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Natürliche Familienplanung

Sicher verhüten mit Thermometer und Stift

Schließlich funktioniert der Zyklus nicht wie ein Uhrwerk. Seine Länge schwankt, nicht nur bei Stress oder Infektionen. Zur Verhütung sollten Frauen daher jeden Zyklus individuell auswerten. »Dafür gibt es Einzeichenmethoden wie die reine Temperaturmethode, und Mehrzeichenmethoden«, erklärt Petra Klann-Heinen, Leiterin der Abteilung Gesundheitsförderung und Prävention der Arbeitsgruppe für NFP. Diese wird wissenschaftlich von der Abteilung für Gynäkologische Endokrinologie der Universität Heidelberg begleitet. »Zu den Mehrzeichenmethoden gehören auch die sogenannten symptothermalen Methoden, die die Temperaturauswertung mit einem Östrogenmarker, in der Regel dem Zervixschleim, kombinieren. Für diese Kombination gibt es weltweit verschiedene Auswertregeln mit unterschiedlichen Sicherheitsbereichen.«

Der Begriff »Natürliche Familienplanung« wird häufig synonym zur symptothermalen Verhütung verwendet. Zur besseren Abgrenzung hat die Arbeitsgruppe NFP  eine evidenzbasierte Methode unter dem geschützten Namen Sensiplan® entwickelt. Sie basiert auf jahrzehntelanger Forschung und wird explizit in einer S1-Leitlinie der deutschen Gesellschaft für gynäkologische Endokrinologie und Fortpflanzungsmedizin zur Verhütung empfohlen. Regeln, die von dieser Methode abweichen, seien hingegen kaum oder gar nicht wissenschaftlich untersucht, betont die Expertin.

Temperatur richtig messen

»Für die Messung der Basaltemperatur muss es ein Thermometer mit einer Anzeige von zwei Stellen nach dem Komma sein«, erklärt Klann-Heinen. Die Basaltemperatur ist die Körpertemperatur, die direkt nach dem Aufwachen und vor dem Aufstehen gemessen wird. Praktikabel sind analoge und digitale Thermometer, beispielsweise Geratherm® basal , Cyclotest® Lady Basalthermometer  oder Beurer® OT20 Basalthermometer. »Die Messung sollte drei Minuten dauern«, so Klann-Heinen. Dies gelte auch bei Digitalthermometern, bei denen über den Piepton hinaus zu messen sei.

»Für die Messung der Basaltemperatur muss es ein Thermometer mit einer Anzeige von zwei Stellen nach dem Komma sein.«
Petra Klann-Heinen, Leiterin der Abteilung Gesundheitsförderung und Prävention der Arbeitsgruppe für NFP

Im Idealfall misst die Frau jeden Morgen um die gleiche Uhrzeit, auf jeden Fall aber an der gleichen Körperstelle (vaginal, oral oder rektal). Langes Ausschlafen, aber auch Alkohol sowie Infekte können die Basaltemperatur erhöhen und werden als Störfaktoren gewertet. Übersteigt die Temperatur mindestens drei Tage eine gewisse Schwelle, kann gemäß den Regeln davon ausgegangen werden, dass der Eisprung vorbei ist. Verantwortlich für den Temperatursprung ist das Hormon Progesteron. Diese sogenannte Temperaturhochlage bleibt bis zur Periode bestehen und zeigt bei fehlendem Absinken über 19 Tage eine Schwangerschaft an.

Damit der Zyklus nach der Temperaturauswertung »freigegeben« werden kann, muss ein weiteres Symptom die Unfruchtbarkeit bis Zyklusende bestätigen. Hierfür wird ein Östrogenzeichen herangezogen: Im Laufe der Follikelreifung steigt der Östrogenspiegel kontinuierlich an. Unmittelbar vor dem Eisprung erreicht er einen hohen Peak und fällt binnen weniger Stunden steil ab.

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