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Seniorenreisen

So beliebt wie nie

Die Generation 65 plus spielt in unserer Gesellschaft eine präsente und aktive Rolle. Reisefreudig wie noch nie zeigen sich die Senioren. Die Tourismusbranche stellt sich deshalb immer stärker auf deren Bedürfnisse ein.
Carina Steyer
27.06.2019
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Laut Statistischem Bundesamt leben in Deutschland rund 17,5 Millionen Menschen, die 65 Jahre oder älter sind. Senioren bilden damit rund 21 Prozent der Gesamtbevölkerung. Dass es dabei nicht bleiben wird, zeigt der Blick in die Zukunft. Hochrechnungen nennen die älteren und sehr alten Menschen als die stärkste Bevölkerungsgruppe der kommenden Jahrzehnte. Im Jahr 2030 wird der Anteil der über 65-Jährigen bei 26 Prozent liegen, im Jahr 2060 bereits bei 31 Prozent, prognostiziert die aktualisierte Fassung der 13. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung. Die Lebenserwartung steigt kontinuierlich, gleichzeitig geht es vielen Menschen im fortgeschrittenen Alter gesundheitlich so gut, dass Reisen ein wichtiger Bestandteil ihres Lebens ist. So zeigt die »Tourismus Analyse 2019« der Stiftung für Zukunftsfragen, dass die Reiseintensität in der Reisesaison 2018 speziell in der Gruppe der 65- bis 74-jährigen zugenommen hat. Verreiste 2017 noch jeder Zweite von Ihnen, waren es 2018 bereits 61 Prozent. Senioren gewinnen als wachsende Konsumentengruppe in der Tourismusbranche immer stärker an Bedeutung. Viele Unternehmen haben reagiert und ihre Angebotsgestaltung dementsprechend angepasst. 

Verschiedene Profile

Senioren sind keine homogene Gruppe. Sie haben unterschiedliche Bedürfnisse und Ansprüche. Dazu kommt, dass die meisten deutlich mehr Erfahrung im Reisen haben als vorangegangene Generationen. Ihre Ansprüche und Erwartungen an einen Urlaub sind dementsprechend hoch. Im Vergleich zu allen anderen Altersgruppen ist der klassische Sommerurlaub mit Sonne, Strand und Meer bei der Generation 65 plus nur wenig beliebt. Laut »Tourismus Analyse 2019« planen ihn nur 27 Prozent der Ruheständler für dieses Jahr. Hoch im Kurs stehen hingegen Bewegung, Entspannung, Fitness und Wellness.

Vor allem jüngeren Senioren legen Wert auf eine Kombination aus Aktivität und Erlebnis. Sie wollen Kulturen, Länder und Menschen kennen lernen. Die Älteren stellen oft Bequemlichkeit und Gemütlichkeit in den Vordergrund. Zugleich soll es aber auch gesellig und unterhaltsam zugehen, denn viele verreisen inzwischen allein. Gruppenreisen, bevorzugt mit dem Bus, sind besonders beliebt. Reiseservices wie die Abholung des Gepäcks von zu Hause oder deutschsprachige Reiseleiter, welche die Gruppe permanent begleiten, nehmen Senioren ebenfalls gerne in Anspruch.

Mit zunehmender gesundheitlicher Beeinträchtigung gewinnen Wellness- und Kurreisen an Bedeutung. Betreutes Reisen mit einer guten medizinischen Betreuung vor Ort oder permanenter Begleitung durch einen Arzt ermöglicht auch Patienten mit chronischen Erkrankungen einen sorgenfreien Urlaub. Bevor sie jedoch eine derartige Reise buchen, sollten Interessierte noch einmal genau nachfragen, was im Reisepaket enthalten ist, raten Experten. Begleitet ein Arzt die Reisegruppe, wird empfohlen, vorab in Erfahrung zu bringen, welche medizinischen Leistungen im Reisepaket enthalten sind und was für ein Arzt dabei ist. Entsprechende Angebote finden Reiselustige bei Sozial- und Wohlfahrtverbänden, aber auch kommerzielle Reiseanbieter haben heute verschiedene Angebote im Programm.

Ohne Barrieren

Mit zunehmendem Alter werden Unterkünfte ohne Barrieren immer wichtiger. Bodengleiche Duschen, breite Türen, Rampen und Aufzüge erleichtern nicht nur die Mobilität am Urlaubsort, sondern ermöglichen Menschen, die auf einen Rollstuhl oder Rollator angewiesen sind, eine unbeschwerte Reise. In der Arbeitsgemeinschaft »Leichter Reisen« haben sich zehn deutsche Urlaubsregionen und Städte zusammengeschlossen, um Menschen mit eingeschränkter Mobilität, Hör- oder Sehbehinderung das Reisen zu ermöglichen. Auf Langeoog stehen zum Beispiel spezielle Strand- und Wasserrollstühle bereit, mit dem Wattmobil wird das Watt erkundet. Im Lausitzer Seenland geht es mit ausgebildeten Tandemfahrern auf Radtour.

