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Nicht das Gleiche

So unterscheiden sich Phytotherapie und Homöopathie

Bei kleineren Leiden wie Kopfschmerzen, Husten oder Schlafstörungen greifen die Deutschen gerne zu pflanzlichen Mitteln – und meinen damit nicht nur Phytopharmaka, sondern auch homöopathische Anwendungen. Dabei haben diese zwei Verfahren wenig miteinander zu tun. Doch wo liegen die Unterschiede? Die Apothekerkammer Niedersachsen klärt auf.
PTA-Forum/AK Niedersachsen
15.08.2022  16:00 Uhr

Die Phytotherapie, auch Pflanzenheilkunde genannt, ist eines der ältesten Therapieverfahren in der Medizin. Werden Arzneimittel zur Prävention und Behandlung von Krankheiten aus Pflanzen oder Teilen von Pflanzen hergestellt, heißen sie Phytopharmaka. Die Inhaltsstoffe kommen zum Beispiel aus Blüten, Blättern, Wurzeln oder ganzen Pflanzen und können zu Pulvern, Tabletten, Extrakten, Tropfen, Presssäften und vielem mehr verarbeitet werden. Pflanzen enthalten sogenannte Vielstoffgemische. Ihre Wirkung beruht demnach nicht auf einer einzelnen Substanz, sondern entfaltet sich durch das Zusammenspiel vieler Inhaltsstoffe.

Verbreitete Phytotherapeutika sind beispielsweise Hustensäfte mit Thymian-, Efeublätter- oder Eibischwurzelextrakt. Ginkgoblätterextrakt kann die Durchblutung fördern. Gegen leichte Depressionen können Johanniskrautextrakte helfen, bei mittelschweren Depressionen sind auch Mittel mit höherer Dosierung erhältlich, die aber verschreibungspflichtig sind. Mönchspfeffer wird bei Zyklusstörungen eingesetzt, und bei Magen-Darm-Beschwerden können Extrakte aus Süßholzwurzel, Pfefferminze, Kamille und diversen bitteren Pflanzen Abhilfe schaffen. Unterstützend zu einer Blasenentzündung können Tropfen oder Tabletten aus Bärentraubenblättern eingesetzt werden. Zur Beruhigung lassen sich Lavendelöl oder Baldrianextrakte einsetzen.

Im Unterschied zu den pflanzlichen Arzneimitteln, die im Reformhaus oder Drogerie gekauft werden können, gibt es pflanzliche Arzneimittel, die nur in der Apotheke erworben werden können. Diese apothekenpflichtigen Phytopharmaka werden beim Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) zugelassen. Dabei werden Studien und Untersuchungen eingereicht, die die Qualität und Unbedenklichkeit sowie die Wirksamkeit nachweisen.

Unterschiede von Homöopathie und Phytopharmaka

Diese Phytotherapie folgt medizinisch-naturwissenschaftlichen Grundsätzen und ist damit klar von der Homöopathie abzugrenzen. Denn die Homöopathie beruht auf dem Ähnlichkeitsprinzip von Samuel Hahnemann »similia similibus curentur«, also »Ähnliches soll mit Ähnlichem geheilt werden«. Bei der Herstellung werden Stoffe oder Stoffgemische verdünnt und verschüttelt, was auch Potenzierung genannt wird. Dabei folgt man dem Homöopathischen Arzneibuch (HAB), welche Vorschriften zur Herstellung, Prüfung, Lagerung, Qualitätskriterien, Abgabe und Bezeichnung von homöopathischen Mitteln beinhalte und Teil des offiziellen Deutschen Arzneibuchs ist.

Das sichert, dass die Qualität und Unbedenklichkeit dieser Präparate nachgewiesen werden – einen Wirksamkeitsnachweis haben sie nicht. Sie werden deshalb nur registriert, aber anders als apothekenpflichtige Phytopharmaka nicht als Arzneimittel zugelassen. Die Anwendung erfolgt nach Erfahrung und geht zurück auf den Begründer der Homöopathie Samuel Hahnemann (1755-1843) und seine sogenannten Arzneimittelbilder. Die Homöopathie ist nicht evidenzbasiert.

Warum evidenzbasierte Medikation wählen?

Die evidenzbasierte Medizin soll die Entscheidungsgrundlage für Therapeuten verbessern und die Therapiequalität erhöhen. Arzneimittel müssen in wissenschaftlichen Studien untersucht werden und dabei ihre Wirksamkeit beweisen. Die Patienten haben ein Anrecht auf eine Behandlung mit Methoden und Arzneimitteln, die dem aktuellen Stand der medizinischen Erkenntnisse entsprechen. Daher sind in erster Linie Präparate mit nachgewiesener Wirksamkeit und Nutzen anzuwenden, teilt das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) mit.

Wann welche Therapie zum Einsatz kommt, erfahren Patienten in einem Beratungsgespräch in Ihrer Apotheke vor Ort, wie die Apothekerkammer Niedersachsen erklärt. Hier können sich Patientinnen und Patienten auch gleich über Möglichkeiten und Grenzen der Selbstmedikation informieren.

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