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Vorsorge und Verhalten

So kann jeder sein Hautkrebs-Risiko verringern

Mit rund 270.000 Neuerkrankungen jährlich ist Hautkrebs die häufigste Krebserkrankung in Deutschland. Jeder siebte Patient ist von dem besonders gefährlichen schwarzen Hautkrebs betroffen. Eindringlich verweisen Dermatologen daher auf die große Bedeutung der regelmäßigen Früherkennungsuntersuchungen, die während der Corona-Pandemie fatalerweise deutlich vernachlässigt worden seien.
Christiane Berg
17.05.2021  16:00 Uhr

»In Corona-Zeiten den Hautarztbesuch aus Angst vor einer Infektion heraus zu zögern, kann schwerwiegende Folgen haben. Studien zeigen, dass die Tumordicken beim schwarzen Hautkrebs nach dem ersten Lockdown zugenommen haben, was die Überlebenschancen deutlich mindert«, warnt Dr. Ralph von Kiedrowski vom Berufsverband der Deutschen Dermatologen (BVDD). Insbesondere bei bereits offensichtlichen Hautveränderungen dürfe niemand zögern, umgehend den Hautarzt zu konsultieren.

Das gelte gerade für Menschen, die im Freien arbeiten, so unter anderem Bauarbeiter, Dachdecker, Landwirte oder Postboten. Hätten diese durch die hohen Dosen an UV-Strahlung, denen sie täglich ausgesetzt sind, per se ein gesteigertes Risiko auch für maligne, also bösartige Melanome, so sollten sie mit Blick auf Früherkennung und Vorsorge besondere Sorgfalt walten lassen, macht Kiedrowski anlässlich der bundesweiten Euromelanoma-Woche vom 17. bis 21. Mai 2021 deutlich.

Was viele Arbeitnehmer nicht wüssten: Seit der entsprechenden Änderung der Arbeitsmedizinischen Vorsorge-Verordnung (ArbMedVV) 2019 sind Arbeitgeber in Deutschland verpflichtet, ihren Außenbeschäftigten eine arbeitsmedizinische Beratung und Untersuchung zum berufsbedingten Hautkrebs (BK5103) anzubieten, wenn diese im Zeitraum von April bis September zwischen 10 Uhr und 15 Uhr MEZ mindestens eine Stunde an mindestens 50 Arbeitstagen im Freien tätig sind. Beratung und Untersuchung können alle drei Jahre in Anspruch genommen werden. Sie werden von Arbeitsmedizinern vorgenommen, die bei unklaren Hautbefunden einen Dermatologen hinzuziehen. Das Angebot sollte unbedingt und konsequent wahrgenommen werden.

Unabhängig davon sei der konsequente UV-Schutz während der beruflichen Tätigkeit durch Kleidung aus Spezialtextilien mit UV-Filter, Kopfbedeckungen mit breiter Krempe oder Nackenschild, UV-absorbierenden Sonnenbrillen sowie Sonnencremes mit hohem Lichtschutzfaktor unumgänglich.

Kinder besonders schützen

Unter dem Motto »Hautkrebsgefahr? Nimm die Zeichen ernst« stehen im Focus der diesjährigen Euromelanoma-Woche unter Schirmherrschaft der Europäischen Akademie für Dermatologie und Venerologie (EADV) nicht nur der Selbstschutz durch Früherkennung und Vorsorge, sondern auch der Schutz jener, die besonders auf Fürsorge angewiesen sind: Kinder.

Hier sind hier vor allem Eltern, Erzieher, Lehrer, sprich: Menschen mit Vorbildfunktion gefragt. Sie müssten Kinder dazu anhalten, bei Sonne stets schattige Plätze aufzusuchen und gleichermaßen nie ohne Kopfbedeckung, T-Shirt, Sonnenbrille, Hose und Sonnencreme mit Lichtschutzfaktor 50 auf der Haut aus dem Haus zu gehen. Idealerweise, so Hautexperten, müsste es in Märchen und Erzählungen nicht nur eine Zahnfee, sondern auch eine Hautfee geben.

Diese hätte viel zu tun: Denn gerade von offenbar noch immer unzureichend aufgeklärten Jugendlichen werde in Deutschland oftmals noch »Sonnenbaden bis der Arzt kommt« praktiziert. Das sehe studiengemäß in Australien schon ganz anders aus. Dort zähle Sonnenschutz von klein auf zum Pflichtprogramm und an den Schulen mittlerweile zum Lehrplan. »No hat, no play«: Wer keinen Hut, kein T-Shirt, keine Hose oder keine Sonnenbrille trägt, darf nicht auf dem Schulhof spielen. Ob Kinder, Jugendliche oder Erwachsene: Die pralle Sonne zwischen 11 und 15 Uhr gehöre grundsätzlich gemieden.

Soweit ist es in Deutschland noch nicht. Hier allerdings haben gesetzlich Versicherte ab 35 Jahre alle zwei Jahre Anspruch auf die von der GKV finanzierte Ganzkörperuntersuchung auf Hautkrebs. »Sollte eine verdächtige Hautveränderung die Entnahme einer Hautprobe erfordern, ist dieser kleine chirurgische Eingriff oftmals schon die ganze Therapie – vorausgesetzt, die Hautveränderung wurde frühzeitig erkannt«, betont Kiedrowski.

Eine wissenschaftliche Auswertung der EADV habe gezeigt, dass Hautkrebs in Regionen mit regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen wesentlich früher entdeckt wird und somit behandelbar ist. »Wer also auf der sicheren Seite sein will, sollte alle Beratungs- und Screening-Angebote wahrnehmen«, unterstreicht der Dermatologe mit dem abschließenden Verweis auf einen weiteren Risikofaktor: Die Gefahr, einen Hautkrebs zu entwickeln, nimmt mit steigendem Lebensalter zu.

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