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Ab ins kühle Nass

So ist der Badespaß gesichert

Ein beherzter Sprung ins kühle Nass kann gefährlich sein. Vor der schnellen Abkühlung im Meer, in Badeseen oder Flüssen warnt nun die Barmer Krankenkasse vor allem unerfahrene Schwimmer. »Wer nicht richtig schwimmen kann, ohne Abkühlung ins Wasser springt oder die Tücken des Gewässers nicht kennt, geht unnötige Gefahren ein«, erklärt der Sportwissenschaftler der Krankenkasse, Klaus Möhlendick.
Katja Egermeier
14.06.2019
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Nach Angaben der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) sind im vergangenen Jahr mehr als 500 Menschen in Deutschland ertrunken, davon überwiegend Männer und die meisten davon in Binnengewässern – im Jahr 2018 waren 16-mal so viele wie im offenen Meer. Das Risiko in einem Fluss, See oder Teich zu ertrinken ist laut DLRG deshalb so hoch, weil diese nur selten von Rettungsschwimmern bewacht werden. Dass mit 82 Prozent überwiegend Männer ertrinken, »lässt sich meist auf Leichtsinn, Risikobereitschaft und Selbstüberschätzung zurückführen«, erklärt DLRG-Pressesprecher Achim Wiese.

Langsam abkühlen, Alkohol meiden

Eine Empfehlung der Barmer lautet daher, grundsätzlich langsam ins Wasser zu gehen und nicht einfach zu springen. Der Grund: Bei einer zu plötzlichen Abkühlung ziehen sich die Blutgefäße zusammen und pumpen in kurzer Zeit zu viel Blut auf einmal zum Herz. Das belastet die rechte Herzkammer und kann zu Herzrhythmusstörungen führen. Zudem kann kaltes Wasser auf dem Gesicht einen Reflex auslösen, der Herzfrequenz und Blutdruck schnell abfallen lässt.

Auch während des Aufenthalts im Wasser sollte die Kälte vor allem von Menschen höheren Alters oder mit Herz-Kreislauf-Vorerkrankungen nicht unterschätzt werden. In Seen kann es an den tiefen Stellen deutlich kühler sein als im flachen Wasser. Die Körpertemperatur über längere Zeit konstant zu halten ist eine Höchstleistung des menschlichen Organismus. Kaltes Wasser kann zur Adrenalin-Ausschüttung und damit zu Herzrhythmusstörungen und sogar Bewusstlosigkeit führen.

Auch alkoholische Getränke sollten vor dem Schwimmen tabu sein. Alkohol erweitert die Gefäße und kann beim Eintauchen in Wasser im Extremfall zu einem Kälteschock führen – selbst bei Wassertemperaturen von 20 Grad.

Kräfte und Können richtig einschätzen

Nicht selten gehen Schwimmern einfach die Kräfte aus. Strömungen oder plötzlich auftretende Kaltzonen, die beim Schwimmen sehr viel Energie aufzehren, werden unterschätzt. Auch Senioren, ungeübte Schwimmer und Menschen mit Herzproblemen ermüden schneller.

Zur Frage, ob man kurz vor dem Schwimmen essen darf, heißt es bei der Barmer, dass »es grundsätzlich sinnvoll ist, nicht mit leerem Magen ins Wasser zu gehen, sondern geraume Zeit zuvor etwas zu essen«.  Mit leerem Magen fehlt dem Körper Energie. Es ist laut DLRG auch nicht ratsam, mit vollem Magen ins Wasser zu gehen, da der Körper die Energie dann für die Verdauung benötigt. Auch kann der plötzliche Kältereiz zu Übelkeit und Erbrechen während des Schwimmens führen.

Ein weiteres Problem ist laut DLRG auch die rückläufige Schwimmfähigkeit vor allem von Kindern in Deutschland. Eine Umfrage für das Jahr 2017 ergab, dass rund 60 Prozent der Zehnjährigen unsichere Schwimmer seien, 10 Prozent sogar gänzlich Nichtschwimmer. Schon seit Jahren warne sie davor, dass sich durch die Schließung von Schwimmbädern Deutschland zum »Land der Nichtschwimmer« entwickeln könnte.

Die Wasserwacht des Deutschen Roten Kreuzes empfiehlt in ihren Baderegeln, dass Kinder spätestens mit neun oder zehn Jahren sicher schwimmen können sollten. »Wenn das nicht der Fall ist, müssen die Eltern aktiv werden und selbst mit dem Kind üben oder besser einen Schwimmkurs besuchen.«

Wasserqualität in Deutschland

Keine Gedanken müssen sich Schwimmer über die Reinheit der deutschen Badegewässer machen. Die Qualität der Flüsse, Seen und Küstengewässer ist fast überall sehr gut. Gerade erst hat die Europäische Umweltagentur EEA 92,7 Prozent der knapp 2300 getesteten Badestellen hierzulande die Bestnote »ausgezeichnet« verliehen. Nur sechs Stellen fielen wegen zu vieler bedenklicher Bakterien durch. Mit diesem Ergebnis liegen die deutschen Gewässer über dem europäischen Durchschnitt auf Platz sieben.

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