Inzwischen ist die Deutsche Bahn zum Partner geworden. Gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft »Leichter Reisen« sowie dem österreichischen Partner »Barrierefrei Austria« wurden Reiseangebote in Deutschland und Österreich zusammengestellt. Zudem gibt es Ermäßigungen für Menschen ab 60 Jahren und einen Gepäckservice. Barrierefreie Angebote beschränken sich aber nicht nur auf Deutschland. Auch Fernreisen sind möglich. Die Reiseveranstalter kümmern sich um die Anmeldung des Rollstuhls bei der Fluggesellschaft, spezielle Transferfahrzeuge, barrierefreie Hotelanlagen und Hilfsmittelverleih vor Ort.

Senior Comfort

Der Anteil der Internetnutzer in der Generation 65 plus steigt laut Statistischem Bundesamt kontinuierlich. Im ersten Quartal 2017 war die Hälfte der Menschen ab 65 im Internet unterwegs, 64 Prozent von ihnen nutzten das Internet für ihre Reisevorbereitungen. Für sie hat das Hotelportal HRS gemeinsam mit der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisation und dem Kuratorium Deutsche Altershilfe das Label »Senior Comfort« entwickelt. Seit 2013 können Hotels das Siegel beantragen, die den Qualitätskriterien von Senioren entsprechen. Dazu gehören bauliche Eigenschaften wie Parkplätze in der Nähe des Eingangs, Barrierefreiheit, persönliche Atmosphäre oder gute Beleuchtung. Serviceleistungen wie ein Koffer- und Shuttle-Service, medizinische Erstversorgung, organisiertes Programm und Ausflüge sowie gastronomische Angebote wie gut lesbare, kontrastreiche Speisekarten, durchgehend warme Küche oder Service am Platz statt Buffett runden das Angebot ab. 

Vorsorge wichtig

Planen Senioren zu verreisen, kann ein Gesundheitscheck besonders bei chronischen Erkrankungen sinnvoll sein. Zwei Drittel der über 60-jährigen haben einen behandlungsbedürftigen Bluthochdruck. Dieser schließt das Reisen zwar nicht aus, sollte aber zuvor möglichst stabil eingestellt sein. Das gilt vor allem für Fernreisen. Mit dem behandelnden Arzt kann der Patient so auch in Ruhe besprechen, was bei auffälligen Messwerten oder Symptomen wie Kopfschmerzen, Schwindel oder Herzrasen zu tun ist.

Patienten, die Blutdrucksenker aus der Klasse der Diuretika wie Hydrochlorothiazid einnehmen, sollten über eine Anpassung der Medikation vier bis sechs Wochen vor Abreise mit dem behandelnden Arzt beraten. Es gibt Hinweise, dass der Wirkstoff die Häufigkeit der Neuerkrankungen von weißem Hautkrebs steigert, von Sonnenbädern wird deshalb abgeraten. 

Patienten, die bereits an Hypertonie-Folgeschäden leiden, Herzprobleme oder Hochdruck-Krisen haben, wird empfohlen, einen Urlaubsort zu wählen, der eine gute ärztliche Versorgung garantiert. Im Ernstfall kann ein vom behandelnden Arzt ausgestellter Gesundheitsbericht schnelle medizinische Hilfe garantieren. Wenn möglich, sollte dieser in der Landessprache, zumindest aber auf Englisch verfasst sein. Auch eine Medikamentenliste nutzt. Sie schützt vor Engpässen, wenn etwa das Gepäck verloren geht. Um einem Totalverlust vorzubeugen, können Medikamente zwischen Handgepäck und Koffer aufgeteilt werden. Zur Vorlage bei Zollbehörden und Fluggesellschaften wird empfohlen, eine vom Arzt ausgestellte Bescheinigung mit allen notwendigen Medikamenten und medizinischen Geräten mitzunehmen. 

Nicht ohne Impfung

Vor einer Fernreise sollte immer eine reisemedizinische Beratung erfolgen. Als idealen Zeitpunkt empfiehlt das Centrum für Reisemedizin (CRM) etwa sechs Wochen vor Abreise. So bleibt genügend Zeit, um eventuell notwendige Impfungen nachzuholen oder aufzufrischen. Dabei haben die Experten nicht nur tropische Krankheiten im Visier. Je nach Reisezeit und Reiseland kann auch eine Grippeimpfung sinnvoll sein, denn in den Tropen und Subtropen tritt die Grippe ganzjährig auf. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt diese für Personen über 60 Jahren. Eine zurückliegende, auf die damaligen Virenstämme abgestimmte Grippeimpfung, bietet nur bedingt Schutz und sollte entsprechend der Situation im Reiseland erneuert werden.

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