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»Risiko sehr real«

So steht es um Corona in Europa

Nachdem die EU im Frühjahr mit ihren Brandherden Italien und Spanien im Zentrum der Corona-Krise stand, hat sich der große Kampf gegen das Virus längst in andere Weltregionen verlagert. Doch auch die EU-Staaten haben in diesem Sommer ein fast kollektives Problem: Die Infektionszahlen steigen nahezu überall wieder an.
dpa
14.08.2020  15:28 Uhr

Sowohl das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) als auch das Europa-Büro der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sprechen bereits von einem Wiedererstarken des Virus in manchen Ländern – und vielerorts herrschen Sorgen vor weiter zunehmenden Zahlen. »Das Risiko eines Wiederauflebens von Covid-19 ist sehr real«, schrieb EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides zu Wochenbeginn auf Twitter.

Sie verwies dabei auf die jüngste ECDC-Risikobewertung für die Länder des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) zuzüglich Großbritannien. Darin heißt es, viele Staaten testeten jetzt bereits milde Verdachtsfälle ohne Symptome, was zu der Zunahme der Fallzahlen beitrage. In mehreren Ländern gebe es aber auch »ein echtes Wiederaufleben an Fällen«, das eine Folge davon sei, dass die Maßnahmen zum Abstandhalten gelockert worden seien.

Dabei gibt es eine gute und eine schlechte Nachricht im Corona-Kampf. Die gute ist unverkennbar: Die Zahl der Europäer, die im Zusammenhang mit einer Covid-19-Erkrankung sterben, steigt seit langem viel langsamer an als in den heftigen Corona-Monaten März und April. Sie liegt derzeit bei etwa 184.000 Todesfällen für den EWR einschließlich Großbritannien, hinzu kommen rund 1700 in der Schweiz. Aus diesen 32 Ländern kamen zu Spitzenzeiten zwei Drittel der Todesfälle weltweit, mittlerweile ist der Anteil auf ein knappes Viertel zurückgegangen.

Steigende Infektionszahlen

Beunruhigender ist dagegen die Zahl der täglichen Neuinfektionen. Dieser Wert war in 27 der 32 genannten Länder in den ersten sieben Tagen im August höher als in den ersten sieben Tagen des Julis, darunter auch in Deutschland. Während das einst so coronagebeutelte Italien seit Wochen verhältnismäßig gut dasteht und auch die Zunahme etwa in Österreich moderat ausfiel, schossen die Infektionszahlen in Belgien, den Niederlanden und Spanien um ein Vielfaches in die Höhe. Die einst von vergleichsweise vielen Infektionen geplagten Schweden und Portugiesen konnten dagegen einen starken Rückgang vermelden.

Laut Robert-Koch-Institut (RKI) steigt auch in Deutschland die Zahl der bekannten Neuinfektionen weiter. Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten nach Angaben des RKI bis Donnerstagabend 1449 neue Corona-Infektionen innerhalb eines Tages. Höher lag der Wert zuletzt am 01. Mai mit 1639 registrierten Neuinfektionen. Die Reproduktionszahl, kurz R-Wert, lag nach RKI-Schätzungen bei 0,91. (Datenstand vom 13.8.).

Der Höhepunkt bei den täglich gemeldeten Neuansteckungen hatte Anfang April bei mehr als 6000 gelegen. Die Zahl war nach den immer noch über 1000 liegenden Werten im Mai in der Tendenz gesunken, seit Ende Juli steigt sie wieder. Experten sind besorgt, dass es zu einem starken Anstieg der Fallzahlen kommen könnte, der die Gesundheitsämter bei der Nachverfolgung von Ansteckungsketten an Grenzen bringt.

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