

Sisha-Rauchen ist nur mitnichten ein harmloser Zeitvertreib, so das Urteil des Lungenarztes Dr. Michael Barczok vom Bundesverband der Pneumologen gegenüber PTA-Forum. Diese Form des Rauchens sei in Deutschland zwar »kein dramatisches Problem«, allerdings mit viel Unwissenheit über seine schädliche Wirkung verbunden. Befragt, ob sie Raucher seien, verneinten Shisha-Konsumenten dies meist zunächst in Barczoks Praxis. Erst wenn der Lungenarzt explizit nach der Wasserpfeife fragte, antworteten sie lapidar: »Ach ja, ab und zu rauche ich eine Shisha.« »Shisha-Rauchen ist Rauchen und wie Zigarettenrauch ungesund. Es gibt nur eine gesunde Alternative zum Zigarettenrauchen: Das Rauchen sein zu lassen«, mahnt Barczok.

Tatsächlich ist das Rauchverhalten bei Wasserpfeife und Zigarette unterschiedlich. Erste wird gelegentlich in einer einstündigen Sitzung meist mit mehreren Personen geraucht. Ein Zigarettenraucher greift zu fünf bis 30 Glimmstängeln pro Tag und raucht sie jeweils in zehn Minuten mit fünf bis zehn Zügen. Der Zigarettenraucher nimmt 50 ml Volumen pro Zug auf und weiß in der Regel, dass dieser Rauch schädlich ist.

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