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So bedenklich sind die zusätzlichen Pandemie-Pfunde

Es gibt sie wirklich: die Corona-Plauze. Was spaßig, bei manchem gar anerkennend oder liebevoll klingt, erfüllt Ernährungsmediziner mit Sorge. Denn gut ein Viertel aller Eltern und 9 Prozent der Unter-14-Jährigen haben einer nun veröffentlichten Umfrage zufolge im Laufe der Pandemie zugelegt.
dpa
22.10.2020  11:30 Uhr

Zugleich geht die Angst vor dem nächsten Lockdown um – und damit die Sorge vor weiteren überflüssigen Kilos und einem Anstieg gewichtsbedingter Folgekrankheiten. Im Fokus steht dabei besonders der Nachwuchs. »Das Risiko von Übergewicht und Fehlernährung steigt, ganz besonders bei den Schulkindern über zehn Jahren«, erläutert Berthold Koletzko von der Uni-Klinik München ein Ergebnis der repräsentativen Umfrage. »Das ist eine sehr beunruhigende Beobachtung.« Denn die gesundheitlichen Folgen können gravierend sein, zumal im Kindesalter die Weichen für die Ernährungsgewohnheiten des restlichen Lebens gestellt werden.

Soziale Lage spielt große Rolle

Zwar zeigt die Umfrage, dass sich in vier Fünftel aller Familien die Ernährungsgewohnheiten zwischen März und September nicht grundlegend verändert haben. 14 Prozent aßen sogar gesünder, was auch mit einem höheren Anteil selbst gekochter Mahlzeiten zusammenhängt – dies vor allem in den Familien, in denen die Eltern im Homeoffice arbeiteten. Dass die Kinder dennoch zulegten, liege neben der Popularität von Pizza und Pasta vor allem am schnellen Griff zu Limo, Gummibärchen und Chips. Für Kinder-Ernährungsprofi Koletzko besonders erschreckend: »Wenn man dann die sozioökonomische Schichtung anschaut, sieht man, dass Kinder aus Familien mit hohem Bildungsabschluss der Eltern wenig betroffen sind, aber dass eines von vier Kindern von Eltern mit Hauptschulabschluss eine Zunahme des Körpergewichts hat.« Eine Beobachtung, die Ansgar Gerhardus nicht überrascht. »Gesundheit korreliert sehr stark mit sozialer Lage.«

Dementsprechend geht der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Public Health davon aus, dass auch in der Krise weniger Qualifizierte besonders leiden, auch wenn viele Studien dazu noch in Arbeit seien. Dies nicht nur, weil sich Busfahrer und Verkäuferinnen leichter mit dem Coronavirus anstecken als der Computerspezialist im Homeoffice. Sondern auch, weil sozial Benachteiligte ohnehin stärker belastet seien und weniger Ressourcen für den Umgang mit zusätzlichen Belastungen hätten.

Ein Beispiel: Kurzarbeitergeld. »Wenn Sie nur noch zwei Drittel von wenig haben, ist das fast nichts mehr«, rechnet Gerhardus vor. Dies könne Existenzängste auslösen. Dennoch warnt der Fachmann vor simplen Schlussfolgerungen. »Das ist zwischen Berufsgruppen unterschiedlich, zwischen Altersgruppen, aber auch zwischen Individuen.« So gebe es auch akademische Berufsgruppen wie Lehrer, die derzeit unter starkem Stress stünden. »Generell hat die psychische Belastung in vielen Jobs zugenommen«, betont Gerhardus. »Es ist zu erwarten, dass sich diese psychischen Belastungen sowohl in psychischen wie körperlichen Beschwerden niederschlagen.«

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