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Unterschätzte Emotion

So wichtig ist Langeweile

Langeweile hat ein schlechtes Image. Zu Unrecht, sind sich Experten einig. Denn das Nichtstun kann helfen, kreativer zu werden und sich neuen Erfahrungen gegenüber mehr zu öffnen.
Jennifer Evans
30.12.2020  12:30 Uhr

Jeder Mensch reagiert anders auf Langeweile. Der eine entwickelt ein neues Hobby, der andere liegt auf dem Sofa und schaut Fernsehen. Eine internationale Umfrage hat gezeigt, dass Langeweile außerdem ein Problem im Job sein kann. Insbesondere in juristischen Berufen scheint es viel Eintönigkeit zu geben. Wie eine Grafik der Statistikdatenbank Statista zeigt, teilen diese Meinung 81 Prozent der Befragten, die in diesem Bereich tätig sind. Auch das Projektmanagement bietet wohl wenig Abwechslung, wie 78 Prozent dieser Berufsgruppe bestätigen. Die wenigsten Menschen langweilen sich laut der Umfrage unter 1300 Fachkräften aus zehn Ländern, wenn sie in der Bildung, Geschäftsführung oder Forschung und Entwicklung arbeiten.

Eine der frühesten Erwähnungen des Wortes Langeweile stammt Wijnand Van Tilburg zufolge aus einem Gedicht des römischen Dichters und Philosophen Lukrez (99 bis 55 vor Christus). Darin beschreibe dieser das öde Dasein eines reichen Römers, der sich auf der Suche nach Abwechslung auf seinen Landsitz flüchtet – nur um sich dort genauso gelangweilt zu fühlen wie in der Stadt, berichtet der Sozialpsychologe und Dozent am Institut für Psychologie an der University Essex in seinem Beitrag auf der Wissenschaftsnachrichten-Plattform »The Conversation«.

Verbreitet hat die Redewendung »zu Tode gelangweilt« dann der englische Schriftsteller Charles Dickens (1812 bis 1870) in seinem Roman »Bleak House« von 1953. Die Aristokratin Lady Dedlock machte davon Gebrauch, um auszudrücken, dass sie sowohl des Wetters und der Landschaft als auch des musikalischen und schauspielerischen Unterhaltungsprogramms überdrüssig war. Laut Van Tilburg war in der gesamten Viktorianischen Literatur Langeweile ein beliebtes Thema. Meist sei es dabei allerdings um das Leben der Oberschicht gegangen, deren Müßiggang Ausdruck des sozialen Status gewesen sei.

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