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Gehirn lebenslang fordern

So funktioniert Lernen

Lernen im und für den Alltag

Es gibt Lernarten, die keine didaktischen Lernmethoden darstellen und nicht dazu verhelfen sich schnell und effektiv Lerninhalte einzuprägen. Dennoch spielen diese Formen des Lernens eine sehr prägnante Rolle im Alltag sowie dem menschlichen Miteinander.

Die Anpassung und Gewöhnung an Reize und Reizkonstellationen wird als nicht-assoziatives Lernen bezeichnet. Bei neuen Reizen beispielsweise einer neuartigen Viruserkrankung reagieren wir zunächst mit Schreck, einer Abneigung und erhöhen unsere Aufmerksamkeit. Nach einer gewissen Zeit gewöhnen wir uns an den Reiz und an die Gefahren, die von ihm ausgehen, lernen den Umgang mit der Situation und nehmen sie als selbstverständlich an. Diesen Lernprozess beschreiben die Psychologen als Habituation.

Assoziatives Lernen (klassische Konditionierung) hingegen bezieht sich auf die Lernvarianten, bei denen verschiedene Reize miteinander verknüpft werden. Demnach können Reize wie eine Chemieprüfung einen bestimmten Reflex wie Angst auslösen. Diese Angst kann im Weiteren nicht nur die Chemieklausur selbst betreffen, sondern in eine generelle Prüfungsangst übergehen. So werden konkrete Reize, die ursprünglich als unangenehm, schmerzlich oder bedrohlich interpretiert wurden, auch auf andere Reize (alle Klausuren) übertragen.

Der Vorgang des Konditionierens hat in der Verhaltenstherapie eine zentrale Bedeutung, denn durch therapeutisches Lernen wie Konfrontation und Auseinandersetzung wird ein Umlernen problematischer Verhaltensmuster angestrebt. Betroffene empfinden dadurch Angst oder negative Gedanken als wesentlich weniger unangenehm als vorher.

Das Lernen am Modell bezeichnet die Lernvorgänge, die durch die Beobachtung anderer ausgelöst werden. Menschen neigen dazu Vorbilder nachzuahmen, die als erfolgreich und bewundernswert wahrgenommen werden. In der Zeit der Vernetzung über die sozialen Netzwerke ist diese Lernart gegenwärtig sehr präsent und daher von großer Relevanz. Häufig werden Verhaltensweisen der Influencer unkritisch nachgeahmt, geteilt, gelikt und für gut befunden, unabhängig davon, ob es sich um positive oder sozial wünschenswerte Verhaltensweisen und Ansichten handelt.

Gewöhnung, klassisches Konditionieren und das Beobachtungslernen stellen die Grundlage für das Erlernen der sogenannten Schlüsselqualifikationen (soft skills) dar. Diese inhaltsübergreifenden Kompetenzen sind wichtig , um die Anforderungen im Berufs- und Alltagsleben erfolgreich bewerkstelligen zu können. Zu ihnen gehören Empathie, Toleranz, Umgang mit Stress, Konfliktfähigkeit, Kompromissbereitschaft und vieles mehr. Schlüsselqualifikationen beeinflussen nicht nur unsere Motivation, Emotion und unser Verhalten, sondern ermöglichen auch ein effektives und nachhaltiges Lernen in der Ausbildung und im Studium.

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